Simone Rufli
Haben Sie sich auch schon gefragt, ob die moderne Technik nicht ein bisschen zu viel Persönlichkeit entwickelt? Mein neuer Glaskeramik-Kochherd zum Beispiel, ein elegantes Gerät, flach, glänzend – aber so was von eifersüchtig!
Dabei kam er noch ...
Simone Rufli
Haben Sie sich auch schon gefragt, ob die moderne Technik nicht ein bisschen zu viel Persönlichkeit entwickelt? Mein neuer Glaskeramik-Kochherd zum Beispiel, ein elegantes Gerät, flach, glänzend – aber so was von eifersüchtig!
Dabei kam er noch vor wenigen Wochen vollkommen unselbständig aus dem Haushaltgeschäft zu uns. Und ich, erfreut und naiv zugleich, dachte, er würde mein Leben erleichtern. Was für ein Trugschluss! Inzwischen vermute ich, er hegt ganz andere Absichten.
Neulich hatten wir Besuch. Ein gemütlicher Abend mit Freunden. Beste Stimmung. Und dann passierte es. Erst ein leises Bip. Kaum hörbar, fast schüchtern. Leicht zu ignorieren.
Das allerdings war ein Fehler. Ignoriert zu werden, bringt unseren Herd zum Kochen. Das Bip wurde zu einem Biiiep, schwoll an zum BIIIIEP mündete in ein BIIIIIIIEP. Ein nervender Ton, der sich einem Messer gleich durchs Gespräch schnitt. Während die Gäste nachsichtig lächelten, biebte sich der Herd in Rage.
Mir verging derweil das Lachen. Ich drückte sämtliche verfügbaren Tasten und unmöglichen Kombinationen – der Erfolg blieb aus. Der Herd, in der Überzeugung «ich biepe, also bin ich», störte unbeirrt weiter. Ganz und gar unverschämt war dann aber, was geschah, kaum dass die Gäste sich verabschiedet hatten und die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war – Stille. Absolute, friedliche STILLE.
Ich stand da, sah den Herd an, und – ich bin sicher – er sah zurück. Mit einer Haltung, die nichts anderes besagt als: «So. Das hätten wir geklärt. Der Chef bin ich.»
Ein Kessel über dem offenen Feuer scheint mir aufs Mal wieder attraktiv.