Seit über 40 Jahren gibt es einen Bioladen am Obertorplatz in Rheinfelden. Das ist bald Geschichte. «Zum Nektar» schliesst am Samstag. Danach folgt vorerst eine Zwischennutzung.
Valentin Zumsteg
Der Bioladen «zum Nektar» am Obertorplatz ist eine ...
Seit über 40 Jahren gibt es einen Bioladen am Obertorplatz in Rheinfelden. Das ist bald Geschichte. «Zum Nektar» schliesst am Samstag. Danach folgt vorerst eine Zwischennutzung.
Valentin Zumsteg
Der Bioladen «zum Nektar» am Obertorplatz ist eine Institution in Rheinfelden. Seine Wurzeln reichen über 40 Jahre zurück, als biologische Lebensmittel noch nicht so weit verbreitet und akzeptiert waren wie heute. Jetzt steht das Ende des traditionsreichen Geschäfts kurz bevor, am kommenden Samstag ist es zum letzten Mal geöffnet. «Gesundheitsbedingt und aus wirtschaftlichen Gründen schliesse ich den Laden», erklärt Raphaël Carmeli. Der Abschied fällt ihm nicht leicht. «Es ist mehr als nur ein Lebensmittelladen, es ist ein Treffpunkt. Hier sind viele Freundschaften entstanden», sagt der 62-Jährige.
«Gefühl der Dankbarkeit»
Carmeli gehört zu den Pionieren der Bioladen-Szene in der Schweiz. Bereits im Alter von 16 Jahren zählte er zu den Mitgründern eines sogenannten Drittwelt-Ladens in Winterthur. Später hat er an verschiedenen Orten in der Schweiz Bioläden mitinitiiert und geführt. 2011 übernahm er das Geschäft in Rheinfelden und entwickelte es weiter. Wirtschaftlich war es nie einfach, wie er erläutert. Der tiefe Euro-Kurs und die zunehmende Konkurrenz von Grossverteilern und selbst Discountern im Biobereich machten dem Geschäft zu schaffen. Der geringe Verdienst stand in keinem Verhältnis zu den langen Arbeitstagen.
«Ich habe seit fünf Jahren versucht, eine Nachfolge für das Geschäft zu finden. Es gab zahlreiche Interessentinnen und Interessenten, doch wenn sie die Zahlen gesehen haben, liessen sie die Hände davon», erzählt Carmeli. Ein gesundheitlicher Rückschlag sorgte schliesslich dafür, dass er sich entschied, das Geschäft aufzugeben. Am Samstag, 25. Oktober, soll der letzte Tag des traditionsreichen Ladens zelebriert werden, wie Carmeli erklärt. Er erwartet viele Stammkunden und Freunde. «Mich erfüllt ein Gefühl der Dankbarkeit. Ich bin hier reich beschenkt worden mit Erfahrungen», bilanziert er nach 14 Jahren in Rheinfelden.
Bäckerei «Bio Andreas» kommt
Danach geht er nicht etwa in Frühpension, sondern wird sich bei einem Bioladen in Basel, dem er bereits heute als Berater und «Götti» zur Seite steht, weiterengagieren. Zudem will er seine treusten Stammkunden in Rheinfelden – auf ihren Wunsch hin – weiter mit biologischen Lebensmitteln versorgen. Er freut sich aber auch auf kürzere Arbeitstage und etwas mehr Zeit für sich.
Das Geschäftslokal am Obertorplatz 7 soll nicht lange leer stehen. Die Basler Holzofen-Bäckerei «Bio Andreas» will die Räumlichkeiten vorerst bis Juni 2026 temporär nutzen. Wie es danach weiter geht, ist noch offen.