Cape Epic ist das härteste Mountainbike-Rennen der Welt und ohne täglich zu leiden, kommt niemand ins Ziel. Doch wen es einmal gepackt hat, den lässt es so schnell nicht mehr los, sagt Tom Deiss. Am Sonntag geht er mit Michèle Mahrer zum dritten Mal an den Start.
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Cape Epic ist das härteste Mountainbike-Rennen der Welt und ohne täglich zu leiden, kommt niemand ins Ziel. Doch wen es einmal gepackt hat, den lässt es so schnell nicht mehr los, sagt Tom Deiss. Am Sonntag geht er mit Michèle Mahrer zum dritten Mal an den Start.
Simone Rufli
«Womit lässt sich das nun toppen?» titelte die NFZ im Oktober 2021, als Michèle Mahrer, aufgewachsen in Möhlin, und Tom Deiss aus Frick, gerade vom härtesten Mountainbike-Etappenrennen der Welt in Südafrika, dem Cape Epic, heimgekehrt waren. 611 Kilometer und 15 500 Höhenmeter hatten «Oldie» Deiss und «Goldie» Mahrer – er damals 48, Rennpartnerin Mahrer 33 Jahre alt – in acht Tagen zurückgelegt und am Ende allen Strapazen zum Trotz festgestellt: «Etwas Grösseres als dieses Mountainbike-Rennen gibt es nicht.»
Viereinhalb Jahre und eine zweite Teilnahme im Jahr 2024 später, lässt sich die Frage nach dem Toppen beantworten: toppen lässt sich das mit der dritten Teilnahme. «Ja, das ist schon ‘es bitzeli’ unglaublich», schrieb Tom Deiss, als die NFZ vor ein paar Tagen per WhatsApp Kontakt zu ihm aufnahm – und liess umgehend einen Smiley mit sternenfunkelnden Augen folgen. «Es gebe auch einen guten Grund, weshalb sie sich das wieder antäten, liess er später am Telefon aus Südafrika verlauten: «Der Zutritt zum Amabubesi-Finisher-Club. Diesen Wunsch können wir uns nur über eine dritte Teilnahme erfüllen.» Als Gegenleistung für einen der begehrten und jeweils schnell ausverkauften Startplätze unterstützen Mahrer und Deiss in diesem Jahr «Pedal Project», wo benachteiligten schwarzen Kindern das Velofahren beigebracht wird (Infos unter www.pedalforgood.com/).
Mit Partnern angereist
Das dritte Mal sei noch aus einem anderen Grund speziell. «Wir sind das erste Mal mit unseren Partnern angereist. Michèles Partner startet in einem Zweier-Team, meine Partnerin engagiert sich als Volunteer. Wir werden uns also jeweils am Ende einer Etappe alle zusammen in der Zeltstadt treffen.» Angereist ist Deiss diesmal aus dem Engadin, wo der Fricktaler seit eineinhalb Jahren lebt. Vom Winter in die Hitze von Südafrika? «Ich gebe zu, die Vorbereitung war diesmal nicht ganz einfach. Wobei auch Michèle im Aargau nicht ideale Trainingsbedingungen vorfand.» Eigentlich wollten sie am 8. März, als gemeinsames Training, zusammen mit 30 000 anderen noch an der 48. Cape Town Cycle Tour in Kapstadt teilnehmen. «110 Kilometer, nicht so anstrengend, alles auf Teer-Strassen. Aber wir haben wegen der grossen Hitze dann doch darauf verzichtet.»
«Einfach gut ankommen»
Am Sonntag geht es nun los mit dem Prolog in Stellenbosch und dann acht Tage immer weiter, 707 Kilometer, 15 900 Höhenmeter. «Wir haben keinen Rang vor Augen, wollen es geniessen und einfach gut im Ziel ankommen», so Deiss. Etappe Nummer 5 werde die härteste. «134 Kilometer, verbunden mit 2750 Höhenmetern. Dazu Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad oder mehr.» Es gebe Schlimmeres als die Aussicht auf eine strapaziöse Woche, meinte der 53-Jährige dann lachend. «Die Erinnerung an den Freitag, 13. März 2020, zum Beispiel.» Genau heute vor sechs Jahren erfuhren «Oldie & Goldie», so ihr Team-Name, nur Stunden vor dem geplanten Start von der coronabedingten Absage des Rennens.