Simone Rufli
Eine App auf meinem Smartphone lässt mich wissen: «Du hast im 2025 bei uns Musik gestreamt …» Stopp! Ich konsultiere Wikipedia, will wissen, was man mir vorwirft: das Geniessen von Musik direkt aus dem Internet – Klammer zu. «Wir haben Dein ...
Simone Rufli
Eine App auf meinem Smartphone lässt mich wissen: «Du hast im 2025 bei uns Musik gestreamt …» Stopp! Ich konsultiere Wikipedia, will wissen, was man mir vorwirft: das Geniessen von Musik direkt aus dem Internet – Klammer zu. «Wir haben Dein Hörverhalten analysiert. Du hast 118 Songs von 81 verschiedenen Künstlern gestreamt, während total 517 Minuten, das entspricht 0,4 Tagen.»
Ich nehme an, Sie interessieren sich jetzt brennend für meine Top-Genres. Denn natürlich wurde auch das registriert: «Neoklassik, Soft Pop, Dance Pop, Rock’n’Roll, Trance.» Trance? Wikipedia klärt mich auf: melodische, atmosphärische Klangteppiche, hymnische Melodien.
Insgesamt aber, und das scheint dem Anbieter nicht zu gefallen, habe ich in 29 verschiedene Genres hineingehört: «Dein Geschmack lässt sich nicht so genau festlegen», beklagt er, nur um nachzuschieben: «Wir tun es trotzdem». Habe ich darum gebeten?
«Es gibt viele, die ähnlich streamen wie Du», wird mir auf den nächsten Zeilen beschieden. Trost oder Anerkennung?
Ich scrolle weiter: «Du bist in guter Gesellschaft. 16 Prozent der Hörerinnen weltweit sind Mitglieder in Deinem Club.» In meinem Club???
Am rechten Display-Rand naht das untere Ende des Rollbalkens. Die Hintergrundmusik schwillt an, auf zum Höhepunkt: «Dein musikalisches Alter: 21.»
Schmeichle Du mir nur, Du Datensammler. 2026 werde ich Dir das Leben so schwer wie möglich machen. Ich werde absichtlich Musik hören, die mir gar nicht gefällt, aus dem immer gleichen Genre und das tagelang – nur um Dich an der Nase herumzuführen.