Simone Rufli
Es dürstet mich danach, der erlauchten Gesellschaft, die sich hier und heute um diese Kolumne versammelt hat, Folgendes kundzutun:
Ich weiss nicht mehr warum, aber vor ein paar Tagen da frug ich mich, warum manche Verben über die Jahre an Kraft verloren ...
Simone Rufli
Es dürstet mich danach, der erlauchten Gesellschaft, die sich hier und heute um diese Kolumne versammelt hat, Folgendes kundzutun:
Ich weiss nicht mehr warum, aber vor ein paar Tagen da frug ich mich, warum manche Verben über die Jahre an Kraft verloren haben und so schwach geworden sind. Sie fragen sich, ob es nicht heissen muss: Ich fragte mich? Heute vermutlich schon, früher aber, da frug man.
Früher krisch ein Säugling auch, heute sagt man, das Baby kreischte. Es gab eine Zeit, da hat der Barry auch nicht einfach gebellt. Er ball und wenn seine Lautäusserung noch weiter zurücklag, dann hat er eben gebollen. Das waren noch Hunde damals! Denken Sie auch gerade an das Geboll, das durch die Gegend scholl? Es bewog die Nachbarschaft bestimmt, die Fenster zu schliessen.
Auch in der Küche, so deucht es mich, gab es eine Zeit, da wurde Wasser gesotten nicht gesiedet und der Sonntagsbraten troff vor Schmalz. Wer früher einen Kuchen wollte, der buk ihn. Und wenn der Teig dann gor, frug ganz sicher niemand, warum das nicht gärte hiess.
Ähnlich beim Licht. Das losch man einst, heute löscht man es bzw. man löschte es. Obwohl: Ich frug mich gerade, und mir huschte dabei ein Lächeln über das Antlitz – ob es nicht auch im digitalen Zeitalter holder klänge, äusserte man: Ich losch gerade versehentlich eine eminent wichtige Datei.