«Alles, was ich tat, habe ich gerne gemacht»
08.03.2026 Persönlich«Ich glaube, ich darf sagen, ich habe nicht nichts gemacht», sagt Hans Jörg Huber ganz am Ende des Gesprächs. Mit 80 will er es jetzt ruhiger nehmen. Mit der NFZ blickt er auf ein engagiertes Leben zurück.
Simone Rufli
«Die Schreinerei stand zu ...
«Ich glaube, ich darf sagen, ich habe nicht nichts gemacht», sagt Hans Jörg Huber ganz am Ende des Gesprächs. Mit 80 will er es jetzt ruhiger nehmen. Mit der NFZ blickt er auf ein engagiertes Leben zurück.
Simone Rufli
«Die Schreinerei stand zu Beginn in der Zwidellen, dort wo heute der Parkplatz der Gemeinde ist.» Hans Jörg Huber blickt zum Wohnzimmerfenster am Frickberg hinaus und hinunter ins Tal. «Mein Vater hat dort Möbel für Möbelhäuser angefertigt.» Eine Zeitlang ging das gut, dann begann die wachsende Konkurrenz unter den immer zahlreicheren Möbelhäusern auf den Preis zu drücken. «Der Druck, den Betrieb neu auszurichten, stieg. Mitte der 1980er-Jahre nahmen wir eine Neuausrichtung vor mit Schwerpunkt Innenausbau. Der Zeitpunkt war gekommen, den Standort zu wechseln», so Hans Jörg Huber. Das 33 Aren umfassende Grundstück wurde an die Jakob Müller AG verkauft. Die Schreinerei Huber zog aus Frick weg und liess sich in Gipf-Oberfrick nieder, rechts am Dorfausgang in Fahrtrichtung Wittnau. Hans Jörg Huber schmunzelt. «Das Areal dort haben wir in einer Nacht- und Nebelaktion gekauft zusammen mit Brogle Druck und Schmutz Metallbau.» Das war im Jahr 1991.
Weil es der Vater wollte
Hans Jörg Huber wurde anno 1945 geboren und wuchs zusammen mit sechs Geschwistern in Frick auf. Im Alter von zehn Jahren wurde er in die Jungwacht aufgenommen. «Als Führer der Jungwacht war es verboten, dem Turnverein beizutreten.» Warum? «Weil es Pfarrer Walter Spuhler so sagte.» Er lächelt verschmitzt. «1962 trat ich dem TV dann trotzdem bei.» Nach der Schule trat er wie die meisten katholischen Jungs damals der Jungmannschaft bei, deren Präfekt er anno 1968 wurde. «Im September 1969 organisierte ich eine dreitägige Reise nach Rom. Wir flogen mit einer DC-9. Für die meisten war es der erste Flug überhaupt.»
Schreiner zu werden sei in jungen Jahren nicht sein Ziel gewesen. «Ich habe den Beruf gelernt, weil es der Vater so wollte. Nach der Schule ging ich ins Welschland und besuchte das Kollegium in Martigny, mit dem Ziel, richtig französisch zu lernen. Als ich für die Sommerferien heim ins Fricktal kam, teilte mir mein Vater mit, dass er für mich in Möhlin eine Lehrstelle als Schreiner gefunden habe. Nach Martigny zurück durfte ich nicht mehr.» Dabei habe ihn das Kaufmännische immer mehr interessiert als der Beruf des Schreiners. Zu gerne hätte er auch bei den SBB gearbeitet. «Die Eisenbahn faszinierte mich von klein auf.» Dass er diesen Berufswunsch begraben musste, um dereinst den Betrieb des Vaters weiterzuführen, «daran hatte ich lange zu ‹kätschen›».
Einmal Tessin, immer Tessin
Einmal den hölzernen Weg eingeschlagen, machte er das Beste daraus. Im Jahr 1964 schloss er die Lehre ab. Im Jahr darauf rückte er bei den Grenadieren in Losone im Tessin in die Rekrutenschule ein. «Es war das erste Mal überhaupt, dass ich im Tessin war.» Und es sollte nicht das letzte Mal sein. Das Tessin gefiel ihm, liess ihn nicht mehr los. Nach der Unteroffiziersschule suchte er sich eine Stelle in der Sonnenstube – und lernte dort auch seine Frau kennen. Sie arbeitete zur selben Zeit als Hotelsekretärin in Ascona. «Wäre die Schreinerei im Fricktal nicht gewesen, wir wären zusammen im Tessin geblieben.»
Aufs Tessin verzichtet haben Hans Jörg und Erica Huber gleichwohl nicht. Ihre Ferien verbrachten und verbringen sie immer dort – seit einigen Jahren im eigenen Haus in Brione. Und zum Beruf meint er rückblickend: «Ich habe mich recht schnell mit dem Berufsstand der Schreiner identifiziert, bin bis heute aber froh, dass ich während drei Jahren berufsbegleitend die Handelsschule besucht und abgeschlossen habe. Schreiner und Kaufmann, für mich war das am Ende die perfekte Kombination.»
