«Aus dem Leben erzählt» mit Gabriel Kramer
23.04.2026 SulzEin gelungener Abend in der Kulturwerkstadt Sulz, der Lust auf mehr machte
Gabriel Kramer war am Dienstagabend zu Gast in der Kulturwerkstadt Sulz, wo er in der Veranstaltungsreihe «Aus dem Leben erzählt» eben dies tat: aus seinem Leben zu erzählen, mit allen ...
Ein gelungener Abend in der Kulturwerkstadt Sulz, der Lust auf mehr machte
Gabriel Kramer war am Dienstagabend zu Gast in der Kulturwerkstadt Sulz, wo er in der Veranstaltungsreihe «Aus dem Leben erzählt» eben dies tat: aus seinem Leben zu erzählen, mit allen Erkenntnissen, Wendungen und Entwicklungen seit seiner Geburt 1976.
Peter Schütz
Gabriel Kramer schnallte seine Gitarre um, sang Lieder in Mundart, beantwortete Fragen, auch heikle, und zeichnete sogar ein Porträt in kurzer Zeit. Hinzu kamen ein Workshop und ein Wettbewerb, alles in eineinhalb Stunden dargereicht, gut gewürzt und manchmal ordentlich gepfeffert. Das Publikum erlebte einen kurzweiligen Abend, was auch daran lag, dass es vom Gastkünstler immer wieder miteinbezogen wurde. So entstand, obwohl eine Ein-Mann-Show, ein lockeres Miteinander, begleitet von Anekdoten, die nur das Leben schreiben kann.
Musiker, Maler, Dichter, Gestalter...
Gabriel Kramer kann vieles: Er ist Musiker, Maler, Gestalter, Schnitzelbänkler, Osterbrunnenschmücker, Dichter, Lebenskünstler. Er spielt in mehreren Musikgruppen: Mattermania, Dampf bühler, Hinterwäldler, Wunderkram, Trionettli und ist mit dem Liedermacherfestival «Troubadix» eng verbunden. Ganz so gradlinig, wie es den Anschein machen kann, verlief insbesondere seine Jugend nicht unbedingt. Aufgewachsen in Wil, habe er noch nicht gecheckt, dass die Musik zum Beruf gemacht werden kann. Zumal ihm seine Singlehrerin in der Schule kein Talent attestierte, höchstens an der Gitarre, aber ohne Gesang. Immerhin habe er trotzdem noch in der Oberstufe die erste Band gegründet. Nach der Schule absolvierte er in Aarau eine Lehre als Maschinenzeichner, fand jedoch bald heraus, dass es nicht das sei, womit er das Leben verbringen möchte. Worauf er einen Vorkurs in der Kunstgewerbeschule Basel besuchte und einen 40-Prozent-Job bei einem Möbeltransporter aufnahm, um wenigstens die Rechnungen bezahlen zu können. Nun ist er seit 32 Jahren auf dem Selbstständiger-Künstler-Weg unterwegs.
2500 Auftritte in 25 Jahren
Gabriel Kramer hat sich etliche Musikstile angeeignet: Bluegrass, Hillbilly, Folk, hat Lieder von Mani Matter in ein frisches Gewand gebracht und sich Bob Dylan auf Schweizerdeutsch angenähert. In 25 Jahren habe er 2500 Auftritte gehabt, sagte er. Nur zwei Mal habe er abgesagt. «Ich kann auch heiser mein Zeug singen», berichtete er. Die Frage, welche Band unter den vielen, in denen er dabei ist, ihm am meisten ans Herz gewachsen sei, beantwortete er so: «Meine Lieblingsband ist die, in der viel Energie drin ist.» Nächste Frage: «Wenn du mit Sonja (Wunderlin, seine Lebensgefährtin) auftrittst und ihr habt vorher Lämpe gehabt – wie macht ihr das?» Antwort von Gabriel Kramer: «Lämpe kann man wegen irgendetwas haben. Aber wenn man auf der Bühne steht, ist dies ein anderer Modus. Voraussetzung ist eine gewisse Professionalität.» Und wie es denn während den Auftritten sei, wollte eine Besucherin wissen, «spielst du dann deine Seele?» Kramer: «Auf eine Art sind die Lieder und Musik meine Religion, mein Hauptlebensinhalt.»
Von goldfarbenen Kickschuhen zur Karikatur
Kurz darauf drehte sich alles um Zahlen, Steuern, Geld. Es wurde gerechnet, wie hoch die Gage eines Musikers sein sollte, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Zwischendurch spielte Gabriel Kramer ein Fussballlied, in dem es um Zidane ging und die Frage, welche Farbe seine Kickschuhe im WM-Finale 2006 hatten. Eine Zuhörerin wusste es – goldfarben – und gewann eine Karikatur. Die Kramer sogleich in Nullkommanix mit Stift auf Papier zeichnete inklusive hohem Wiedererkennungswert. Es folgte das Lied «Gratis» und zum Schluss «Für immer jung». Ein gelungener Abend, der Lust auf mehr machte.

