Neue Karten auf dem Aargauischen Geografischen Informationssystem (AGIS)
Der Kanton stellt aktualisierte und höher aufgelöste Klimakarten zur Verfügung. Sie zeigen die heutige und zukünftige klimatische Situation flächendeckend für den gesamten Kanton und ...
Neue Karten auf dem Aargauischen Geografischen Informationssystem (AGIS)
Der Kanton stellt aktualisierte und höher aufgelöste Klimakarten zur Verfügung. Sie zeigen die heutige und zukünftige klimatische Situation flächendeckend für den gesamten Kanton und bieten eine wichtige Planungsgrundlage für Gemeinden
Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Schweiz und im Aargau spürbar und werden in Zukunft möglicherweise an Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen. Die Beobachtungen an Messstationen in der Schweiz zeigen eine deutlich stärkere Temperaturzunahme als global. Eine Erhöhung der globalen Mitteltemperatur um 3 Grad Celsius bedeutet für die Schweiz eine mittlere Erwärmung von +4,9 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Periode. Um Gemeinden und Planende bei der hitzeangepassten Siedlungsentwicklung zu unterstützen, hat der Kanton Aargau die klimatische Situation flächendeckend modelliert und die bisherigen Planungsgrundlagen aktualisiert. Die Klimakarten zeigen neu auf einem Raster von 5 mal 5 Metern sowohl die heutige als auch die voraussichtliche Situation im Jahr 2060. Besonders dicht bebaute und grossflächig versiegelte Siedlungsgebiete erwärmen sich tagsüber stark und kühlen in der Nacht nur langsam ab. Gleichzeitig gewinnen Grün- und Freiräume (inklusive Landwirtschaftsf lächen und Wald) zunehmend an Bedeutung als kühle Entlastungsgebiete (tagsüber) und als Kaltluftentstehungsgebiete (nachts).
Auswertungen zeigen, dass beispielsweise die Flächen mit «sehr ungünstiger» oder «extrem ungünstiger» nächtlicher Überwärmung bis 2060 von 14 Prozent auf 91 Prozent ansteigen könnten. Die Kategorie «extrem ungünstig» existiert 2026 praktisch noch nicht – bei der Prognose bis 2060 wird sie mit 85 Prozent zur grössten Kategorie. Der Anteil der Flächen mit ungünstiger oder sehr ungünstiger Aufenthaltsqualität im Aussenraum (tagsüber) dürfte von heute 29 Prozent auf 79 Prozent der Fläche zunehmen im Jahr 2060. Diese Zahlen zeigen eindrücklich, wie wichtig die Antizipation dieser Entwicklungen für die Planung von Bauten, Infrastrukturen, Strassenräumen und den Freiflächen ist. Die Klimakarten zeigen unter anderem, wo Hitzeinseleffekte im Siedlungsgebiet entstehen, welche Grün- und Freiräume als sogenannte Ausgleichsräume an heissen Tagen besonders wichtig sind und über welche Leitbahnen Kaltluft in die Siedlungen gelangt. Alle Karten stehen jeweils für den Zeithorizont 2026 und 2060 zur Verfügung.
Wertvolle Grundlage für Raumplanung
Die Klimakarten unterstützen Gemeinden und Fachpersonen bei raumplanerischen Entscheidungen. Sie helfen aufzuzeigen, wo Massnahmen zur Reduktion der Hitzebelastung erforderlich sind, welche Freiräume gesichert werden sollten und wie sich die klimaökologische Funktion von Siedlungsräumen langfristig erhalten oder verbessern lässt. Die aktuelle Hitzeperiode verdeutlicht, wie wichtig eine zukunftsbasierte Planung, gerade im Hinblick auf vulnerable Bevölkerungsgruppen (ältere Menschen, Kinder, chronisch kranke Personen, etc.), ist. Die aktualisierten Grundlagen tragen dazu bei, hitzeangepasste Lösungen frühzeitig in Planungen zu integrieren und Synergien mit weiteren Aufgaben wie der hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen, der Förderung der Freiraumqualität, dem Ortsbildschutz, der Biodiversität oder dem Umgang mit Starkniederschlägen und einem nachhaltigen Regenwassermanagement zu nutzen. (mgt/nfz)