Augen und Ohren auf!
07.08.2026 FricktalExtreme Trockenheit führt zu Astbrüchen
Die Stadt Aarau bittet um Vorsicht beim Begehen von Grünanlagen, Sissach sperrt einen Waldspielplatz. Ist der Aufenthalt in Fricktaler Wäldern riskant? Die NFZ fragte bei den Verantwortlichen der Forstreviere nach.
...Extreme Trockenheit führt zu Astbrüchen
Die Stadt Aarau bittet um Vorsicht beim Begehen von Grünanlagen, Sissach sperrt einen Waldspielplatz. Ist der Aufenthalt in Fricktaler Wäldern riskant? Die NFZ fragte bei den Verantwortlichen der Forstreviere nach.
Simone Rufli
Viele Leute entfliehen der Hitze, indem sie in den Wald gehen. Gleichzeitig steigt die Gefahr von spontanen Astbrüchen. Den Wald meiden, sei nicht nötig, sagen die Fricktaler Forstbetriebsleiter, vorsichtig sein hingegen schon.
Andreas Bühler, Betriebsleiter bei Forst & Dienste Laufenburg– Gansingen ist nicht der Einzige, der empfiehlt, «mit offenen Augen und Ohren durch den Wald zu gehen». Vom Tragen von Kopfhörern rät er ab, offensichtlich dürre Bäume sollten gemieden und Waldwege nicht verlassen werden. Durch die anhaltende Trockenphase und den Wassermangel hätten auch Bäume Mühe, ihre Versorgung mit Wasser sicherzustellen. «Ein wichtiger Faktor sind dabei die Spaltöffnungen auf der Blattunterseite, die unter anderem für die Atmung des Baumes genutzt werden. Durch diese Atmung entsteht ein leichter Sog, welcher das Wasser hochziehen soll. In der aktuellen Trockenphase haben die Bäume nun quasi die Wahl nach Luft zu schnappen und auf Wasser zu hoffen, oder ihre Atmung zu beenden und das Laub abzuwerfen.» Weil auch das Holz trocken werde, komme es zu Astbrüchen.
Eine erhöhte Gefahr ortet Bühler an exponierten Sonnenhängen und trockenen Standorten. Die Gefahr gehe mehr von Laubbaumarten mit langen Kronen aus als von einer bestimmten Baumart. «Aktuell sind in unserem Revier Astbrüche aber eher bei Buchen zu sehen.» Generell sei braune Laubverfärbung eine Beeinträchtigung durch Trockenheit.
Sollte sich die Situation verschärfen, seien weitere Massnahmen denkbar. «Im Jahr 2018 hat der Dürresommer in der Ajoie grossflächige Schäden verursacht, so dass gewisse Waldgebiete gesperrt werden mussten.»
Im Moment Einzelfälle
Auch Philipp Küng, Betriebsleiter im Forstbetrieb Thierstein, stellt eine leicht erhöhte Gefahr fest, ausgehend von Buchen und einzelnen Eichen. «Liegen schon Äste am Boden, so ist das ein Zeichen dafür, dass weitere abbrechen und herabfallen könnten», gibt er zu bedenken. «Im Moment handelt es sich aber um Einzelfälle und nicht um ein flächendeckendes Problem. Aber ja, es ist eine extreme Phase, wir müssen beobachten, wie sich die Lage entwickelt und in Zukunft Bäume pflanzen, die weniger Wasser benötigen und klimatoleranter sind.»
Aktuell noch keine erhöhte Gefahr sieht Roman Gisin, Geschäftsführer im Forstbetrieb Jura-Rhein in seinem Revier (Mettauertal, Kaisten, Schwaderloch). Wenn, dann gehe Gefahr von Eschen aus, die bereits durch die Eschenwelke vorgeschädigt seien. «Gefährlich werden könnte es, wenn stärkere Winde auftreten.» Die Chance von einem Ast getroffen zu werden sei aber verschwindend klein, so Gisin.
