«Automarken kann ich mir besser merken als Namen von Personen»
21.08.2023 FricktalAutojournalist Samuel Pfister
Rund 30 000 Kilometer im Jahr fährt Samuel Pfister, aber selten länger als zwei Woche im selben Auto. Er steuert immer die neusten Modelle. «Viele beneiden mich um meinen Beruf», sagt der Autojournalist; und ergänzt: «Die ...
Autojournalist Samuel Pfister
Rund 30 000 Kilometer im Jahr fährt Samuel Pfister, aber selten länger als zwei Woche im selben Auto. Er steuert immer die neusten Modelle. «Viele beneiden mich um meinen Beruf», sagt der Autojournalist; und ergänzt: «Die Freude an Autos reicht nicht: Um kompetente und fundierte Beiträge zu verfassen, muss man das journalistische Handwerk beherrschen.»
Karin Pfister
Seine Lieblingsstrecke ist «de chli Chlause». Der Hügel zwischen Zeihen und Herznach eigne sich sehr gut für Filmbeiträge, die Samuel Pfister zusammen mit seinem Team für das Automagazin GO! dreht. Die Firma ist in Bern ansässig, wo Samuel Pfister schon seit vielen Jahren wohnt. Zum Drehen der Filmbeiträge steuert er gerne das Fricktal an, einerseits weil er die Strassen dort sehr gut kennt, andererseits sei die Landschaft einfach attraktiv. Die «Chli-Chlause-Strasse» zum Beispiel habe eine breite Fahrbahn und schöne Kurven, ausserdem seien nirgendwo Stromleitungen, was im Fernsehen besser wirke und es habe wenig Verkehr. «Meistens fahren wir beim Drehen zirka sechs Mal an derselben Stelle vorbei und filmen aus verschiedenen Perspektiven.» Aus rund acht Stunden Produktion und Drehzeit entsteht am Schluss ein zwölfminütiger Filmbeitrag. Das GO!-Team ist ein kleines Team innerhalb der V12media Productions. Samuel Pfister ist eigentlich Produzent, aber immer wieder auch Kameramann oder Moderator. «Bei uns kann jeder alles.»
Vom Bauernsohn zum Filmemacher
Samuel Pfister ist auf einem Bauernhof in Bözen, Ortsteil der Gemeinde Böztal aufgewachsen. Dass aus dem Bauernsohn kein Landwirt wird, war schon früh klar. Technik habe ihn immer mehr interessiert als Kühe. Die Faszination für alles, was sich bewegt, für die Kraft, den Klang und die Dynamik von Fahrzeugen begleitet ihn seit seiner Kindheit. Noch heute weiss der Journalist, mit welchem Auto dieser eine Onkel da vor 30 Jahren jeweils zur Weihnachtsfeier vorfuhr; es war ein BMW 635 CSi. «Automarken kann ich mir besser merken als Namen von Personen.»
Am besten «learning by doing»
Auf dem Gelände rund um den elterlichen Hof hat er sich als 15jähriger selber das Autofahren beigebracht. «Ich habe es so lange probiert, bis ich begriffen habe, wie es funktioniert.» Inzwischen fährt er beruf lich rund 30 000 Kilometer pro Jahr und hat rund 20 Länder bereist; neben fast allen Ländern in Europa war er auch in Japan, Marokko und Island an Neuvorstellungen bei Autofirmen eingeladen. Eine Journalistenschule hat Samuel Pfister nie besucht. Die ersten Erfahrungen in diesem Bereich machte er als Jugendlicher während eines Praktikums bei der Neuen Fricktaler Zeitung, bevor er eine Ausbildung im Detailhandel, Abteilung Spielwaren, absolvierte. Danach folgte über Umwegen eine Anstellung als Videojournalist bei Tele Bern und später die Tätigkeit als Produzent beim SRF-Jugendmagazin Zambo, was ihm grosse Freude gemacht hat. «Ich habe sehr gerne Fernsehen für und mit Jugendlichen gemacht, weil es eine super Schule ist, um das Fernsehhandwerk zu praktizieren. Man muss komplexe Themen einfach, klar und kurz erklären – genau das ist Fernsehen.» Er wurde überall intern ausgebildet. «Meiner Meinung nach lässt sich vieles in diesem Beruf am besten learnig by doing lernen.»
Privat fährt der Autojournalist einen Mini Cooper JCW; sein Lieblingsauto ist der Porsche 911 GT3. «Die Autos werden immer digitaler und das Fahrgefühl geht dadurch etwas verloren. Der Porsche GT3 fühlt sich trotz modernster Technik immer noch genug analog an.» Samuel Pfister fährt am liebsten handgeschaltete Fahrzeuge. «So ist man als Fahrer mehr in den Fahrprozess involviert.»
400 bis 500 verschiedene Autos gefahren
Vom Rallyeauto über Concept Cars bis hin zum Oldtimer ist Samuel Pfister schon praktisch alles gefahren, was vier Räder hat – gesamthaft etwa 400 bis 500 verschiedene Autos. «Wie viele es genau sind, weiss ich nicht. Es sind einfach zu viele.» Noch nie fahren durfte er den Pagani Zonda. «Das ist ein Kunstwerk auf Rädern mit über 700 PS, das ich gerne mal ausprobieren möchte.»
Obwohl alle Beiträge immer dasselbe Thema haben – Autos – wird es Samuel Pfister bei der Arbeit nie langweilig. «Ich mag die Herausforderung, stetig neue Aspekte zu finden und bei jedem Auto etwas Spannendes erzählen zu können, und bei Autos geht es auch immer um Menschen und ihre Leidenschaft. Ich verbringe gern Zeit mit Personen, die für etwas brennen.» Er fährt die Autos jeweils rund zwei Wochen, um das Fahrzeug nach journalistischen Kriterien für die Beiträge beurteilen zu können. Für die Sendung selber werden die Fahrzeuge von der Moderatorin Cyndie Allemann, welche in Bremgarten wohnt, gelenkt. «Sie war früher Rennfahrerin. Es ist beeindruckend, sie beim Fahren zu beobachten.»
GO! Das Schweizer Mobilitätsmagazin ist jeden zweiten Samstag auf blue Zoom um 22.20 Uhr zu sehen;
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