«Zieh, zieh, zieh»
09.05.2023 Stein, SportAn der ausgefallenen Idee der Mumpfer Pontoniere haben sich 38 der 40 Schweizer Pontonierfahrvereine in einem nicht alltäglichen Wettkampf beteiligt. Die reissenden Fluten des Rheins und die Pfeiler der längsten gedeckten Holzbrücke im Nachbardorf Stein dienten den über 700 ...
An der ausgefallenen Idee der Mumpfer Pontoniere haben sich 38 der 40 Schweizer Pontonierfahrvereine in einem nicht alltäglichen Wettkampf beteiligt. Die reissenden Fluten des Rheins und die Pfeiler der längsten gedeckten Holzbrücke im Nachbardorf Stein dienten den über 700 Teilnehmern als herausfordernder Wettkampfparcours.
Paul Roppel
«Die Mumpfer Pontoniere warten immer wieder mit interessanten Ideen auf», bestätigt Albert Merkofer anerkennend den jüngsten, gutgelungenen Coup seiner rheinabwärtsgelegenen Kollegen. Der Sissler Pontonier hatte als Vorderfahrer am frühen Samstagmorgen zusammen mit seinem Steuermann Stefan Notz den anspruchsvollen und tückischen Wettkampfparcours am 1. «Brugge-Cup» in Stein absolviert. Seit 20 Jahren sind die beiden im Ponton ein eingeschworenes Team, das gut harmoniert und recht zufrieden mit dem jüngsten Wettkampfeinsatz ist. (Wie sich am Rangverlesen am Abend zeigte, erreichten sie in der Kategorie Senioren den 8. Platz und somit eine Auszeichnung.)
Die 22 Sissler Pontoniere mit ihren sechs Jungpontonieren waren per Velo oder zu Fuss zum Wettkampfort in Stein angerückt. «Das war unsere Aufwärmrunde», schmunzelt Notz. Die Wettkampfkulisse präsentierte sich im besten Lichte, bei strahlendem und warmem Frühlingswetter: Die längste gedeckte Holzbrücke Europas mit ihren 204 Metern und sechs imposanten steinernen Pfeilern feiert in diesem Jahr das 450-Jahr-Jubiläum und stand im Mittelpunkt des Wettkampfgeschehens.
Kurzfristige Änderung
Die initiativen Mumpfer hatten das Wettfahren als erster Verein mit 16 teilnehmenden Booten um acht Uhr eröffnet. «Wir mussten zwei Pfeiler auf der deutschen Seite aus dem Parcours entfernen, weil die Strömung zu stark wurde und vermutlich nur ganz starke Fahrteams erfolgreich gewesen wären», zeigt deren Präsident Stefan Weiersmüller die Tücken des Rheins auf. Aber auch mit vier Pfeilern, die im Wettkampf mit einer Ziellandung (mit Videoauswertung) und unter Zeitmessung angefahren werden mussten, ist diese Parcoursausgestaltung etwas Einmaliges in der Schweiz. Die reissende Strömung zwischen den Brückenpfeilern und das tückische, wirbelnde Hinterwasser bei den Pfeilern erforderten Kraft, Vorausschauen und Fingerspitzengefühl.
Das Publikum feuerte die Boote lautstark an mit: «Zieh, zieh, zieh». «Einen derartigen Parcours hat es bislang noch nie gegeben», sagt Weiersmüller, der mit seinem Steuermann Silvan Schmid (Co-OK-Präsident) in der Kategorie Aktive mit 142 gestarteten Booten den 13. Rang erreichte. «Wir haben es beim ersten Pfeiler etwas vermasselt und das hat uns den Schwung genommen», erklärt er der NFZ schmunzelnd.
Ein verrücktes Unterfangen
«Unser Wettbewerb hebt sich von anderen Wettfahren kolossal ab und wir haben grossartiges Echo erhalten», sagt Phil Jegge, der zweite Co-OK-Präsident. «Wir bieten turnusgemäss alle fünf bis sieben Jahre ein Wettfahren an. Nun sollte es etwas ganz Neues geben», erklärt Phil Jegge das verrückte Unterfangen, das der 1904 gegründete Verein erstmals auswärts durchgeführt, und das er zusammen mit Silvan Schmid bei einem Feierabendbier ausgegoren hatte. In der Konsequenz sorgten sie beide als OK-Präsidenten mit dem Verein und einem Helferteam von 30 Freiwilligen für die Umsetzung.
Entstanden war die Idee nach der Durchführung des Eidgenössischen Wettfahrens in Mumpf 2015, wobei nach Corona und anderen Wettbewerben nun ein idealer Zeitpunkt gefunden wurde. 38 der 40 Schweizer Pontonierfahrvereine waren angereist; 206 Jugendliche, 72 Frauen und 404 Männer kämpften in sechs Kategorien um die begehrte Auszeichnung. Nebst dem gelungenen Fest durften sich die Mumpfer über den Sieg in der Kategorie C mit Lukas Berger und Marco Berger freuen, sowie über den 3. Platz von Phil Jegge und Benjamin Winter. Gekrönt wurde das Fest mit dem Sieg von Stefan Sacher und Urs Stocker in der Kategorie D. Auszug aus der Rangliste (mit Kranzauszeichnung).
Kategorie 1 (45 Boote): 1. Leuenberger Sylvan (Jg. 2009) und Stocker Samuel (2010) Laufenburg. 3. Schwere Ben (2011) und Bottlang Tobias (2010) Schwaderloch. 9. Ammann Joel (2009) und Amman Amy (2012) Sisseln. 12. Kym Gian-Luca (2009) und Kiefer Lorin (2009) Wallbach.
Kategorie 2 (38 Boote): 1. Savoldelli Matteo (2006) und Maurer Tim (2008) Sisseln. 5. Güntert Lars (2007) und Schär Benjamin (2007) Mumpf.
Kategorie 3 (20 Boote): 2. Metzger Damian (2006) und Bitter Levin (2005) Mumpf.
Kategorie F (36 Boote): 6. Marti Deborah (1989) und Wagner Jessica (1990) Wallbach. 9. Nussbaum Alicia (2001) und Nussbaum Yasmin (2004) Wallbach.
Kategorie D (60 Boote): 1. Sacher Stefan (1968) und Stocker Urs (1973) Mumpf. 8. Notz Stefan (1979) und Merkofer Albert (1967) Sisseln. 14. Hug Max (1954) und Vögeli Anton (1969) Schwaderloch
Kategorie C (142 Boote): 1. Berger Lukas (1994) und Berger Marco (1992) Mumpf. 3. Jegge Philipp (1984) und Winter Benjamin (1985) Mumpf. 5. Ankli Urs (1964) und Jegge Rico (1992) Mumpf. 7. Oberholzer Hannes (1984) und Oberholzer Steffen (1986) Rheinfelden. 9. Winter Mario (1981) und Zigerlig Markus (1989) Mumpf. 11. Gerber Tommy (1991) und Iadarola Nicola (1998) Wallbach. 13. Schmid Silvan (1983) und Weiersmüller Stefan (1983) Mumpf.




