An Weihnachten 2024 spielten sie noch auf dem Turm, an Ostern 2025 bereits nicht mehr. Jetzt geben die letzten fünf Turmbläser St. Peter und Paul Frick ihre Auflösung bekannt. Dazu beigetragen haben Nachwuchsprobleme und verschärfte Sicherheitsvorschriften.
Simone ...
An Weihnachten 2024 spielten sie noch auf dem Turm, an Ostern 2025 bereits nicht mehr. Jetzt geben die letzten fünf Turmbläser St. Peter und Paul Frick ihre Auflösung bekannt. Dazu beigetragen haben Nachwuchsprobleme und verschärfte Sicherheitsvorschriften.
Simone Rufli
«Es begann 1960 mit einer Hochzeit», erzählt Konrad Schilling. «Urs Fricker, damals Student, gründete die Turmbläser St. Peter und Paul, zusammengesetzt in der Anfangszeit aus Mitgliedern der Musikgesellschaft Frick. Zu den besten Zeiten waren es zwölf Bläser, heute sind wir mit fünf auf dem Minimum.»
Als Urs Fricker die Leitung abgab, folgte Alois Beck. Auch er leitete die Turmbläser viele Jahre lang, genauso wie später Konrad Schilling und dann über lange Zeit Christoph Köchli. «Immer wieder gab es auch ausserkirchliche Auftritte», erinnert sich Konrad Schilling. Er stand mit gerademal 16 Jahren zum ersten Mal oben auf dem Turm. «Neben den Proben und Auftritten war uns immer auch das Gesellschaftliche wichtig. So sind wir zum Beispiel gemeinsam verreist und haben in Versailles vor dem Schloss gespielt und in Rom vor dem Kolosseum.»
Anno 2018 gab Christoph Köchli die Leitung ab und hörte auf. Und obwohl er kurz auch ans Aufhören gedacht habe, «habe ich die Leitung übernommen», so Konrad Schilling. «Wir sind dann zum Ursprung zurückgekehrt und haben uns auf die Auftritte an Weihnachten und Ostern beschränkt.»
Apropos Weihnachten. An der letzten Weihnacht blieb es zur gewohnten Zeit still. Konrad Schilling nickt. Nach all den Jahren, die er selber Turmbläser war, fällt es ihm nicht leicht, 65 Jahre nach ihrer Entstehung die Auflösung der Formation bekanntzugeben. «Doch unsere Bemühungen, Nachwuchsbläser, vor allem junge Trompeter zu finden, waren leider vergeblich. Und weil unser Durchschnittsalter inzwischen bei 66 Jahren liegt, haben wir uns entschieden, aufzuhören. Auch deshalb, weil wir uns mit zunehmendem Alter nicht mehr gleich wohl fühlen beim Aufstieg in den Turm. Dazu kommt, dass es neue Sicherheitsvorschriften gibt und wir einen Kurs absolvieren müssten.»
Bedauern und Verständnis
«Es ist schade, dass die schöne Tradition des Turmblasens in Frick nicht weitergeführt werden kann», betont Markus Schmid, als die NFZ bei ihm nachfragt. Schmid ist Präsident der römisch-katholischen Kirchenpf lege und führte diverse Gespräche mit Konrad Schilling. «Aber wir haben grosses Verständnis für den Entscheid der Gruppe, aufzuhören. Es ist leider so, dass die neuen Sicherheitsvorschriften alles schwieriger machen.
Obwohl die Sicherheit im Turm im Zuge der Sanierung eigentlich verbessert wurde.»
Weiterfahren wie bisher sei dennoch keine Alternative. «Selbst wenn die Turmbläser unterschreiben würden, dass sie auf eigene Gefahr in den Turm hinaufsteigen, ist es die Kirchenpflege, die haftet, falls doch etwas passiert.» Darum: So gross das Bedauern, so gross sei das Verständnis der Kirchenpflege, dass die fünf – trotz Kostenübernahme durch die Kirchenpflege – nicht mehr gewillt seien, einen Sicherheitskurs zu absolvieren und künftig nur noch mit einem «Gschtältli» in den Kirchturm hinaufzusteigen.
«Sollte sich aber eine neue Gruppe von Blechbläsern finden, die Kirchenpflege wäre auch für sie bereit, die Kosten für einen Sicherheits-Kurs und die Anschaffung der ‹Gschtältli› zu übernehmen», betont Markus Schmid. Wie Konrad Schilling hofft auch er, dass sich über kurz oder lang doch wieder junge Leute finden und das vorläufige Aus der Turmbläser St. Peter und Paul nicht das Ende bedeutet.