Die Bevölkerung wird immer älter. Es gehört zu den Aufgaben der Gemeinden, dafür zu sorgen, dass genügend Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll in den Dörfern auch das Wohnen im Alter mit Unterstützung weiterentwickelt werden.
...
Die Bevölkerung wird immer älter. Es gehört zu den Aufgaben der Gemeinden, dafür zu sorgen, dass genügend Pflegeplätze zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll in den Dörfern auch das Wohnen im Alter mit Unterstützung weiterentwickelt werden.
Susanne Hörth
«Mit dieser Aussage unserer Präsidentin bin ich nicht einverstanden. Wir stehen in der Mitte», begann Franco Mazzi am Freitag, dem zweiten Tag des Fricktaler Gemeindeseminars, seine Ausführungen zur Situation und Planung der Langzeitversorgung im Fricktal. «Wir stehen ganz am Anfang», hatte zuvor Repla-Präsidentin Françoise Moser auf das gemeinsame Referat von Jürgen Stremlow und Ivo Willmann von der Hochschule Luzern reagiert. Die beiden Referenten hatten im Zusammenhang mit dem Thema Wohnen und Leben im Alter unter anderem neue, altersfreundliche Lebensräume vorgestellt. Zur Untermauerung seiner Aussage listete Repla-Vizepräsident Mazzi die seit 2009 erarbeiteten Überlegungen, Bestandsaufnahmen, Bedarfsplanungen und weitere Arbeiten auf. Das 2012 entwickelte Gesamtkonzept für die Pflegebettenplanung befinde sich in einem rollenden Prozess; es werde alle drei Jahre mit neuen Datenerhebungen und Umfragen aktualisiert. Neben der stationären Pflege fliessen in die Langzeitplanung auch vorgelagerte Bereiche ein. Dazu gehören das möglichst lange Verbleiben älterer Menschen in ihrer gewohnten Umgebung mit Spitex-Unterstützung sowie Alterswohnungen in den Gemeinden mit verschiedenen Serviceleistungen. «Das eine tun, das andere nicht lassen» – diese Gesamtbetrachtung wurde am Freitagmorgen mehrfach betont.
Bedarf an Pflegebetten
«Die Fricktaler Alters- und Pflegeheime sind heute zu 97,3 Prozent ausgelastet», erklärte Mazzi. Der Bedarf an Pflegebetten werde in den kommenden Jahren deutlich steigen. 2012 lebten 3114 Personen im Alter von 80 Jahren oder älter im Fricktal. Zwölf Jahre später sind es bereits knapp 5000. Laut Prognosen wird die Zahl der über 80-Jährigen bis 2050 auf rund 12 500 anwachsen. Damit verdoppelt sich auch der Bedarf an Pflegebetten. Hierzu warf Mazzi die Frage auf: «Wo sollen neue Pflegeheime entstehen?» Zum einen müssten einige der aktuell elf Fricktaler Alters- und Pflegezentren ausgebaut werden, zum anderen brauche es zusätzliche solcher Einrichtungen. Auch Gemeinden, die bisher nicht als Standortgemeinden in Betracht gezogen wurden, könnten künftig gefordert sein.
Für die Umsetzung seien die Gemeinden zuständig, hatte bereits am Freitagmorgen Lis Lüthi, Leiterin der Fachstelle Alter und Familie im Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau, erklärt. Hierzu meinte Franco Mazzi: «Ich möchte den Gemeinden die Angst nehmen. Sie müssen die Häuser nicht selbst finanzieren. Vielmehr sind sie gefordert, Investoren dafür zu finden.» Als Beispiel nannte der Referent das Pflegeheim im Salmenpark in Rheinfelden. Investorin und Betreiberin ist die Tertianum AG; die Stadt Rheinfelden ist finanziell an der Salmenpark AG beteiligt.
Die von Mazzi präsentierten Zahlen zur demografischen Entwicklung zeigen deutlich, dass Handlungsbedarf bei der Bereitstellung von Pflegebetten besteht. Bis ein neues Alters- und Pflegeheim bereitsteht, vergehen in der Regel fünf bis zehn Jahre.