Das Glas halbvoll, immerhin
22.04.2026 PersönlichJanis Eberle aus Eiken und die Verantwortung in Zeiten wie diesen
Er ist Präsident der Jungfreisinnigen Brugg-Fricktal. Das Desinteresse an der Politik hält er für gefährlich. Janis Eberle, ein Portrait.
Ronny Wittenwiler
Treffpunkt ist ein Café in ...
Janis Eberle aus Eiken und die Verantwortung in Zeiten wie diesen
Er ist Präsident der Jungfreisinnigen Brugg-Fricktal. Das Desinteresse an der Politik hält er für gefährlich. Janis Eberle, ein Portrait.
Ronny Wittenwiler
Treffpunkt ist ein Café in Eiken. Die Worte wählt er mit Bedacht und dem Tee, den er sich vor über dreissig Minuten bestellt hat, bekommt das gar nicht. «Jetzt ist er kaltgeworden», sagt Janis Eberle und lacht. Dann endlich nimmt er einen ersten Schluck und erzählt weiter, was ihn nicht kaltlässt. «Dass junge Menschen politisch kaum interessiert sind, finde ich sehr schade.»
Unbeschwerte Herangehensweise
Eberle ist gerade erst zwanzig Jahre jung geworden. Vier Tage zuvor, am 27. März, wählten ihn die Jungfreisinnigen der Sektion Brugg-Fricktal zu ihrem neuen Präsidenten. «Nach dem Rücktritt des bisherigen Präsidenten war vorgesehen, dass die Vizepräsidentin nachrückt und ich ihr Amt übernehme.» Eberle stellte seine Ideen der Vizepräsidentin vor. «Dann hat sie gefragt, ob ich nicht gleich das Präsidium übernehmen wolle.» Als er das erzählt, muss er lachen. Weder Arroganz noch Verwegenheit schwingen mit. Es ist vielmehr ein auffallend feiner Humor, der Janis Eberle die Dinge offenbar unbeschwert angehen lässt.
Doch just diesen Humor legt er, wenn nötig, auch mal beiseite. Wie war das nochmal: Warum findet es ein Zwanzigjähriger schade, dass die Jungen politisch kaum interessiert sind? Er präzisiert: «Es ist nicht nur schade – ich finde das auf eine Weise auch gefährlich.» In einer Demokratie müssten Menschen nun mal interessiert bleiben und sich auseinandersetzen mit Initiativen und Abstimmungen. «Sonst kann eine Demokratie nicht funktionieren.»
«Ja, wirklich: Kommunisten»
Eberles Weg beginnt an der Bezirksschule in Frick. Politik und Geschichte wecken sein Interesse. Am Gymnasium in Basel wird es dann bunt. «Da wirst du in einen Topf mit allerlei Leuten geworfen, und ja: mit allerlei Ideologien.» Er sagt es so, als könne er es selbst kaum glauben. «Wirklich, es gab da auch fest überzeugte Kommunisten. Ich dachte rasch – ja also dann bin ich wohl rechts. Bis ich dann die Rechten kennenlernte.» So sei er schliesslich beim Liberalismus und der Wirtschaft gelandet. «Ich habe meine Politik gefunden und mich mit der FDP identifiziert.»
Als Präsident der Jungfreisinnigen hat Eberle eine klare Vorstellung von seiner politischen Agenda, doch bemerkenswert ist dieser Satz: «Es geht doch nicht einfach nur darum, dass wir die Jungpartei der FDP sind. Es geht auch um politische Bildung.» Insofern will er mit seinem Engagement ganz grundsätzlich der Politikverdrossenheit junger Menschen etwas entgegenhalten und sie für mehr Teilhabe gewinnen. Eberle wirkt mit seinen zwanzig Jahren bereits wie jemand, der nicht bereit ist, die in den Schoss gefallenen Dinge für selbstverständlich zu erklären. «Bin ich in Südostasien unterwegs, in Thailand oder Vietnam, irgendwo in einem kleinen Dorf und sehe, wie diese Menschen leben: Dann merkst du einfach, welch grosses Glück wir haben, hier in der Schweiz aufwachsen zu dürfen. Und ehrlich gesagt haben wir doch noch viel mehr Glück als unsere Nachbarn. In unserer direkten Demokratie können wir über alles abstimmen.» Solche Reisen, wie sie der Sohn eines Schweizers und einer Thailänderin in seiner Freizeit unternimmt, hätten ihm nicht mehr Wissen eingebracht. «Aber sie haben meinen Horizont erweitert.»
Bereits in der Kommunalpolitik
Aktiv werden, zeigen, dass es «seine» Jungpartei gebe und Mitglieder gewinnen, das will Eberle. Niemand hat gesagt, es werde einfach. «Wir decken die Bezirke Rheinfelden, Laufenburg und Brugg ab und haben zehn bis fünfzehn aktive Mitglieder. Das ist schade, sind es so wenige.» Doch sieht er Potenzial. «Politik betrifft doch uns alle. Sie bestimmt über unsere Zukunft, das ist hochspannend. Unsere Vorfahren haben so hart für die Demokratie gekämpft, die wir nun haben – diese Demokratie müssen wir wertschätzen und uns beteiligen.» Dass das nicht allein Worthülsen eines angehenden Jus-Studenten sind, zeigt sich nicht nur an seinem neuen Amt. Janis Eberle ist zudem Mitglied der Finanzkommission Eiken. Glanzvoll gewählt? Da blitzt sie wieder auf, diese verschmitzte Leichtigkeit: «In der Kommunalpolitik ist man ja um jeden froh, der sich zur Verfügung stellt.»
Ein Optimist
Ist Eberle einfach noch zu jung, um zu poltern? Einfach zu freundlich für das Haifischbecken Politik? Oder ist er – parteiunabhängig wohlverstanden – so etwas wie ein Hoffnungsträger, den einen oder anderen jungen Menschen zusätzlich für diese Sache zu gewinnen? Antworten wird die Zeit liefern, und das Gespräch endet mit einer eigenen Einschätzung des Zwanzigjährigen zum Haifischbecken: «Die Schweizer Politik würde profitieren, etwas weniger raue Töne anzuschlagen, um nicht in die Extreme abzudriften. Die Menschen sollten wieder mehr miteinander reden und den Dialog pflegen.» Als er das sagt zum Schluss, ist sein Glas noch immer halbvoll. Eberle bleibt Optimist. Da kann er es verschmerzen, wenn der Tee längst kalt ist, weil er sich während des Gesprächs für Politik und Demokratie so sehr erwärmt, dass er den nächsten Schluck vergisst.

