Simone Rufli
Rein meteorologisch befinden wir uns am Ende der zweiten Herbstwoche. Klimatisch allerdings erweist sich der Sommer mit Unterbrüchen noch immer als hartnäckig.
In gewisser Weise war dieser Sommer in seinen extremen Zeiten auch paradox. Während Gletscher ...
Simone Rufli
Rein meteorologisch befinden wir uns am Ende der zweiten Herbstwoche. Klimatisch allerdings erweist sich der Sommer mit Unterbrüchen noch immer als hartnäckig.
In gewisser Weise war dieser Sommer in seinen extremen Zeiten auch paradox. Während Gletscher und Eisberge schmolzen, wuchsen andernorts in der gleichen Gluthitze Steine in die Höhe. Die Rede ist von den sogenannten Hungersteinen, die sich in Flussläufen und Bachbetten finden. Einige Exemplare sind in diesem Sommer wieder sichtbar geworden – allerdings nicht, weil die Steine gewachsen sind, sondern weil der Wasserpegel aufgrund der langanhaltenden Trockenheit derart markant gesunken ist.
Hungersteine sind Niedrigwassermarken. Hungersteine heissen sie, weil die an ihnen angebrachten Markierungen von Not und Hunger zeugen. Angebracht wurden die Markierungen lange vor unserer Zeit, als der Wasserstand auch schon ausserordentlich tief und die Gefahr einer nachfolgenden Hungersnot infolge der Dürre ausgesprochen hoch war.
Einer der schweizweit berühmtesten Hungersteine war übrigens der 1908/1909 beim Bau des Wasserkraftwerks in Laufenburg gesprengte Laufenstein. Führte der Rhein sehr wenig Wasser, ragte der Fels weit aus dem Wasser und die Laufenburger meisselten die jeweilige Jahrzahl in den Stein. Ingenieur Hermann Walter hat die Jahre mit extremen Niedrigwasserständen in seiner Dissertation von 1901 festgehalten.
So interessant das ist, hoffen wir, dass die verbliebenen Hungersteine bald wieder auf Tauchstation gehen.
Apropos hartnäckiger Sommer und zu seiner Verteidigung: Astronomisch beginnt der Herbst auf der Nordhalbkugel in diesem Jahr erst mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 23. September.