Pilze sind kompliziert und verhalten sich, wie sie wollen, sagen Fricktaler Pilz-Experten. Darum sei unklar, wie sich Hitze und Trockenheit längerfristig auf die Spezies auswirkten. Sicher ist: Das Wohl der Pilze ist eng mit jenem der Bäume verbunden.
Simone Rufli
Sie leben im ...
Pilze sind kompliziert und verhalten sich, wie sie wollen, sagen Fricktaler Pilz-Experten. Darum sei unklar, wie sich Hitze und Trockenheit längerfristig auf die Spezies auswirkten. Sicher ist: Das Wohl der Pilze ist eng mit jenem der Bäume verbunden.
Simone Rufli
Sie leben im Untergrund, durchdringen den Boden, vernetzen Bäume miteinander, liefern ihnen wertvolle Nährstoffe und Wasser und erhalten im Gegenzug Zucker, den die Bäume mittels Photosynthese herstellen. Die Lebensgemeinschaft zwischen Baum und (Mykorrhiza)- Pilzen ist symbiotisch eng und lebensnotwendig. Inwieweit die Trockenheit und Hitze dieses Sommers die Pilznetzwerke – das unter der Oberfläche liegende Geflecht (Myzel) von feinen Pilzfäden – beeinträchtigt haben, ob die Wirkung auf diese Pilzsaison beschränkt bleibt oder sich längerfristig auswirkt, das sei noch wenig erforscht, sagen übereinstimmend Lotti Rösti und Jens Haverbeck auf Anfrage der NFZ. Die beiden sind als Pilzkontrolleure tätig – Lotti Rösti im oberen, Jens Haverbeck im unteren Fricktal. Zusammen mit neun weiteren Kontrolleurinnen und Kontrolleuren helfen sie Pilzsammlerinnen und Pilzsammlern im Fricktal, essbare von ungeniessbaren Pilzen zu trennen.
Bisher geringe Mengen
Allzu viele Pilzgerichte mit Zutaten aus heimischen Wäldern dürfte es in diesem Jahr allerdings noch nicht gegeben haben, vermuten die beiden, denn ihre Dienste werden derzeit nur selten in Anspruch genommen. «Und wenn die Leute etwas bringen, sind es oft geringe Mengen, keine schönen Exemplare und oft sind sie ausgetrocknet», so Rösti. Jens Haverbeck, Mitglied der Technischen Kommission im Pilzverein Fricktal, gibt zu bedenken: «Der an der Oberfläche sichtbare Fruchtkörper besteht zu über 90 Prozent aus Wasser. Bei grosser Trockenheit sorgen die Bäume zuerst für sich, die Pilze haben das Nachsehen.» Und Lotti Rösti erklärt: «Bei über 25 Grad wächst kein Fruchtkörper.» Die Folge: Es finden sich in den Fricktaler Wäldern derzeit weniger Fruchtkörper als in anderen Jahren.
Vieles ist ungewiss
Weniger Fruchtkörper über längere Zeit wiederum hätte zur Folge, dass weniger Sporen freigesetzt würden, was der Verbreitung der Pilze schaden würde, so Haverbeck. Er sagt aber auch: «Es gibt so viele verschiedene Parameter, die bei Pilzen mitspielen, Wassermangel und Dürre sind nur zwei Faktoren unter vielen.» Etwas einfacher sei die Situation für Pilze, die direkt am Baumstamm wachsen. «Sie zapfen den Saft des Baumes an.»
Sowohl Jens Haverbeck als auch Lotti Rösti wollen die Saison noch nicht abschliessend beurteilen. Beide hoffen auf Landregen über mehrere Tage. «Dann könnte es im Oktober und November auch im Fricktal noch reichlich Pilze geben», sagen sie. Bleibt der Regen Mangelware oder fällt er zu heftig aufs Mal, seien ein gutes Auge und Gespür für ideale Plätze nötig, um eine grössere Menge essbarer Pilze zu finden. «Letzte Woche habe ich zahlreiche wärmeliebende Röhrlinge, Schwefelporlinge und Behangene Faserlinge gefunden», so Jens Haverbeck.