Wenn die Stadtmauer durch das Wohnhaus geht
10.05.2026 RheinfeldenAus zwei historischen Einfamilienhäusern an der Fröschweid in Rheinfelden entsteht derzeit ein Mehrgenerationen-Haus. Die Stadtmauer führt mitten durch das Gebäude. Die Bauarbeiten sind aufwändig.
Valentin Zumsteg
Roland Gröflin ist mit seinen ...
Aus zwei historischen Einfamilienhäusern an der Fröschweid in Rheinfelden entsteht derzeit ein Mehrgenerationen-Haus. Die Stadtmauer führt mitten durch das Gebäude. Die Bauarbeiten sind aufwändig.
Valentin Zumsteg
Roland Gröflin ist mit seinen Geschwistern im Haus an der Fröschweid 6 aufgewachsen. Die Idee, dieses Gebäude mit dem Nachbarhaus Fröschweid 8 zusammenzulegen, hegt er schon lange. «Seit 20 Jahren habe ich diesen Traum», erzählt der 61-Jährige. Jetzt wird er realisiert. Das Projekt ist aufwändig. «Wir haben vier Jahre lang geplant», erklärt Gröf lin, der bis zu seiner Frühpensionierung Bauverwalter von Stein war.
Die fünfte Generation
Im Februar 2026 konnten die Bauarbeiten schliesslich beginnen; der Einzug ist – wenn alles wie geplant läuft – auf den August 2027 vorgesehen. Aus den beiden Einfamilienhäusern wird ein Mehrgenerationen-Haus. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss werden künftig Roland Gröflin und seine Frau wohnen, in den oberen Stockwerken sein älterer Sohn mit seiner Familie. «Das wird die fünfte Generation Gröf lin in diesem Gebäude sein», erklärt Roland Gröflin mit einem Lachen.
Die beiden Häuser Fröschweid 6 und 8 haben eine lange Geschichte. Die Stadt Rheinfelden hatte den Bau in den Jahren 1585/86 selbst veranlasst. Das Besondere dabei: Die ehemaligen Handwerkerhäuser sind direkt an die Stadtmauer gebaut worden, diese bildete zu Beginn die rheinseitige Aussenmauer. Als später eine neue Rheinmauer ein paar Meter nordwestlich vorgelegt wurde, hat die damalige Eigentümerschaft bei der Stadtmauer Durchbrüche vorgenommen und die Häuser sind durch Anbauten auf der Rheinseite ergänzt worden. So wurde die Stadtmauer zur Innenmauer der Gebäude.
Holz aus dem 15. Jahrhundert
Da die Häuser an einer geschichtsträchtigen Stelle in Rheinfelden stehen, waren bei der Planung neben der Stadt auch der Kanton involviert. «Die Kantonsarchäologie hat das Gebäude während drei oder vier Tagen vermessen», schildert Gröflin. Bei den Holzbalken sind Proben genommen worden, um ihr Alter dendrochronologisch festzustellen. Die Untersuchungen ergaben, dass die ältesten Balken aus den Jahren 1470/71 stammen. Dies lässt den Schluss zu, dass sie zuvor für ein anderes Gebäude verwendet worden waren und danach recycelt wurden.
Die Anbauten auf der Rheinseite der alten Stadtmauer sind bereits zurückgebaut. Dort wird künftig ein zweistöckiger Holzbau die beiden zusammengelegten Häuser ergänzen. Wie bisher führt also auch künftig die historische Stadtmauer, die bis zu 1,35 Meter breit ist, mitten durch das Wohnhaus und verleiht dem Gebäude dadurch eine besondere Ambiance. Für die Heizung setzt Gröf lin auf den Rhein, dank eines Wärmetauschers wird das Flusswasser für die nötigen Temperaturen sorgen. Wie sich im Rahmen des Baus zeigte, verfügten bisher weder das Gebäude Nummer 6 noch das Gebäude Nummer 8 über einen eigenen direkten Anschluss an die Kanalisation, die Leitungen führten über das Gebäude Nummer 10 in die städtische Kanalisation. Das wird nun geändert.
Die Bauarbeiten dauern noch mehr als ein Jahr – und bergen wohl noch die eine oder andere Überraschung. Roland Gröf lin und seine Familie freuen sich aber schon heute auf den Einzug in ihr geschichtsträchtiges Haus.





