Als es in Wittnaus Stuben ratterte
24.03.2026 Frick, WittnauDie neuste Ausgabe des «Adlerauge» rückt die Posamenterei ins Zentrum
Die Heimposamenterei, sie war ein Segen für die arme Dorfbevölkerung von Wittnau. Passend zum Schwerpunktthema fand die Vernissage der neusten Dorfchronik am Donnerstagabend inmitten von ...
Die neuste Ausgabe des «Adlerauge» rückt die Posamenterei ins Zentrum
Die Heimposamenterei, sie war ein Segen für die arme Dorfbevölkerung von Wittnau. Passend zum Schwerpunktthema fand die Vernissage der neusten Dorfchronik am Donnerstagabend inmitten von Webstühlen im Müllerhof in Frick statt.
Simone Rufli
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ratterten in Wittnauer Wohnstuben um die 150 Webstühle. Da viele Familien von den Einkünften aus der Landwirtschaft nicht leben konnten, war die Bandweberei neben Stricken und Flechten eine willkommene Gelegenheit, zusätzliches Geld zu verdienen. So bedeutend der Wirtschaftszweig für die Dorfbevölkerung von Wittnau war, er beruhte auf einem Gesetzesbruch, wie in der neusten Ausgabe der Wittnauer Dorfchronik «Adlerauge» zu lesen ist. Der Basler Emanuel Hoffmann schmuggelte 1667 nämlich eine Bändelmühle aus Holland via spanische Niederlande und Frankreich nach Basel. Ein äusserst riskanter Vorgang, war doch die Ausfuhr dieser mehrgängigen Bandwebstühle zum Schutz der holländischen Produktion strengstens verboten.
Emanuel Hoffmann legte damit den Grundstein jener Industrie, die für die nächsten Jahrhunderte Basels Wohlstand begründen sollte. Da auch Basel sein Gewerbe schützte, dauerte es weitere Jahre, bis auch das ländliche Umfeld von diesem Wirtschaftszweig profitieren konnte. Das geschah erst 1798 mit dem Einmarsch Napoleons und dem Ende der Alten Eidgenossenschaft. Nach 1800 nahm die Heimposamenterei dann aber auch im ländlichen Umfeld Fahrt auf und prägte Wittnaus Geschichte in der Folge während vieler Jahrzehnte.
Wie die Webstühle damals funktionierten und wie das Verlagssystem mit Unternehmer, Posamenter, Visiteur und Bote aufgebaut war oder auch, woran man Posamenterhäuser erkennt – das alles erfährt man im «Adlerauge» in Wort und vielen Bildern.
Fortsetzung folgt
Weil die Posamenterei für die Gemeinde Wittnau so wichtig ist und das Quellenmaterial dazu so reichhaltig, werden Peter Liechti und Christoph Benz in der nächsten Ausgabe der Dorfchronik auf das Thema zurückkommen, so viel steht jetzt schon fest. Peter Liechti selber hat bis zu seinem neunten Lebensjahr den Posamenterstuhl von Grossmutter Pauline Brogle-Gubler in Betrieb erlebt. Damals, als er das Leerlaufen der «Fadenspüeli» im Schiffchen überwachte, habe er nicht geahnt, «dass mich das Bandweben mein ganzes Berufsleben begleiten würde». Eindrücklich waren auch die Schilderungen von Posamenterin Hilda Husner, die alle zwei Wochen zu Fuss von Wittnau nach Aarau wanderte und dort ihre Webware ablieferte. Festgehalten einst in der Hauszeitung des Alterszentrums Bruggbach Frick, vorgetragen von Werner Fasolin. Er hat den Bericht erst kürzlich in seinem Haus in Gipf-Oberfrick entdeckt.
Römischer Hof und Handy-Verbot
Über 60 Jahre Druckerei Brogle, ein römischer Gutshof, die neue Grillstelle beim Fazedellen-Kreuz sind weitere Themen aus dem 66 Seiten umfassenden Werk. Nicht zu vergessen Kirchenjahr und Vereinsleben oder der Bericht einer Jugendreporterin über das Handy-Verbot an den Schulen. Und in der Rubrik «Dafür brenne ich» geht Daniela Stäuble der Frage nach, warum an der Hauptstrasse 21 jeweils Fahnen aus England, Grossbritannien oder dem Commonwealth wehen.
Die Vernissage wurde erstmals über den Kreis der an der Dorfchronik beteiligten, geöffnet und war mit rund 40 Personen sehr gut besucht. Und dass pensionierte Mitarbeiter der Firma Müller die Webstühle vergangener Zeiten vorführen konnten, brachte das Schwerpunktthema noch näher.
Herausgegeben wird die Dorfchronik von der Arbeitsgruppe «Adlerauge» mit Stefanie Beck, Christoph Benz, Jacqueline Brogli-Herzog, Gertrud Häseli-Stadler, Peter Liechti, Monika Müller-Böller, Tommy Müller, Daniela Stäuble-Busetto, Petra Tannast-Brogle und Heidi Tschudi-Burkart. Verkaufsstellen: Volg-Laden und Landgasthof Krone Wittnau


