Rheinfeldens «Fifty-Fiftys»: Das Geburtsjahr ist entscheidend, nicht der Ort
24.07.2026 RheinfeldenWeil sie von beiderseits des Rheins sind und sich regelmässig auf beiden Seiten treffen, nennt sich der Rheinfelder 48er-Jahrgang «Fifty-Fiftys»: Es ist der einzige Geburtsjahrgang, der sich grenzüberschreitend trifft.
Boris Burkhardt
«Das muss man deutlich erwähnen: Wir ...
Weil sie von beiderseits des Rheins sind und sich regelmässig auf beiden Seiten treffen, nennt sich der Rheinfelder 48er-Jahrgang «Fifty-Fiftys»: Es ist der einzige Geburtsjahrgang, der sich grenzüberschreitend trifft.
Boris Burkhardt
«Das muss man deutlich erwähnen: Wir sind der einzige Jahrgang, der sich grenzüberschreitend organisiert hat», sagt Paul Renz. Der langjährige Kommunalpolitiker und Sparkassendirektor aus Badisch-Rheinfelden hat Jahrgang 1948. Neben ihm am Tisch beim Treffen mit der NFZ im Café «Schiff» sitzen Altoberbürgermeister Eberhard Niethammer, Käthy Felber-Kellerhals, Frau des Altstadtammanns Urs Felber, die ehemalige Bankmitarbeiterin Vreni Isele und die beiden ehemaligen Informatiker Wilfried Basler und Wolfgang Netz.
Drei sind im Schweizer Rheinfelden daheim, drei in Badisch-Rheinfelden. Gemeinsam ist ihnen allen aber der Geburtsjahrgang 1948. Dass sich die Jahrgänge ab dem 50. Geburtstag mehr oder weniger regelmässig treffen, ist eine Tradition im Schweizer Rheinfelden. Felber-Kellerhals nahm das 1998 selbst in die Hand und besorgte sich vom Rathaus die Adressen ihrer Altersgenossen. Tatsächlich ist der Jahrgang 48 aber der einzige, der auch die Altersgenossen aus Badisch-Rheinfelden mit dazunahm.
Dazu kam es, als Felber-Kellerhals und Niethammer an einem Anlass beider Rheinfelden 2004 zusammen tanzten. «Wir stellten fest, dass wir denselben Jahrgang haben», erzählt Felber-Kellerhals. Sie sagt, es sei seine Idee gewesen, das Jahrgangstreffen der «48er» zu einem grenzüberschreitenden zu machen; er besteht darauf, die Initiative sei von ihr ausgegangen: «Käthy hat das alles massgeblich in die Wege geleitet und ist bis heute die treibende Kraft.»
Das erste Treffen
Jedenfalls fand am 24. April 2004 das erste Treffen statt; die NFZ berichtete damals davon. Der mittlerweile verstorbene Helmut Reif, Projektleiter des Baus des neuen Kraftwerks, war ebenfalls ein «1948er», wie sich Niethammer erinnert, und führte die rund 40 Teilnehmer durch die Baustelle. Das Treffen klang nach einem Spaziergang zu Schloss Beuggen mit Kaffee und Kuchen aus. Bei diesem ersten Treffen blieb es nicht: Seit 22 Jahren gehen zwischen 15 und 30 «48er» aus beiden Rheinfelden viermal im Jahr essen in wechselnden badischen und schweizerischen Restaurants. Im Sommer gibt es einen gemeinsamen Ausf lug; der führte schon an die Landesgartenschau in der Zähringerstadt Neuenburg am Rhein, nach Colmar, St. Blasien, an den Vierwaldstättersee und vergangenes Jahr sogar nach Vevey ins Charlie-Chaplin-Museum. Dieses Jahr ist eine Hafenrundfahrt in Basel geplant. Weil sich der Jahrgang aus den Rheinfelden beider Länder zusammensetzt und die Aktivitäten beiderseits des Rheins stattfinden, entstand schnell der Name «Fifty-Fiftys». Felber-Kellerhals besteht auf Nachfrage auf der eigenwilligen Schreibung (korrekt wäre «Fifty-Fifties») und erklärt kurz und bündig: «Wir sind eben etwas Besonderes.»
Interessant ist, dass bis auf den Nollinger Wilfried Basler keiner der sechs ein gebürtiger Rheinfelder ist. Niethammer kam mit seiner Wahl zum Oberbürgermeister 1988 aus dem württembergischen Göppingen nach Rheinfelden; auch die Familie Felber-Kellerhals zog erst 1979 aus Zürich in den Augarten. Renz ist zwar gebürtiger Minsler; der Ortsteil kam aber erst 1972 zu Badisch-Rheinfelden. Und die beiden Schweizer Rheinfelder Isele und Netz sind gar keine gebürtigen Schweizer: Netz kam 1970 aus Zülpich bei Köln zur Roche nach Grenzach und zog später ins Schweizer Rheinfelden; Isele wurde als Tochter eines deutschen Vaters und einer Schweizer Mutter in Lörrach geboren und verbrachte die ersten drei Lebensjahre ebenfalls in Grenzach.
Dennoch verwoben sich zufälligerweise die Lebensläufe der sechs schon vor den «Fifty-Fiftys»: Niethammer und Felber-Kellerhals kannten sich über die Politik, Isele und Renz über die Banken; und Basler und Netz waren seit den Siebzigern Arbeitskollegen bei der Roche. «Wir wussten schon lange, dass wir ein Jahrgang waren», sagt Basler und lacht: «Bei uns musste jeder an seinem Geburtstag einen ausgeben.»
Mehr Zeit
Die sechs Altersgenossen bilden zusammen mit dem Schweizer Rheinfelder Max Scheidegger das OK der «Fifty-Fiftys». Die Politiker Niethammer und Renz engagieren sich erst seit ihrem Rückzug aus der Politik im Landkreis vor wenigen Jahren stärker im Komitee, wie sie sagen. «Seit wir pensioniert sind, haben wir mehr Zeit», sagt Felber-Kellerhals; und Isele sieht den Unterschied zu früher mit einem Augenzwinkern darin, «dass wir früher bis nach Mitternacht zusammensassen und nun die ersten schon um neun Uhr heimgehen».
Alle betonen, dass jederzeit neue Teilnehmer willkommen seien: Renz «entdeckte» zum Beispiel erst vergangenes Jahr, dass Barbara Bohn vom gleichnamigen Schuhhaus am Friedrichsplatz dasselbe Alter hat; auf Schweizer Seite war es eine Mitbewohnerin im Haus, von der eine «48erin» das Alter erfuhr.


