Auf ins Sagimülitäli!

  08.07.2026 Fricktal

Tal und Umgebung trumpfen nicht mit einem grossen Highlight auf. Hier punktet eine Vielzahl von kleinen Schönheiten und Besonderheiten, die sich wie Perlen einer Kette aneinanderreihen.

Petra Schumacher

Die Geschichte des Sagimülitälis reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Grosses öffentliches Interesse erfuhr das Tal, als es um den Autobahnbau durch den Bözberg ging. Der politische Kampf ums Sagimülitäli zwischen den Bahnhöfen Effingen und Linn war hart und nicht frei von Emotionen. Doch am Ende gingen Natur und Naturfreunde als Sieger hervor. Der ursprünglich geplante Einstich in den Bözberg wurde von der Mitte des idyllischen Tals an dessen Anfang verlegt. Inzwischen wurde das Sagimülitäli als empfindlicher Landschafts- und regionaler Erholungsraum anerkannt.

Bruderhöhle
Als Einstieg ins Tal bieten sich der Bözberger Ortsteil Linn oder der Böztaler Ortsteil Effingen an. Wer gern eine Rundwanderung machen möchte, kann zwischen dem «Natur- und Kulturweg Linn» und dem «Bruderhöhle-Weg» wählen. Wir starten in Linn und wandern in Richtung Bruderhöhle. Zunächst beeindrucken die Magerwiesen mit ihrer Blumenvielfalt. Zudem sind Nuss- und Obstbäume sowie viele alte, abgestorbene Bäume zu sehen, die hier stehen gelassen werden. Diese Mischung aus Kultur- und Naturlandschaft ist es, die dem Tal seinen besonderen Charme verleiht. Geologisch kennzeichnet die Gegend den Übergang vom Tafel- zum Kettenjura.

Jüngere Wandernde können unterwegs schon mit der Geschichte der Bruderhöhle unterhalten werden. Denn es gibt verschiedenste Erzählungen, wer in diesen Höhlen einst gelebt haben soll: von Zwergen, Erdwiibli bis zu Einsiedlern. Zahlreiche Blumen säumen den Wegesrand, bevor man kurz vor Gallenkirch den lichten Föhrenwald mit den im Frühsommer blühenden Orchideen erreicht. Hier wäre mit einem Abzweig, ausgeschildert mit dem «Naturund Kulturweg Linn», ein Picknickplatz mit Feuerstelle erreichbar. Der Hunger lässt sich aber auch gut an der Bruderhöhle stillen. Oberhalb der Höhle gibt es eine Feuerstelle und direkt an der Höhle steht ein Grill mit Tischen, Bänken und Feuerholz. Die Bruderhöhle ist eine typische Karsthöhle, die sich im Kalkgestein gebildet hat. Dieses Gestein wurde vor über 140 Millionen Jahren im Jura-Meer abgelagert. Die rund zehn Meter lange Höhle ist frei zugänglich und lädt zum Entdecken der vielfarbigen Felsformationen ein.

Auf dem Weg zum Wasserfall
Ab der Bruderhöhle sind verschiedene Wege ins Sagimülitäli möglich. Der steile Abstieg durch den Wald sollte nur mit gutem Schuhwerk und von geübten Wanderern gewählt werden. Alternativ lässt es sich moderat über Effingen in Richtung Wasserfall laufen. Nach dem Dorf ist die besagte Autobahn zu sehen und zu hören, bevor sie im Tunnel verschwindet. Danach werden entlang des Weges die ersten Weiher sichtbar. Hier entstand im letzten Jahr ein wechselfeuchter Lebensraum, der ideal für gefährdete Pionierarten wie die Kreuzkröte, die Gelbbauchunke oder die Sumpf-Heidelibelle ist. Diese sind auf flache und nur temporär wasserführende Gewässer angewiesen. Deutlich hörbar wird nun das Plätschern des Wassers. Am Sagimülibach lässt es sich gut verweilen – besonders mit jüngeren Wanderern. Die Füsse können ins Wasser gestreckt werden und der Weg durch das Wasser weckt die Abenteuerlust. Etwas oberhalb fliessen die drei Bäche, der Linner Bach, der Gallenkircher Bach und das Bächli zusammen und stürzen vor der ereinigung jeweils über einen Wasserfall. Mit seinen fünfeinhalb Metern ist der Wasserfall des Linner Bachs der höchste im Kanton Aargau. In der trockenen Jahreszeit führt er allerdings oft nur wenig Wasser.

Die Linde von Linn
Kaum sind die Füsse getrocknet, lässt sich das nächste Abenteuer im nahegelegenen Steinbruch erleben. Hier können das Steinlabyrinth erkundet oder Mauereidechsen beim «Sünnele» beobachtet werden. Weiter geht es entlang von Wiesen und Weiden nach Linn. In dem kleinen Dorf mit einem «Ortsbild von nationaler Bedeutung» lassen sich liebevoll restaurierte alte Bauernhäuser mit grossen Gärten bestaunen. Am Ende der Rundwanderung wartet mit der mächtigen, 800-jährigen Linner Linde nochmals eine «Naturperle». Die Linde ist einer der ältesten Bäume der Schweiz und gilt als Kraftort. Im Schatten ihrer grossen Krone lässt es sich nochmals gut verweilen. Mit etwas Glück reicht dabei der Blick vom oberen Fricktal bis hin zur Alpenkette.


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