Aluminium Rheinfelden meldet Insolvenz: 185 Arbeitsplätze müssen abgebaut werden
23.07.2026 RheinfeldenDie Alu Rheinfelden auf deutscher Seite hat beim zuständigen Amtsgericht aus wirtschaftlichen Gründen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahren gestellt. Die Alu-Produktion soll dauerhaft eingestellt werden. Über die Anträge entscheidet nun das Gericht.
Von der geplanten Einstellung der Aluminiumverarbeitung sind insgesamt rund 185 Beschäftigte betroffen. Zur Gruppe gehören die Aluminium Rheinfelden Alloys GmbH, die Aluminium Rheinfelden Semis GmbH und die Rheinfelden Carbon Products GmbH. Die Gruppe beschäftigt insgesamt rund 235 Mitarbeitende am Standort Rheinfelden (Baden). Insolvenz haben die beiden ersten Gesellschaften beantragt. Die Aluminium Rheinfelden Gruppe will sich künftig auf Rheinfelden Carbon Products konzentrieren. In diesem Bereich werden 50 Mitarbeiter weiterbeschäftigt. «Mit den Anträgen schaffen wir die Voraussetzungen für eine geordnete Neuausrichtung und wollen zugleich die wirtschaftlich tragfähigen Aktivitäten am Standort sichern», wird Matthias Ohlmer, Geschäftsführer der Aluminium Rheinfelden Gruppe, in der Mitteilung zitiert.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Ausschlaggebend für die Entscheidung seien die anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbeding ungen, stark gestiegene Energiepreise gepaart mit schwacher Nachfrage und der hohe internationale Wettbewerbsdruck. Unter diesen Bedingungen sei eine wirtschaftlich tragfähige Fortführung der Aluminiumverarbeitung nicht mehr möglich. Rheinfelden Carbon Products hingegen verfüge mit lang jähriger Technologie- und A nwendu ngskompeten z sow ie hochwertigen Produkten für die metallurgische Industrie über eine starke Marktposition.
Die Stadt Rheinfelden (Baden) bedauere diese Entwicklung für das Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Rheinfelden, heisst es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung. Insbesondere die Konsequenzen für die 185 Beschäftigten müssten sorgfältig mit dem Betriebsrat erörtert werden, um den Betroffenen eine Perspektive zu geben. «Die Hoffnungen ruhen jetzt auf einer erfolgreichen Umstrukturierung, damit der Industriestandort gehalten werden kann», betont Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in der städtischen Stellungnahme. «Die Menschen in Rheinfelden (Baden) haben für ihre «Alu» gelebt. Die jetzige Entwicklung ist ein tiefer Einschnitt für die Stadt Rheinfelden (Baden), der seine Ursachen allerdings in geopolitischen Entwicklungen hat, heisst es weiter.
Alu gehört zu russischem Konzern
Die «Alu» in Badisch-Rheinfelden ist eine Traditionsfirma. Das Unternehmen trug einiges zur wirtschaftlichen Entwicklung von Badisch-Rheinfelden bei. Die «Alu» wurde 1898 von der Schweizer Aluminium Industrie Aktiengesellschaft (AIAG, später Alusuisse) als erste Aluminiumhütte Deutschlands gegründet. Zehn Jahre nachdem die AIAG in Neuhausen am Rheinfall die erste Aluminiumhütte Europas in Betrieb genommen hatte, gingen in Rheinfelden zehn Elektrolyseöfen in Betrieb. Grund und Voraussetzung für die Ansiedlung dieser energieintensiven Industrie war der erst drei Jahre zuvor erfolgte Bau des ersten Flusskraftwerkes Europas in Rheinfelden, des hier zuvor praktisch unbebauten deutschen Hochrheinufers. Damit einher ging auch der rasante Zuzug vieler Arbeiter, der erst zur Entstehung und späteren Entwicklung der jungen Stadt Rheinfelden (Baden) führte. Seit dem Jahr 2021 ist die Alu Rheinfelden ein Teil des russischen Unternehmens UC RUSAL.
(WH)

