Simone Rufli
Er zieht helle Spuren, bringt Missgeschicke zum Verschwinden, schenkt Sätzen eine zweite Chance. Ein Helfer in der Not. Der Korrekturroller, zierlich von Gestalt, hübsch im Design – hilft, wo er kann. So viel zur Theorie. Ich erlebe ihn anders – was der ...
Simone Rufli
Er zieht helle Spuren, bringt Missgeschicke zum Verschwinden, schenkt Sätzen eine zweite Chance. Ein Helfer in der Not. Der Korrekturroller, zierlich von Gestalt, hübsch im Design – hilft, wo er kann. So viel zur Theorie. Ich erlebe ihn anders – was der anzurichten vermag!
Was mich am meisten stört, ist wie er regelmässig zur Unzeit zu streiken beginnt. Dieses Band, das immer dann einen eigenen Willen entwickelt, wenn es meine falschen Linien beim Skizzieren der Zeitungsseite überdecken sollte – und davon gibt es viele …
Dabei behandle ich den Roller inzwischen sorgfältiger als ein rohes Ei, führe ihn sachte übers Papier, bitte ihn regelrecht um Kooperation – und was tut er? Er verschiebt nach wenigen Zentimetern das Band, als hätte er noch in der Verpackung beschlossen, sich aus der Verantwortung zu stehlen.
Was mich am meisten provoziert: Der Roller – ach was, all die vielen Roller, die sich mittlerweile auf meinem Schreibtisch tummeln – bleiben stumm, ihr Verhalten aber spricht Bände. Geschaffen, um Fehler zu tilgen, erweist sich diese Spezies im Zusammenspiel mit mir stets von neuem unfähig, sich korrekt zu verhalten. Wobei ich verstehe, wenn sich jetzt die Frage stellt, wo die Unfähigkeit anzusiedeln ist.
Trotzdem bin ich der Meinung: Anstatt sich nach wenigen Einsätzen von aussen gut sichtbar, aber unerreichbar, zusammenzufalten, sollte sich das Band schämen und wenigstens die Farbe von Weiss auf Rot wechseln.