Besser schlafen ist lernbar

  16.09.2026 Rheinfelden

Warum schlafen wir überhaupt? Was passiert, wenn der Schlaf dauerhaft gestört ist? Und was können wir selbst tun, um besser zu schlafen? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung «Besser schlafen: wichtig und lernbar» des Gesundheitsforums Rheinfelden. Guter Schlaf ist weit mehr als Erholung – und Schlafprobleme müssen nicht einfach hingenommen werden. Mit Dr. med. Patrick Fachinger, Facharzt Schlafmedizin SGSSC, und Carolin Stoll, eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin und Psychologin MSc der Klinik für Schlafmedizin, konnte das Gesundheitsforum zwei Fachpersonen gewinnen, die das Thema praxisnah und aus unterschiedlichen Perspektiven vermittelten.

Dr. Patrick Fachinger machte deutlich, wie zentral Schlaf für zahlreiche Funktionen des menschlichen Körpers ist. Während der Nacht werden unter anderem Stoffwechselprodukte im Gehirn abgebaut, Erlebtes verarbeitet und im Langzeitgedächtnis gespeichert sowie das Immunsystem regeneriert. Schlafmangel kann sich dagegen auf Stimmung, Leistungsfähigkeit und Gesundheit auswirken. «Schlaf ist keine verlorene Zeit. Er ist ein hochaktiver Prozess und elementar wichtig für zahlreiche Körperfunktionen. Wer dem Schlaf dauerhaft zu wenig Raum gibt, spürt die Folgen nicht nur am nächsten Morgen.» Ein besonderer Fokus seines Referats lag auf der obstruktiven Schlafapnoe. Sie gehört zu den häufigsten schlafbezogenen Störungen und bleibt bei vielen Betroffenen unerkannt. Fachinger zeigte Risikofaktoren, diagnostische Möglichkeiten und verschiedene Therapieansätze auf.

Carolin Stoll nahm in ihrem Referat besonders den Schlaf im Alter in den Blick. Dieser verändert sich zwar: Tief- und REM-Schlaf nehmen ab, leichter Schlaf und nächtliche Unterbrechungen werden häufiger. Gleichzeitig können gesundheitliche Probleme, Medikamente oder der Übergang vom Berufsleben in die Pensionierung den Schlaf beeinflussen. Die wichtige Botschaft: Schlafprobleme müssen auch im Alter nicht einfach akzeptiert werden. «Schlechter Schlaf gehört nicht zwangsläufig zum Älterwerden. Auch im höheren Alter können wir Schlafgewohnheiten verändern und mit geeigneten therapeutischen Ansätzen viel erreichen.»

Stoll zeigte dabei konkrete Möglichkeiten auf: Eine regelmässige Tagesstruktur, ausreichend Tageslicht, soziale Kontakte und körperliche Aktivität können einen guten Schlaf unterstützen. Auch regelmässige Bettzeiten und der bewusste Umgang mit Wachphasen in der Nacht gehören zu den wichtigen Grundsätzen.

Eine wichtige Rolle spielt bei chronischer Insomnie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I). Diese ist auch bei älteren Menschen wirksam. Gleichzeitig wurde auf die Risiken von Schlafmitteln im Alter hingewiesen, beispielsweise Abhängigkeit, nächtliche Verwirrung, eingeschränkte motorische Koordination oder ein erhöhtes Sturzrisiko. Für Béa Bieber, Präsidentin des Gesundheitsforums Rheinfelden, zeigte der Abend exemplarisch, wofür das Gesundheitsforum steht: «Wenn Menschen nach einem solchen Abend nach Hause gehen und vielleicht schon am nächsten Tag eine kleine Gewohnheit verändern, genauer auf die Signale ihres Körpers achten oder bei länger anhaltenden Problemen Hilfe suchen, dann haben wir viel erreicht.» Zu den alltagstauglichen Empfehlungen des A bends gehörten regelmässige Schlaf- und Aufstehzeiten, weniger lange Nickerchen tagsüber, genügend Bewegung und Tageslicht sowie eine bewusste «Pufferzone» zwischen Alltag und Zubettgehen. Auch Kaffee, Alkohol, spätes Essen und die Schlafumgebung können den Schlaf beeinflussen. Die zentrale Botschaft des Abends lässt sich deshalb einfach zusammenfassen: Guter Schlaf ist wichtig – und bis zu einem gewissen Grad lernbar. (mgt)


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