Simone Rufli
«Wir verwenden Cookies» warnt mich die Webseite. – Ich habe die Wahl und entscheide mich für «Alle ablehnen» oder «Nur funktionale Cookies erlauben». Ein kleiner Triumph der Selbstbestimmung – das habe ich bisher gedacht.
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Simone Rufli
«Wir verwenden Cookies» warnt mich die Webseite. – Ich habe die Wahl und entscheide mich für «Alle ablehnen» oder «Nur funktionale Cookies erlauben». Ein kleiner Triumph der Selbstbestimmung – das habe ich bisher gedacht.
Bis ich gelesen habe, dass das gar nicht stimmt. Während wir zufrieden auf den Ablehnen-Button klicken, um unsere Privatsphäre zu schützen, hat uns das Internet längst erkannt. Nicht am Namen, sondern am digitalen Fingerabdruck: Browser-Typ, Bildschirmgrösse, Einstellungen, die Art der verwendeten Geräte – jedes einzelne für sich harmlos, zusammen verräterisch.
Wir lehnen Cookies ab, die Beobachtung können wir nicht abstellen. Sind wir online, werden wir permanent vermessen, wiedererkannt, analysiert. Was wir wann anklicken, wie lange wir auf welchen Seiten im Netz verweilen und wohin wir weiterziehen, das alles hinterlässt Spuren. Nicht immer lückenlos, nicht immer eindeutig – aber oft genug seien die Abdrücke so tief, dass aus unserem digitalen Verhalten ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil gebastelt werden könne.
Ich finde, das ist an Ironie kaum zu überbieten: Wir schützen unsere Privatsphäre mit einem Klick, während im Hintergrund erst recht die Augen auf uns gerichtet werden.
Der Tag wird kommen, an dem wir eine x-beliebige Website öffnen und lesen: «Wir verfolgen Sie nicht. Wir wissen nur, dass Sie 53 Jahre alt sind, schlecht schlafen, heimlich nach Kreuzfahrten suchen und gestern um 23.47 Uhr nach Symptomen für Burn-out gegoogelt haben. Möchten Sie alle unsere Cookies ablehnen?» Dann klicken wir auf «Ablehnen». Und die Website antwortet: «Danke, wir haben Ihre Entscheidung registriert, Frau Müller. Heute Nacht macht die Polizei Kontrollen in Ihrem Quartier. Parkieren Sie Ihren Zweitwagen heute Abend nicht wieder in der Einfahrt Ihres Nachbarn. Nur 150 Meter von Ihrem Grundstück entfernt gibt es genug öffentliche Parkplätze.»