«Bei mir gilt: Wer rastet, der rostet»
15.07.2026 PersönlichDie Laubverfärbung im Herbst fasziniert ihn immer wieder, Sturmschäden berühren ihn emotional und an seinem Job mag er besonders die Vielseitigkeit – für Andreas Bühler ist Förster der schönste Beruf, den er sich vorstellen kann.
Petra Schumacher
Andreas Bühler, Jahrgang ...
Die Laubverfärbung im Herbst fasziniert ihn immer wieder, Sturmschäden berühren ihn emotional und an seinem Job mag er besonders die Vielseitigkeit – für Andreas Bühler ist Förster der schönste Beruf, den er sich vorstellen kann.
Petra Schumacher
Andreas Bühler, Jahrgang 1992, ist in Gansingen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Der Vater war Förster und Jäger. Gemeinsam waren sie oft im Wald. «Wir haben gemeinsam Holz gemessen, er hat mir viel gezeigt und erklärt», so Andreas Bühler, der verschmitzt lächelnd ergänzt: «Im Schritttempo durfte ich da das Auto ein paar Meter fahren, was ja eigentlich verboten war. All das ist mir geblieben und hat mich bei der Berufswahl geprägt.»
Anspruchsvolle Arbeit
In Sulz hat Andreas Bühler die Lehre zum Forstwart gemacht und anschliessend vier Jahre in Wettingen gearbeitet. In dieser Zeit absolvierte er die Aufnahmemodule, die es ihm ermöglichten, ab 2016 die Försterschule in Lyss in Vollzeit zu besuchen. Mit dem HF-Abschlussdiplom in der Tasche folgten noch zwei berufliche Zwischenschritte, bevor Andreas Bühler am 1. April 2020 seine jetzige Stelle in Sulz antrat. Das Forstrevier erstreckt sich von Laufenburg über Sulz bis nach Gansingen und Möhntal und umfasst 930 Hektar öffentlichen Wald sowie etwas Privatwald.
«Wir sind wie eine Aktiengesellschaft organisiert, unsere Aktionäre sind halt die Gemeinden», erklärt der Förster. «Unsere Strategie wird vom Verwaltungsrat Forst & Dienste ausgearbeitet. Die Planung ist auf fünfzehn Jahre ausgelegt. Für das Operative bin ich dann zuständig.» Neben den Arbeiten im und am Wald gehört auch der Strassenunterhalt mit zum Aufgabenbereich. «Wir haben es das ganze Jahr über mit völlig unterschiedlichen Arbeiten zu tun, was es für meine Mitarbeiter und mich anspruchsvoll, aber auch interessant macht.»
Schritt halten können
Sechs Mitarbeiter und Unterstützung auf Stundenbasis hat der Förster, der auch im Vorstand Wald Jura-Fricktal und im Vorstand WaldAargau amtet. «Bei mir gilt: Wer rastet, der rostet», erklärt Andreas Bühler. 2026 hat er deshalb einen CAS Kurs für Betriebsführung und neue Technologien absolviert. Regelmässig organisiert er interne Weiterbildungen. «Ich bin froh, dass uns die Zeit für die Schulungen gegeben wird. So können wir mit den aktuellen Veränderungen Schritt halten. Zudem haben wir bei diesen Anlässen auch die Zeit für ein gemeinsames Znüni oder Mittagessen, was für die Teambildung wichtig ist», so der Förster. «Meine Mitarbeiter wissen das zu schätzen. Ich habe einige langjährige Mitarbeiter, die sich im Revier und mit den Arbeiten auskennen, sodass ein gewisses Vertrauensverhältnis besteht. Das macht sich in der Qualität unserer Arbeit bemerkbar.»
Douglasiennadeln «schmöcken» nach Zitrone
Andreas Bühler nennt den Herbst als seine Lieblingsjahreszeit. «Ich bin zwar das ganze Jahr über gern draussen im Wald, aber der Farbwechsel im Herbst fasziniert mich immer wieder. Dazu kommt, dass im Herbst Holz geschlagen wird. Der Moment, in dem ein Baum fällt, ist ein besonderer und den Geschmack, der dann durch den Wald zieht, den mag ich sehr.» Als Lieblingsbaum nennt der Förster die Douglasie. «Der Baum wächst schnell, passt gut ins aktuelle Klima und die Nadeln ‹schmöcken› fein nach Zitrone.» Von den Tageszeiten gefällt Andreas Bühler besonders die Abendstimmung. «Vielleicht liegt das daran, dass ich Jäger bin.» Im Gegensatz zu früher, ist der Förster heute aber nicht automatisch auch Jäger. Da hat sich viel geändert, erzählt der Förster und meint lächelnd: «Von der grünen Forstuniform mit Hut und dem Dackel, ist mir nur die grüne Arbeitshose geblieben.»
Sturmschäden machen betroffen
Die Klimaveränderungen nennt Andreas Bühler als grösste Herausforderung seiner Arbeit. «Fichten werden wohl langfristig verschwinden und Buchen werden weniger werden. Mit dem Thema müssen wir uns intensiv beschäftigen.» Die Klimaänderungen seien aber auch für die Mitarbeiter fordernd. Aktuell testet das Forstteam Kühlwesten aus, um trotz Hitze notwenige Arbeiten durchführen zu können. «Richtig schlimm ist für mich, wenn durch Sturmschäden oder Käferbefall grosse Waldstücke zerstört werden. Man hat die Bäume gepflanzt und beim Wachsen zugeschaut, da steckt so viel Herzblut drin und dann geht das alles kaputt.»
Andreas Bühler wünscht sich mehr Rücksichtnahme der Waldnutzer. «Ob Velofahrer, E-Biker, Rössler oder Wanderer, sie sollten alle füreinander mehr Verständnis haben. Zudem braucht es mehr Respekt für die Natur. Illegale Trails, wildes Campieren oder Picknicken im Wald und dabei den Abfall liegen lassen, dafür habe ich so gar kein Verständnis», meint der Förster. Seinen Beruf bezeichnet er als fordernd, hart, spannend und als gute Lebensschule «Für mich ist es der schönste Beruf, den ich jederzeit wieder wählen würde.»
Der Hobbywinzer
Der «Geschmack» von Holz und die Wertschätzung dieses Rohstoffs begleiten Andreas Bühler seit der Kindheit. Jetzt hat er sein eigenes Haus gebaut – natürlich aus Holz. «55 Kubikmeter heimisches, Schweizer Holz stecken im Haus, das war mir wichtig», so der Förster. Wenn er in der Freizeit nicht auf dem Hochsitz hockt oder Unihockey spielt, unterstützt er die Kameraden von der Gansinger Feuerwehr oder steckt im Rebberg. «Zum Winzern bin ich durch Kollegen gekommen. Zusammen haben wir 15 Aren Reben. Wir produzieren Federweissen und Rotwein aus Blauburgunder. Und ich muss sagen, unser Wein schmeckt.» Und wenn Andreas Bühler den Kopf mal frei bekommen muss, hat er sein eigenes Rezept: «Zwei Stunden in den Wald gehen, dann geht es mir gut.»

