Über das Fundament einer «einzigartigen Demokratie»
06.08.2026 SteinBei der Bundesfeier in Stein betonte Sven Born die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit
Zusammenhalt und Ehrenamt: Diese Begriffe standen im Zentrum der Bundesfeier in Stein, die am Freitagabend auf dem «neuen Dorfplatz» vor dem Saalbau stattfand. Festredner Sven Born hielt eine ...
Bei der Bundesfeier in Stein betonte Sven Born die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit
Zusammenhalt und Ehrenamt: Diese Begriffe standen im Zentrum der Bundesfeier in Stein, die am Freitagabend auf dem «neuen Dorfplatz» vor dem Saalbau stattfand. Festredner Sven Born hielt eine Lobrede auf das Ehrenamt, und der Zusammenhalt wurde durch die neue, offiziell eingeweihte Überdachung symbolisiert.
Michael Gottstein
Steins Gemeindeammann Beat Käser begrüsste zahlreiche Besucher im Namen des Gemeinderates. Sie versammelten sich unter dem von vier Pfeilern getragenen und ebenso komplexen wie ornamentalen hölzernen Gewölbe, dessen Raffinesse an spätgotische Gewölbekonstruktionen erinnert. Noch fehle der Feinbelag, so der Gemeindeammann. «Angesichts der Hitze denken wir, dass ein schwarzer Belag nicht optimal geeignet ist.» Allerdings werde der Belag umso teurer, je heller er sei, «aber wir werden einen Mittelweg finden», meinte Käser – die Fähigkeit, Kompromisse zu schliessen, ist schliesslich ein wichtiges Merkmal der Schweizer Demokratie. «Die 400 Quadratmeter grosse Überdachung ist ein würdiger Rahmen für Feste», fuhr Beat Käser fort, «und das Bauwerk soll Menschen zusammenbringen und zum neuen Dorfplatz werden.» Die erste Feier widmete die Gemeinde «dem Geburtstag unseres wunderschönen Landes, der uns daran erinnern soll, wie gut wir es hier haben und wie wichtig Freiheit, Demokratie, Zusammenhalt und Verantwortung sind», sagte der Ammann und übergab das Mikrofon dem Festredner Sven Born. Er ist Mitglied der Feuerwehrkommission, Offizier und Maschinistenchef der Feuerwehr Stein und somit seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv.
Sven Born: «Das Ehrenamt hält die Schweiz zusammen»
Die Schweiz werde nicht durch eine gemeinsame Sprache und Kultur zusammengehalten, vielmehr werde sie getragen von dem Willen der Menschen, in einem gemeinsamen Staatswesen zu leben. «Und dieses Wollen zeigt sich nirgendwo so stark wie in unserer Freiwilligenarbeit und im Schweizer Milizsystem – wir warten nicht darauf, dass der Staat alles regelt, wir packen selber an», sagte der Festredner. Daher gebe es auf Gemeindeebene auch keine Berufspolitiker, denn es seien Nachbarn, die nach Feierabend die lokale Politik gestalteten. Insgesamt würden pro Jahr mehr als 590 Millionen Stunden unbezahlter Freiwilligenarbeit im Wert von 30 Milliarden Franken geleistet. «Dieses Engagement ist der unsichtbare Mörtel, der die Schweiz zusammenhält.» Freiheit gehe Hand in Hand mit Verantwortung, daher sei dieses System eine gigantische Schule der Demokratie. «Man lernt zuzuhören, Kompromisse zu schliessen und Mehrheitsentscheide zu akzeptieren – das macht unsere politische Kultur widerstandsfähig und einzigartig auf der Welt», so Sven Born. Da es aber auch in der Schweiz schwieriger werde, Ehrenamtliche zu finden, appellierte er: «Es braucht Sie alle: Schenken Sie unserem Dorf ein Stück Ihrer Zeit – es lohnt sich für uns alle.»
Nach dem Singen der Nationalhymne spielte die Musikgruppe RäbseGnom zum Tanz auf. Den Abschluss der Bundesfeier bildete der Lampionumzug unter Führung der Fahnenträger der Dorfvereine und der Tambouren Möhlin-Ryburg. Auf ein Feuerwerk wurde verzichtet.
Eingeleitet worden war der Abend von dem traditionellen Risotto-Essen, zu dem die Gemeinde ihre Bürgerinnen und Bürger einlud. Die erfahrenen Risotto-Köche Gianlucca Concas, Dominik Häfeli und Marcel Adler hatten viele ehrenamtliche Arbeitsstunden in die Zubereitung des köstlich duftenden Reisgerichtes investiert, zusätzlich sorgten die Helfer des Turnvereins Stein für die Festwirtschaft. Die Alphorngruppe Kaisten stimmte mit traditionellen Melodien auf die Festreden ein.
Am frühen Abend herrschten noch schwül-heisse Temperaturen, die aber der Feststimmung keinen Abbruch taten. Die Bewährungsprobe, ob die noch unfertige Überdachung auch wirklich dicht ist, brauchte sie zumindest während des Festaktes nicht zu bestehen. Erst tief in der Nacht fiel der ersehnte Regen.