Die Frage, wer die Schreinerei weiterführt, konnte im Jahr 2010 beantwortet werden. «Der jüngere Sohn Manuel übernahm den Betrieb in dritter Generation. Für uns wunderschön, dass es in der Familie weitergeht.»
Feuerwehr, Sport …
Neben Schreinerei und Familienleben – Hubers haben zwei Söhne und zwei Töchter und inzwischen eine stattliche Anzahl Enkelkinder – fand Hans Jörg Huber immer Zeit für weitere Verpflichtungen. «In der katholischen Kirchgemeinde Frick-Gipf-Oberfrick wurde ich 1978 in die Finanzkommission gewählt. 16 Jahre engagierte ich mich hier, davon 6 Jahre als Präsident, als Nachfolger von Toni Rüetschi.» Auch in verschiedenen Baukommissionen war Hans Jörg Huber zu finden (Kirchgemeindehaus Rampart, Aussenrenovation Kirche Frick).
Und dann die Feuerwehr, in die er 1964 eintrat und der er 28 Jahre lang treu blieb; 11 Jahre davon als Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Frick. An das Zugunglück in Eiken, am 14. November 1984, erinnert er sich, als ob es gestern gewesen wäre. «Ein Güterzug mit 23 Wagen entgleiste, 15 davon wurden das Bord hinuntergeschleudert, die Lokomotive lag in einem Garten. Der Lokführer, im Führerstand eingeklemmt, konnte erst nach zwei Stunden befreit werden.» Den grössten Einsatz leitete er im Januar 1991 beim Eisenbahnunglück von Stein-Säckingen. Wegen einem Rad-Scheibenbruch war ein Güterzug mit Benzinwagen entgleist. Insgesamt standen über 1000 Personen im Einsatz.
Auch Sport sei ihm immer wichtig gewesen. Huber spielte Handball, «mangels Halle zu Beginn auf dem Rasen vor der Primarschule, wo wir die Linien jedes Mal mit Gips frisch auftragen mussten». Später spielten sie in Baden in der Halle Aue. «Im Handball-Regionalverband Baden engagierte ich mich während 15 Jahren im Vorstand als Sekretär. Während dieser Zeit war ich auch als Schiedsrichter im Einsatz und leitete unzählige Handballspiele.»
Auch Präsident der Ferienlagerkommission war er einst und leitete total 21 Skilager in Samedan. Wurden die Lager ursprünglich von Lehrpersonen geleitet, sprang 1975 der Turnverein ein. «Die Lehrer waren nicht mehr bereit, das Lager zu leiten, nachdem die Gemeindeversammlung die Ortszulagen abgelehnt hatte.» Zwei Lager im Oberengadin sind ihm ganz besonders in Erinnerung geblieben: «Das eine Mal blieb die Gondelbahn Celerina-Marguns stehen und die Jugendlichen mussten mit dem Helikopter aus den Vierer-Kabinen evakuiert werden. Ein andermal fielen Kleinbusse aus und wir wurden von Chauffeuren in schwarzen Limousinen von Samedan nach Celerina transportiert.»
… und Gesang
Neben Sport war ihm auch Gesang wichtig. 2024 wurde er geehrt für 30 Jahre Mitgliedschaft im Kirchenchor St. Peter und Paul. Während vielen Jahren war er auch hier im Vorstand als Kassier tätig. 2003 wurde Hans Jörg Huber Präsident des Männerchors Frick, dem er seit 1987 angehört. «Präsident ohne Vorwarnung», wie er betont. «Ich wurde zu einem Treffen eingeladen und man liess mich erst gehen, als ich das Amt übernommen hatte.» Er lacht. Auch diesen Hut zog er sich an, führte die Chorschule ein und den Männerchor im 2008 zum ersten Mal an ein schweizerisches Gesangsfest. Nicht nur im Männerchor, auch im Vorstand des Verschönerungsvereins und im Kiwanis Club Frick ist er bis heute Mitglied. Huber verschwindet und kehrt mit einem Foto-Buch zurück. Zur 25 Jahr-Feier des Kiwanis Club Frick hatte er als Überraschung eine Reise mit dem Roten Pfeil «Churchill» organisiert.
Draussen auf der Terrasse vor der grossen Eiche in seinem Garten meint er mit einem zufriedenen Lächeln: «Ich glaube, ich darf sagen, ich habe nicht nichts gemacht. Und alles, was ich getan habe, habe ich gerne gemacht. Dabei hat mich meine liebe Frau Erica immer unterstützt und mir den Rücken freigehalten. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.» Nach überstandenen gesundheitlichen Problemen wolle er es jetzt ruhiger angehen lassen.

