Bruggbach und Klostermatte fast komplett ausgebucht
27.10.2026 FrickVAOF-Versammlung in Zeiten komplexer Fragen rund ums Altwerden
Steigende Pflegebedürfnisse, anhaltender Fachkräftemangel und über allem die Frage der Finanzierbarkeit – die Herausforderungen, mit denen der Verein für Altersbetreuung im oberen Fricktal (VAOF) konfrontiert ist, sind ...
VAOF-Versammlung in Zeiten komplexer Fragen rund ums Altwerden
Steigende Pflegebedürfnisse, anhaltender Fachkräftemangel und über allem die Frage der Finanzierbarkeit – die Herausforderungen, mit denen der Verein für Altersbetreuung im oberen Fricktal (VAOF) konfrontiert ist, sind enorm.
Simone Rufli
Ein wichtiger Schwerpunkt im Rahmen der 90. Versammlung, an welcher am Donnerstagabend 79 Personen im Alterszentrum Bruggbach in Frick teilnahmen, war das Projekt «Betreut in der Gemeinde – Älter werden im Fricktal». Es soll bestehende Angebote wie Mahlzeiten-, Fahr-, Beratungs- und Freiwilligendienste vernetzen und den Menschen im oberen Fricktal erlauben, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. 17 der 21 VAOF-Gemeinden sind bereits dabei.
Für die Umsetzung des Projekts ab Januar 2027 wurde eine fünfköpfige Steuergruppe gewählt. Das von der Versammlung genehmigte Budget sieht Einnahmen von rund 175 000 Franken vor. Bei Personalkosten von rund 165 000 Franken und weiteren Aufwendungen von etwa 29 000 Franken wird mit einem Verlust von 19 000 Franken gerechnet. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den Fachstellen weiter gestärkt werden, so Geschäftsführer Patrick Hüsser.
Hüsser präsentierte das Gesamtbudget 2027 mit einem erwarteten Rekordumsatz von rund 31,6 Millionen Franken. Die beiden Alterszentren sollen mit einer Auslastung von 98,5 Prozent betrieben werden. Gleichzeitig wird mit einem durchschnittlichen Pflegebedarf von 7,3 Pflegestufen gerechnet. Pflegestufe 7 bedeutet einen täglichen Pflegeaufwand (ohne anderweitige Betreuung) von 121 bis 140 Minuten.
Im Bruggbach und im Klostermatte liegt die durchschnittliche Pflegestufe aktuell bei rund 7,6 von 12 Stufen. Das Klostermatte und das Bruggbach waren im Jahr 2025 zu knapp 99 Prozent ausgelastet.
Verbesserungen für Mitarbeitende
Die Pensionstaxen und Betreuungstaxen sollen um zwei Franken pro Tag erhöht werden. Die kantonalen Pflegeansätze steigen von 80 auf 83 Franken pro Stunde. Für die Mitarbeitenden sind Verbesserungen vorgesehen: Die Ferien werden um eine Woche verlängert, und die berufliche Vorsorge für Teilzeitangestellte wird angepasst. «Massnahmen, die uns auf dem umkämpften Arbeitsmarkt in eine bessere Position bringen sollen», so Hüsser. Insgesamt sind rund 8,7 zusätzliche Vollzeitstellen eingeplant. Für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden werden rund 400 000 Franken eingesetzt.
Die geplanten Investitionen belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Franken. Schwerpunkte sind die Erneuerung von Bewohnerzimmern und Pflegebetten in Laufenburg, moderate infrastrukturelle Anpassungen im Stöckli des Bruggbach sowie Investitionen von über einer halben Million Franken Nachholbedarf im IT-Bereich. Die Server-Zentrale über alle Häuser ist im Bruggbach untergebracht.
«Emma» vorläufig gestoppt
Der Vorstand hat zudem einen Strategieentwicklungsprozess gestartet. Den Gemeinden bereits vorgestellt wurde das Erweiterungsprojekt «Emma» mit 40 zusätzlichen Pflegeplätzen im Bruggbach, einer modernisierten Küche und einer Tiefgarage. «Weil unklar ist, wie der Erweiterungsbau finanziert werden soll, wurde das Projekt vorläufig gestoppt», so Geschäftsführer Patrick Hüsser. Der VAOF geht bei «Emma» von Kosten in der Höhe von gegen 33 Millionen Franken aus. Nun werden Einsparmöglichkeiten und alternative Finanzierungswege geprüft.
Abgesehen von der Finanzierungsfrage sei es nicht damit getan, neue Bauten zu errichten und Heimplätze zur Verfügung zu stellen, betonte Vereinspräsident Michael Buik. «Wir müssen auch das dafür nötige Personal finden.» Angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels eine grosse Herausforderung bzw. ein Dilemma. Wichtig, so Buik, sei der Austausch mit den Gemeinden, die sich in Zukunft noch stärker darum bemühen müssten, Angebote zu schaffen, damit die ältere Bevölkerung möglichst lange in der Wohngemeinde betreut werden könne. «Die Betten in den Pflegezentren sollten Personen mit hohem Pf legebedarf vorbehalten bleiben», so Michael Buik.
Zentrumsleiterin Jacqueline Ott präsentierte einen Foto-Einblick von den Ferien für Menschen mit Demenz am Bodensee. Das Projekt habe gezeigt, wie viel Lebensfreude, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung durch engagierte Mitarbeitende, Freiwillige und finanzielle Unterstützung ermöglicht werden könne, so Ott.
Aus dem Saal gab es Fragen zur zukünftigen Kostenentwicklung, eine Bitte um Information der Gemeinden vor der Budgetversammlung und seitens Bewohnerschaft zur sensiblen Darstellung persönlicher Angaben auf Bewohnerrechnungen. Die Rückmeldungen wurden aufgenommen.

