Badisch-Rheinfelden bekommt neue Chronik
02.08.2026 RheinfeldenDer Arbeitskreis Geschichte des Salmegg-Vereins in Badisch-Rheinfelden will noch dieses Jahr den ersten von zwei Bänden der neuen Stadtchronik veröffentlichen. In chronologischer Reihenfolge werden alle Ereignisse zusammengetragen, die das heutige Stadtgebiet und die Schweizer Nachbarschaft ...
Der Arbeitskreis Geschichte des Salmegg-Vereins in Badisch-Rheinfelden will noch dieses Jahr den ersten von zwei Bänden der neuen Stadtchronik veröffentlichen. In chronologischer Reihenfolge werden alle Ereignisse zusammengetragen, die das heutige Stadtgebiet und die Schweizer Nachbarschaft betreffen.
Boris Burkhardt
Seit der Arbeitskreis Geschichte des Salmegg-Vereins in Badisch-Rheinfelden das arbeitsreiche Werk «Innovation und Integration – 100 Jahre Rheinfelden» zum Stadtjubiläum 2022 veröffentlichte, ist es still geworden. Vor dem Jubiläumsband waren regelmässige Veröffentlichungen in der Reihe der «Rheinfelder Geschichtsblätter» erfolgt. Die Autorengruppe um den Wirtschaftshistoriker Wolfgang Bocks arbeitet aber bereits seit drei Jahren an der nächsten Veröffentlichung, die noch umfangreicher werden wird.
Jahr für Jahr
Geplant sind zwei Teile einer Ortschronik, von denen der erste weit in die Vergangenheit zurückreicht und von den römischen und keltischen Anfängen der Region Rheinfelden beiderseits des Rheins bis zum Jahre 1806 berichten wird. In jenem Jahr erfolgte mit der endgültigen Auf lösung der vorderösterreichischen Herrschaft am Hochrhein ein Epochenwechsel: Das über Jahrhunderte gemeinsam verwaltete Gebiet trennte sich in das Grossherzogtum Baden und den Kanton Aargau. Im Gegensatz zum Jubiläumsband, der die Kapitel thematisch ordnete, listet die geplante Chronik tatsächlich chronologisch Jahr für Jahr wichtige Ereignisse mit Relevanz für die Region beider Rheinfelden auf.
«Mit der Idee, Rheinfelder Ereignisse chronologisch zu sammeln, gehen wir schon länger schwanger», erklärt Mitglied Werner Himmelsbach. «Die Geschichte Badisch- Rheinfeldens beginnt bisher immer mit dem Bau des Kraftwerks. In dieser Zusammenfassung gibt es das zum ersten Mal», ergänzt Alt-Oberbürgermeister Eberhard Niethammer. Und Wolfgang Bocks spricht im Namen des Autorenteams von einem «intensiven Anspruch an uns selbst, diese Lücke systematisch zu füllen».
Nicht ohne Stolz merkt er an: «Eine Chronik dieser Art hat sonst keine Stadt in der Region.»
1800 Jahre durchforstet
Die Veröffentlichung des ersten Teils wird bis Ende 2026 angestrebt. Er wird vor allem vom pensionierten Geschichtslehrer Martin Birken verantwortet; laut Bocks hat er «als einziger den Durchblick über diese Epochen». 1800 Jahre habe er durchforstet, sagt Birken: «Die Informationen waren sehr verstreut.» Eigentliche Archivrecherche unternahm Birken keine: «Das wäre viel zu aufwendig gewesen.» Die Chronik habe auch nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Arbeit zu sein: «Ich bewerte nicht; ich sammle nur Informationen aus der Fachliteratur.»
Dabei habe sich durchaus die eine oder andere Chance ergeben, einzelne Aspekte näher als bisher zu erforschen: «Wir wissen zum Beispiel, dass das als brutal geltende Söldnerheer der französischen Armagnaken im 15. Jahrhundert (Schlacht bei St. Jakob an der Birs 1444) im Wiesental plünderte, aber nicht, ob sie auch bis Rheinfelden kamen.» Auch die Entwicklung von Schloss Beuggen sei ab dem 16. Jahrhundert bisher nicht gut belegt.
Einen grossen Teil des ersten Chronik-Bandes macht die rechtsrheinische Landschaft Rheintal der Kameralherrschaft Rheinfelden in Vorderösterreich aus. Sie existierte vom 15. Jahrhundert bis 1807, während der linksrheinische Teil der Kameralherrschaft, das heutige Fricktal, bereits 1802 im gleichnamigen Kanton aufging. Bocks bemerkt, dass die heutige Gesamtstadt Badisch-Rheinfelden mit der Ausnahme von Wyhlen wieder komplett die alte Landschaft Rheintal abdeckt: «Wichtig ist aber zu verstehen, dass die Gebiete links- und rechtsrheinisch eine gewachsene Region sind.»
Auf die Geschicke des heutigen Stadtgebiets Badisch-Rheinfeldens hatten deshalb auch die linksrheinische Landschaft Möhlinbach, der heutige Bezirk Rheinfelden ohne die Stadt selbst, Einfluss. Die Einwohner von Möhlin übernahmen etwa die Führung im Rappenkrieg gegen Basel 1591 bis 1594. Vor der vorderösterreichischen Zeit gehörte das Gebiet zur Grafschaft Rheinfelden (um 1000), zum Herzogtum Schwaben (11. Jahrhundert) und zu den Habsburgern (13. Jahrhundert). Vor der Jahrtausendwende sind die Quellen spärlich: «Wir kennen alemannische Stammesfürsten ab 260, aber wissen nicht, wie sie politisch organisiert waren», sagt Birken.
Die Menschen mussten immer wieder von vorne anfangen
Immer wieder traf Birken auf überraschende Funde: «Die Birlin-Mühle in Degerfelden wird zum Beispiel bereits im 14. Jahrhundert erwähnt.» Bemerkenswert findet der Hobbyhistoriker auch, dass jedes Dorf seinen eigenen Dorfadel hatte: Nollingen, Beuggen, Herten, Degerfelden, Hagenbach, Adelhausen.
Eindrucksvoll ist das Schicksal der Menschen im «blutigen 15. Jahrhundert»: «Es gab keine Generation, die nicht eine grundlegende Katastrophe erlebt hätte: Hochwasser, Pest, Krieg», sagen Himmelsbach und Bocks: «Alle 20 bis 30 Jahre mussten die Menschen damals wieder von vorne anfangen.»
Während der erste Chronik-Band das Werk eines Autors ist, arbeiten am zweiten Band alle Mitglieder des Arbeitskreises um die Hauptautoren Bocks und Himmelsbach mit. Sie trugen bisher rund 2000 Stichpunkte zusammen im engeren geographischen Rahmen der Kernstadt Rheinfelden mit Nollingen und Warmbach im Zeitrahmen von 1806 bis zum Stadtjubiläum 2022. «Hier ist die Schwierigkeit, welche Ereignisse wir als wichtig einstufen», sagt Bocks. Und Himmelsbach erklärt: «Bis 1898 ist relativ wenig los; dann nehmen die Ereignisse mit der Industrieentwicklung stark zu.»
Trotz der Sichtung von Quellen aus allen Bereichen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bleibt für die Autoren die Angst, «jemanden zu vergessen». Oft gebe es auch widersprüchliche Daten, etwa bei Firmengründungen, oder falsche Daten, die über die Jahre ständig abgeschrieben worden seien. Der Arbeitskreis freut sich deshalb über alle Interessierten, die beim Sammeln und Auswerten der Daten mithelfen wollen.

