Simone Rufli
Zwischen April und November sind vier Aufnahmeequipen in den Aargauer Wäldern unterwegs, um anhand von 1450 Stichprobenflächen umfangreiche Walddaten zu erfassen. Ein Vorgehen, das mir bestens vertraut ist. Auch ich nehme Stichproben, um vertiefte Einblicke zu ...
Simone Rufli
Zwischen April und November sind vier Aufnahmeequipen in den Aargauer Wäldern unterwegs, um anhand von 1450 Stichprobenflächen umfangreiche Walddaten zu erfassen. Ein Vorgehen, das mir bestens vertraut ist. Auch ich nehme Stichproben, um vertiefte Einblicke zu bekommen.
Während Förster mit Messband und GPS durch den Forst ziehen, sitze ich am Schreibtisch und versuche herauszufinden, wie viele Buchstaben seit Januar gewachsen sind. Entscheidend ist, dass in etwa das nachwächst, was ich in meinen Texten verbrauche.
Um ein möglichst genaues Bild zu bekommen, arbeite auch ich mit Stichprobenflächen. Dabei gehe ich folgendermassen vor: Ich nehme einen Text, scrolle hindurch und wähle einen Absatz. Nun halte ich alle paar Zeilen inne und prüfe: Stehen Buchstaben herum ohne jede Funktion? Bekommen aussagekräftige Exemplare genug Licht? Sind haltlose darunter, die ihnen den Platz an der Sonne streitig machen? Wie steht es ganz generell um die Verwurzelung im Text und wie zahlreich sind die im Kern gesunden Buchstaben, die in der Lage sind, sich zu tragenden Wörtern zu verdichten?
Manchmal entdecke ich einen besonders schönen Buchstabenbestand. Dann wieder finde ich sprachliches Totholz – halbfertige Ideen, die ich längst hätte aussortieren sollen.
Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr Parallelen entdecke ich zwischen dem Aargauer Wald und meinem Schreibrevier.