Auf den Spuren vom umweltfreundlichen Strom
28.07.2026 RheinfeldenBesucherführungen lassen uns die Wasserkraft erleben
«Elektrizität für alle» war das Lebensmotto des Maschinenbauingenieurs Emil Rathenau, der in Rheinfelden 1889 eines der ältesten Wasserkraftwerke Europas baute. Noch heute gibt es Spuren davon, die sich auf ...
Besucherführungen lassen uns die Wasserkraft erleben
«Elektrizität für alle» war das Lebensmotto des Maschinenbauingenieurs Emil Rathenau, der in Rheinfelden 1889 eines der ältesten Wasserkraftwerke Europas baute. Noch heute gibt es Spuren davon, die sich auf Führungen anschauen lassen.
Petra Schumacher
Ob wir schnell den Lichtschalter betätigen, das Ladekabel einstecken oder auf die Kaffeemaschine drücken: Für uns ist Strom ganz selbstverständlich und unverzichtbar. Dabei ist es noch nicht einmal hundert Jahre her, dass alle Haushalte ans öffentliche Stromnetz angeschlossen wurden. Strom wird heutzutage auf verschiedenste Arten erzeugt. Hier am Rhein steht die Wasserkraft im Mittelpunkt. Zwischen Schwaderloch und Rheinfelden befinden sich allein vier Kraftwerke. Manche zählen zu den historischen Bauten wie das Kraftwerk in Laufenburg, andere wurden erst kürzlich gebaut, wie das in Rheinfelden. In einigen dieser Werke erklären Besucherführungen wie genau aus Wasser Strom erzeugt wird.
Blick ins Kavernenkraftwerk
Kaverne bezeichnet eine künstlich angelegte Höhle. Bad Säckingen, gegenüber von Stein, besitzt das erste deutsche Kavernenkraftwerk. Aktuell wird es modernisiert und kann nicht besichtigt werden. Als Alternative bietet sich da das nahegelegene in Wehr (D) an. Vor 50 Jahren ist dieses Kavernenkraftwerk ans Netz gegangen. Es zählt zu den leistungsstärksten Wasserkraftwerken und kann innerhalb von Sekunden Spitzenstrom erzeugen. Modernste Maschinen bewegen darin gewaltige Wassermassen in einem geschlossenen und witterungsunabhängigen Kreislauf. Mit einer mittleren Jahreserzeugung von 1,16 Mrd. kWh können rechnerisch fast eine Million Menschen zwölf Monate lang mit Strom versorgt werden. Auch in Schweizer Netze wird von dort aus Strom eingespeist.
Peter Schöntaube, Besucherführer bei der Schluchseewerk AG, erklärt mit Hilfe einer grafisch gut aufbereiteten und sehr verständlichen Präsentation das Pumpspeicherkraftwerk. Und dann heisst es: Helm auf, Warnweste an und ab in den Berg. Nach der 1,3 km langen Fahrt tief unter die Erde kommt das erste Staunen. Für die bauliche Leistung von Tunnel und Kaverne mussten um die 175.000 Kubikmeter Granit und Gneis aus dem Berg gefräst werden. Für weiteres Staunen sorgen die Grössenordungen. Man muss nicht technisch versiert sein, um voller Respekt auf die riesigen Turbinen und Generatoren zu blicken. Das Vibrieren und die Turbinengeräusche dazu lassen erahnen, welche Kraft das Wasser hat.
Das Flusskraftwerk
Das neue Wasserkraftwerk Rheinfelden ist 2012 in Betrieb gegangen. Die Stromerzeugung wird hier hälftig zwischen Deutschland und der Schweiz aufgeteilt. Traditionelle Flusskraftwerke nutzen die Energie des Wassers, indem sie den Fluss aufstauen. Wasserturbinen sind der wichtigste Teil dieses Kraftwerks. Rheinfelden verfügt über vier doppelt regulierbare Rohrturbinen und eine Dotierturbine. Durchschnittlich fliessen hier eine Million Liter Wasser pro Sekunde durch das Kraftwerk.
Simon Kuner ist Tourguide bei der naturenergie hochrhein AG und führt Besucher durch das Kraftwerk. «Die Leute sind immer wieder fasziniert von den Dimensionen der Maschinen und davon, wie der Rhein so unmittelbar durch die Anlage rauscht.» Während einer zweistündigen Führung erklärt er wie das Kraftwerk funktioniert und was ein Gwild ist. Auch die Fischtreppe sowie das Maschinenhaus sind Teil der Führung. Zudem gibt es hier historische Führungen. Für sie schlüpft Simon Kuner, der auch ausgebildeter Schauspieler ist, in historische Gewänder und nimmt die Rolle von Emil Rathenau, dem Gründer der AEG und treibende Kraft beim Bau des alten Kraftwerks, ein. Zu Beginn der Führung werden die Gäste direkt als Industrievertreter der Elektrochemie und der Aluminiumindustrie begrüsst und in die Zeit um 1894 rückversetzt.
Rundweg mit Ausstellungspavillon «Kraftwerk 1898»
Vom Kraftwerk Rheinfelden aus kann man direkt am Rheinufer entlang zu Fuss oder mit dem Velo einen 5,6 km langen Rundweg, der über die alte Brücke in Rheinfelden führt, erkunden. Unterwegs gibt es zahlreiche Aussichtspunkte mit Infotafeln sowie den Pavillon «Kraftwerk 1898». Dieser befindet sich in der Nähe des Standorts des alten Wasserkraftwerks und lässt mit seiner interaktiven Ausstellung den Pioniergeist eines der ältesten Kraftwerke Europas lebendig werden. Jeweils an den Wochenenden kann der Pavillon selbstständig erkundet werden.
Führungen in beiden Kraftwerken dauern etwa 1,5 Stunden, sind kostenfrei, aber anmeldepflichtig. Termine, Details und Anmeldung im Internet. www.schluchseewerk.de/ besuchen-sie-uns/oeffentlichebesichtigungen www.naturenergie-holding.ch/ veranstaltungen