Anders Jeremias Boss, Betriebsleiter im Forstbetrieb Wid (Wölflinswil, Oberhof, Herznach-Ueken). Er hat an diversen Baumarten schon Brüche festgestellt, die eindeutig auf die extreme Trockenheit zurückzuführen sind. «Solche Abbrüche passieren in einem ‹Normaljahr› nur bei starkem Wind.» Dürre, abgestorbene Bereiche an einer Baumkrone oder bereits welkes, gerolltes Laub seien Warnzeichen. «Wann und warum ein Abbruch stattfindet, kann jedoch kaum vorausgesagt werden.» Zur Gefahr meint Boss: «Ich schätze den Strassenverkehr immer noch als gefährlicher ein als den Spaziergang im Wald.»
«Die aktuelle Trockenheit und Hitze ist viel schlimmer»
Der Kanton verfolgt die Situation im Aargauer Wald mit zunehmender Sorge
Waldbenutzer müssen aktuell mit herabfallenden Ästen rechnen. Auf Waldstrassen könnten keine allzu strengen Anforderungen bezüglich Sicherheit gestellt werden, sagt Alex Arnet.
Simone Rufli
Alex Arnet, Leiter Sektion Waldbewirtschaftung in der Abteilung Wald im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, steht in Kontakt mit den Betriebsleitungen der Fricktaler Forstreviere und sagt: «Astabbrüche gehören zu den waldtypischen Gefahren. Zwar ist die Gefahr aufgrund der aktuellen Trockenheit etwas erhöht, aufgrund der Rückmeldungen der Förster werden solche Astabbrüche jedoch nur vereinzelt beobachtet. Es handelt sich also aktuell nicht um ein weitverbreitetes Phänomen, bei dem grosser Handlungsbedarf besteht.» Er sagt aber auch: «Mit dem aktuellen Hitzesommer lassen sich in jüngerer Zeit etwa die Jahre 2018 und 2019 vergleichen, wobei die aktuelle Trockenheit und Hitze für den Wald viel schlimmer ist als damals.» Eine weitere Verschärfung der Situation ist aufgrund der Wetterprognosen nicht auszuschliessen. Ist es vorgesehen, dass der Kanton notfalls Massnahmen, wie Sperrungen von Waldwegen oder -gebieten anordnen kann? Alex Arnet relativiert: «Für die Sicherheit während des bestimmungsgemässen Gebrauchs einer Infrastruktur wie Waldstrassen und -wege ist grundsätzlich der Werkeigentümer, in der Regel der Waldeigentümer verantwortlich.» Und er stellt klar: «Primär dienen die Waldstrassen und -wege der Waldbewirtschaftung. Im Gegensatz zu stark befahrenen Kantonsstrassen können auf Waldstrassen keine allzu strengen Anforderungen bezüglich Sicherheit und regelmässiger Kontrollen gestellt werden.» Erst bei offensichtlichen Gefahrensituationen sei der Werkeigentümer zum Handeln verpflichtet. «Zum Beispiel, wenn ein Baum über eine Strasse hängt und die Gefahr besteht, dass er jederzeit umfallen könnte.»
Kurzfristige Sperrung möglich
Ist die Gefahr offensichtlich, sei jeder Revierförster befugt, Waldwege im Auftrag des Werkeigentümers für die Bevölkerung zu sperren. «Zur Wahrung der Sicherheit und nur so lange, bis die Gefahrensituation behoben ist», so Alex Arnet. «Dies kann zum Beispiel nach einem Sturmereignis der Fall sein oder während eines Holzschlages.»
Wie die Fricktaler Revierförster (vgl. Bericht auf Seite 1) weist auch der Leiter Sektion Waldbewirtschaftung des Kantons auf die Eigenverantwortung der Waldbenutzerinnen und -benutzer hin. Er sagt klar: «Es kann nicht erwartet werden, dass sämtliche Bäume entlang der Waldwege und schon gar nicht im Bestand auf potenziell herabfallende Äste kontrolliert werden.» Mit entsprechender Vorsicht und Achtsamkeit stehe einem Waldbesuch auf Waldwegen grundsätzlich nichts im Wege. «Man muss sich einfach der möglichen waldtypischen Gefahren bewusst sein.»
Auch wenn zurzeit keine Massnahmen oder kantonsweiten Sensibilisierungskampagnen geplant seien: «Die Abteilung Wald verfolgt die Entwicklung der Situation im Aargauer Wald mit Sorge und wir stellen vermehrt Bäume fest, die aufgrund der Hitze und des Wassermangels am Absterben sind.»


