Simone Rufli
Manchmal frage ich mich, ob ich beim Einkaufen eigentlich noch Kunde bin – oder längst Teil eines grossangelegten Feldversuchs. Der Detailhandel sammelt meine Punkte, erkennt meine Kaufgewohnheiten – und, neu für mich, auch mein Autokennzeichen.
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Simone Rufli
Manchmal frage ich mich, ob ich beim Einkaufen eigentlich noch Kunde bin – oder längst Teil eines grossangelegten Feldversuchs. Der Detailhandel sammelt meine Punkte, erkennt meine Kaufgewohnheiten – und, neu für mich, auch mein Autokennzeichen.
Bald weiss jeder grössere Laden, ob ich Bio-Quinoa oder halt doch Tiefkühlpizza kaufe. Und ganz ehrlich, wer wird sich noch wundern, wenn der Einkaufswagen uns schon bald durch die Auslagen lotst? «Ich weiss, Du suchst die Tomaten rechts, aber denk daran, sie liegen heute links gleich neben den Gurken …» Mit lernenden Maschinen auf Du und Du sein – bald wundern wir uns nicht mehr darüber.
Und stehen wir dann im Laden, und die Regale weigern sich, uns bestimmte Produkte auszuhändigen – «dein Ernährungsprofil spricht dagegen!», werden wir nur einen kurzen Moment irritiert sein.
Irgendwann wird es auch keine Kasse mehr geben. Wir gehen einfach raus – und der Laden rechnet im Hintergrund ab – die Kalorien inklusive, die wir beim Schieben des Wagens verbrannt haben.
Per E-Mail erhalten wir kurz darauf den Bericht: «Dein heutiges Konsumverhalten wurde erfolgreich analysiert. Das Verbesserungspotenzial auf einer Skala von 0 bis 10 beträgt 6. Hier unsere Vorschläge …»
Aber sehen wir es positiv: Wir werden nicht überwacht, wir werden umsorgt. Wer wird sich da noch wehmütig daran erinnern wollen, dass es eine Zeit gab, in der wir auf uns allein gestellt waren beim Einkaufen.