Simone Rufli
Wir leben in einer Zeit, in der niemand Zeit hat, obwohl wir sie ständig messen. Wir haben Uhren erfunden, die genauer gehen als alles, was die Natur hervorbringt und stellen jetzt fest: Die Natur hält sich nicht daran.
Mal dreht sich die Erde schneller, mal ...
Simone Rufli
Wir leben in einer Zeit, in der niemand Zeit hat, obwohl wir sie ständig messen. Wir haben Uhren erfunden, die genauer gehen als alles, was die Natur hervorbringt und stellen jetzt fest: Die Natur hält sich nicht daran.
Mal dreht sich die Erde schneller, mal langsamer. Schmelzen die Polkappen werden Wassermassen umverteilt und das wirkt sich auf die Erdrotation aus. Langfristig, so die Wissenschaft, werden wir abgebremst. Vielleicht tut uns diese auferlegte Entschleunigung dereinst ganz gut.
Weil wir aktuell noch recht zügig und vor allem unregelmässig rotieren und trotzdem immer pünktlich sein wollen, haben wir 1972 die Schaltsekunde eingeführt und bedienen uns dieser je nach Bedarf am Ende des 30. Juni oder des 31. Dezembers, im Bemühen, die Erde in den Griff zu bekommen. Letzte Woche wurde bekannt: Wir streichen die Segel, lassen das mit der Schaltsekunde und schieben das Problem ein paar läppische Jährchen hinaus – ins Jahr 3000, wo dann eine Schaltstunde eingefügt werden soll. Sollen andere schauen, wie sie damit zurechtkommen, unsere digitalen Systeme sind zu komplex.
Hinausschieben aufgrund von Komplexität? Man könnte versucht sein, weitere Themen ins Jahr 3000 zu schieben: die Stauproblematik im Fricktal zum Beispiel. In der Hoffnung, dass die Erdrotation bis im Jahr 3000 genügend Zeit hatte, den Berufsverkehr abzubremsen.
Auch Frick könnte sich mit etwas mehr Zeit viel fundierter mit den Grossprojekten Hallenbad und Mehrzweckhalle auseinandersetzen. Wölflinswil und Oberhof könnten, ganz ohne handeln zu müssen, schauen, ob sie sich auf ihren Umlaufbahnen wieder annähern. Und würde nicht auch Laufenburg von einem längerfristigen Planungshorizont profitieren? Bis ins Jahr 3000 sollte es möglich sein, alle technischen, planerischen und behördlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Bau des Batteriespeichers zu klären und die Abwärme für den Wärmeverbund in die Altstadt zu leiten.