Aargauer Sozialpreis geht ins Fricktal
20.10.2026 AargauFünf besonders eindrückliche Projekte wurden mit dem Sozialpreis von benevol Aargau und von den drei Aargauer Landeskirchen ausgezeichnet. Der erste Preis ging an «Ankerplatz Demenz Fricktal».
Manchmal braucht es jemanden, der einfach zuhört. Jemanden, der geduldig erklärt, wie das Smartphone funktioniert. Oder Menschen, die dafür sorgen, dass trotz einer Demenzerkrankung Lebensfreude und Gemeinschaft Platz haben. Hinter solchen oft unscheinbaren Momenten stehen engagierte Freiwillige. Mit dem Sozialpreis würdigen benevol Aargau und die drei Aargauer Landeskirchen seit 22 Jahren Menschen, die ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Herzblut für andere einsetzen. Zur 10. Durchführung bewarben sich 43 Projekte aus dem ganzen Kanton. Wie schon bei der letzten Austragung 2024 mit 47 Projekten zeigt auch diese Zahl eindrücklich, wie weitverbreitet und vielfältig freiwilliges soziales Engagement im Aargau ist. Die Bevölkerung konnte online mitbestimmen: Ihre Stimmen zählten zu einem Drittel, das Urteil der Jury zu zwei Dritteln. Die ausgezeichneten Projekte stehen stellvertretend für viele Menschen im Aargau, die nicht wegschauen, sondern anpacken – und damit ein Vorbild für andere sind.
Siegerprojekt Ankerplatz Demenz
Beim Projekt «Ankerplatz Demenz Fricktal» des Vereins «teilhaben» zählt nicht zuerst die Diagnose, sondern der Mensch mit seinen Wünschen, Fähigkeiten und seiner Freude am Leben. Jeden Mittwoch schenken Freiwillige jung an Demenz erkrankten Menschen ihre Zeit, begleiten sie mit Einfühlungsvermögen und Humor und schaffen einen Ort, an dem sie sich angenommen fühlen und selbstbestimmt teilhaben können. Ein Ankerplatz, an dem die Jungbetroffenen ihren Tag gemeinsam gestalten, an dem sowohl Leichtigkeit herrscht wie auch Raum für tiefe Gespräche geschaffen wird. Als Pilotprojekt 2025 gestartet, wurden bereits über 2500 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Für dieses aussergewöhnlich menschliche Engagement erhielt das Projekt den ersten Preis, der mit 5000 Franken dotiert ist.
Was für viele selbstverständlich ist, kann andere vor grosse Hürden stellen: eine Nachricht verschicken, ein Online-Formular ausfüllen oder das Smartphone bedienen. In der «Computeria Wohlen» nehmen sich Freiwillige Zeit, hören zu und erklären geduldig – ohne Zeitdruck und auf Augenhöhe. So geben sie Menschen mit geringen digitalen Kenntnissen oder begrenzten finanziellen Mitteln ein Stück Selbstständigkeit und Sicherheit zurück. Sie lernen, das Halbtax-Abonnement auf das Smartphone zu laden, die Steuererklärung online auszufüllen oder die Multifaktor-Authentifizierung einzurichten. Das Projekt des Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes Wohlen und Umgebung der Caritas Aargau wurde mit dem zweiten Preis und 3500 Franken ausgezeichnet.
Gemeinsam singen, über sich hinauswachsen und erleben, was möglich wird, wenn alle ihren Teil beitragen: Der «Jugendchor Seetal» ist weit mehr als ein Chor. Junge Menschen finden hier einen Ort, an dem ihre Ideen und Talente Platz haben und aus vielen Einzelnen eine Gemeinschaft entsteht. Mit Gesang, Tanz, Theater, Bühnentechnik und Liveband bringen sie unter professioneller Leitung eindrückliche Aufführungen auf die Bühne. Hinter diesem Erlebnis steht das grosse Engagement der vielen Freiwilligen im Förderverein Jugendchor Seetal, die über 3000 Stunden dafür einsetzen. Dafür erhält das Projekt den dritten Preis und 2500 Franken.
Die Feier im Saal der Katholischen Kirche in Lenzburg rückte die Menschen in den Mittelpunkt, die sich mit Ausdauer, Kreativität und Mitgefühl für andere einsetzen. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der nominierten Projekte, der Jury und der Trägerorganisationen würdigten die ausgezeichneten Initiativen. Insgesamt wurden Preisgelder von 13’000 Franken vergeben. Was die Freiwilligen darüber hinaus an Engagement investieren und den Menschen Zeit schenken, lässt sich nicht in Franken messen: Zugehörigkeit, Zuversicht und das gute Gefühl, nicht allein zu sein. (nfz)

