Aus dem Leben eines Publizisten
21.02.2026 RheinfeldenRoger de Weck ist ein erfahrener Journalist und Publizist. Kommenden Mittwoch, 25. Februar, spricht er im Hotel Schützen in Rheinfelden mit dem Soziologen Ueli Mäder über sein Leben.
Roger de Weck war von 2011 bis 2017 Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und ...
Roger de Weck ist ein erfahrener Journalist und Publizist. Kommenden Mittwoch, 25. Februar, spricht er im Hotel Schützen in Rheinfelden mit dem Soziologen Ueli Mäder über sein Leben.
Roger de Weck war von 2011 bis 2017 Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Vermutlich wird er sich auch im Schützen kurz zur Halbierungsinitiative äussern. «Man stelle sich vor», meinte er im Vorfeld, «die SBB hätten plötzlich nur noch die Hälfte des Gelds – es wäre ein Kahlschlag». Aber jeder Passagier würde darauf pochen, dass seine Bahnlinie weiter betrieben werde. Und «riesig wäre dann der Frust». Im Schützen geht de Weck jedoch vor allem darauf ein, wie gesellschaftliche Veränderungen ihn persönlich prägen.
Anfänge
Roger de Weck kam 1953 in Freiburg im Uechtland zur Welt. Er war das vierte von sieben Kindern einer Bankier-Familie patrizischer Herkunft. «Je grösser die Familie», stellt er heute fest, «desto unkomplizierter die Eltern und Kinder, damit alles schwungvoll bleibt». Und der Zürcher Psychologe und Familienforscher Jürg Frick ergänzt, viele Geschwister zu haben, stärke oft die eigene Widerständigkeit.
De Weck studierte Volkswirtschaft und Wirtschaftsgeschichte an der Hochschule St. Gallen (HSG). Er korrespondierte für die «Tribune de Genève» und veröffentlichte 24-jährig mit Max Mabillard «Der Fall Chiasso» (1977). Das Buch handelte vom Finanzskandal der «Crédit Suisse», die damals noch zur Schweizerischen Kreditanstalt gehörte. Und de Wecks Vater, der von 1976 bis 1980 den Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) präsidierte, reagierte respektvoll auf den Bestseller seines Sohns. Und wie nahm Roger de Weck kürzlich den Untergang der Grossbank wahr? Nun, das passiere eben, wenn sich eine traditionsreiche Zürcher Institution in ein Casino verwandle.
Wissen, bevor man schreibt
1979 übernahm de Weck die Wirtschaftsredaktion der damals politisch liberalen «Weltwoche». Inzwischen verkörpere die Wochenzeitung, die zu Putin aufsehe und Trump bewundere, den Wandel «vom Journalismus zum Propagandismus». 1983 wechselte de Weck zur Hamburger «Die Zeit», die er, nach seiner Zeit als Chefredaktor des Tages-A nzeigers (1992 bis 1997), mehrere Jahre leitete. An der «Zeit» beeindruckte ihn besonders «der Wille aller – angefangen bei mei nem Herausgeber Hel mut Schmidt, dem ich nahe stand – es wirklich und gründlich und differenziert wissen zu wollen, bevor man schreibt». Ab 2001 moderierte de Weck öfters die «Sternstunde Philosophie» im Schweizer Fernsehen. «Gibt es einen anderen Kapitalismus?», fragte er im Buch «Nach der Krise» (2009). Dann folgten «Die Kraft der Demokratie» (2020) und «Das Prinzip Trotzdem» (2024), in dem er dafür plädiert, den Journalismus zu retten. Die Rheinfelder Buch-Oase ist im Schützen mit einem Stand präsent.
Und wie geht de Weck heute damit um, wenn sich einf lussreiche Personen um das Völkerrecht und demokratische Prozesse foutieren? «Oft treten Feinde der Demokratie auf den Plan», antwortet er, «aber gefährlich wird es, wenn sich die Freunde der Demokratie verunsichern lassen, statt diese Autoritären zu stellen.» Und was hat er in seinen verantwortungsvollen Positionen gelernt? «Es gibt keine Probleme», gibt er zu bedenken; «es gibt nur Menschen, die man für seine Vorhaben einnehmen und auf dem Weg mitnehmen muss: auch um von ihnen zu lernen.»
Für das Onlinemagazin «Republik» führt de Weck seit Februar 2026 wieder ein monatliches Podcast-Gespräch. Als Gast wirkte alt-Bundeskanzler Walter Thurnherr mit. Wie das Schweizer Politsystem auf globale Umbrüche reagiert, lautete das Thema. De Weck, der «Journalist zwischen den Stühlen», spricht es auch im Schützen-Talk an. Ihn fasziniert, wie «die Politik des Gleichgewichtes» funktioniert. (mgt)
Mittwoch, 25. Februar, 19.30-21.00: «Heute ist gestern, morgen ist heute.» Mit Roger de Weck im Hotel Schützen, Rheinfelden. Musik: Lukas Rickli. Moderation: Ueli Mäder. Eintritt: 15 Franken. Anmeldung: www.schuetzenhotels.ch/de/entdecke

