«Andorra besteht aus rauf und runter»
14.07.2026 Brennpunkt, SportEr fährt mit dem Bike die härtesten Etappenrennen der Welt und hat schon manchen Triathlon bestritten. Vergangene Woche ist Tom Deiss aus Andorra zurückgekehrt, wo er sich gerade den Zugang zu einem erlauchten Kreis gesichert hat.
Simone Rufli
Im März hat Tom Deiss zusammen ...
Er fährt mit dem Bike die härtesten Etappenrennen der Welt und hat schon manchen Triathlon bestritten. Vergangene Woche ist Tom Deiss aus Andorra zurückgekehrt, wo er sich gerade den Zugang zu einem erlauchten Kreis gesichert hat.
Simone Rufli
Im März hat Tom Deiss zusammen mit seiner Fricktaler Rennpartnerin Michèle Mahrer in Südafrika zum dritten Mal am härtesten Mountainbike-Etappenrennen der Welt teilgenommen – und gelitten. Gemeinsam gestartet, trennten sich die Wege von «Oldie & Goldie» – so der Team-Name der beiden – zwei Etappen vor dem Ziel. Ihm, der das Cape Epic dreimal zu Ende gefahren ist, öffnete sich die Tür zum Amabubesi Finisher Club. Jetzt, nach dem vier Etappen umfassenden Cape Andorra, ist der Fricktaler auch eine Legende. «Cape Epic, Swiss Epic, Andorra Epic» – so steht es eingraviert auf der Medaille, die ihm umgehängt wurde, als er in La Massana die Ziellinie überfuhr. Drei zu Ende gefahrene Epic-Rennen in drei unterschiedlichen Ländern – damit ist Tom Deiss aufgenommen in den illustren Kreis der «Epic-Legenden»; ein wahrgewordener Traum, den er zielstrebig verfolgt hat.
Wobei Biken nicht die einzige Leidenschaft von Tom Deiss ist. Alle Ausdauer-Sachen mache er gerne. Triathlons (Schwimmen, Radfahren, Rennen) habe er schon viele bestritten, unter anderem den Swissman-Triathlon. Was macht er am liebsten? «Biken. Mit dem Bike komme ich weit und sehe am meisten.» Etwas sehen, etwas erleben – «darum geht es mir bei aller sportlicher Betätigung eben auch. Und um den Spass.» Denn ausser Ruhm und Ehre liegt für den Hobbysportler, der bei der Kantonspolizei Graubünden angestellt ist, nichts drin. «Es geht mir nie um eine bestimmte Zeit. Ob mit dem Bike oder zu Fuss, wenn ich unterwegs auf Menschen treffe, die ich kenne, halte ich gerne an, um mich kurz mit ihnen zu unterhalten.» Und so habe er letzte Woche zwar auch «beissen müssen» im bergigen Andorra, den Strapazen zum Trotz aber auch die top Organisation, die Stimmung und die wunderbare Landschaft geniessen können. Er lacht. «Ich habe festgestellt, Andorra besteht nur aus rauf oder runter.»
Nicht zum Lachen war ihm am Ende von Etappe zwei. Gestartet als Duo musste er seinen Teamkollegen Christian Probst auf der 2. Etappe bereits zurücklassen. «Er kam mit der Höhe nicht klar. Sein Magen rebellierte, er verlor alle Energie und musste das Rennen leider aufgeben.» Ein bitterer Moment, «für uns beide», so Deiss. Anders als der Fricktaler, der mittlerweile im Engadin lebt, arbeitet und trainiert, hatte Probst, der im Unterland zu Hause ist, keinen einzigen Tag Höhentraining absolvieren können. Als es dann gleich am ersten Tag mit der Gondel zum Start auf 1900 Meter hinauf ging, habe sich das Unheil bereits angebahnt. «Er war nicht der Einzige, der aufgeben musste», betont Deiss. Auf den letzten beiden Etappen hiess es deshalb: «Einer fährt, einer drückt die Daumen.»
Ist er müde? «Ja, ich bin müde, aber vor allem wegen der langen Heimreise. Wir sind unmittelbar nach meiner Ankunft im Ziel mit dem Auto losgefahren und wurden wegen eines Waldbrandes in Südfrankreich zu einem Umweg gezwungen. Erst um halb vier Uhr am Morgen waren wir wieder daheim.»
Und welche Herausforderung steht als nächstes an? Die Antwort kommt schnell, der Plan ist längst gefasst: «Am 29. August starte ich vermutlich in Scuol am Nationalpark-Bike-Marathon.» 141 Kilometer, 3848 Höhenmeter – «Ich kenne die Strecke bereits, sie ist schön», sagt Tom Deiss und lacht.

