«Wir wollen das Rennen gewinnen»
02.06.2026 Rheinfelden
Zusammen mit drei Freunden startet der Ueker Simon Rohrer im Dezember 2027 zum härtesten Ruderrennen der Welt. 4800 Kilometer in einem 8,5 Meter langen Hochseeruderboot quer über den Atlantik.
In Herznach stellte das Team «Diamond Row» am Donnerstagabend Projekt ...
Zusammen mit drei Freunden startet der Ueker Simon Rohrer im Dezember 2027 zum härtesten Ruderrennen der Welt. 4800 Kilometer in einem 8,5 Meter langen Hochseeruderboot quer über den Atlantik.
In Herznach stellte das Team «Diamond Row» am Donnerstagabend Projekt und Boot vor.
Simone Rufli
Wenn Simon Rohrer, Mauro Sisera, Juan Hausherr und Ananta Schorer am 12. Dezember 2027 zusammen mit 35 weiteren Teams in La Gomera in den Kanaren in See stechen, liegen drei Jahre intensiver Vorbereitung hinter ihnen. Vor ihnen, jenseits des Atlantiks, in 4800 Kilometer Entfernung, der Hafen der Karibik-Insel Antigua: Rund 30 Tage werden sie Wind und Wetter ausgesetzt sein, auf dem Weg 15 Kilo Körpergewicht verlieren, 1 500 000 Ruderschläge machen, umgeben von Wellenbergen, die im besten Fall nicht höher sind als sieben Meter. Kein Motor, keine Segel, nur mit Muskel- und Willenskraft. Nach wenigen Tagen wird kein anderes Boot mehr in der Nähe sein, das Feld sich über hunderte Kilometer auseinanderziehen. Sollten sie Hilfe benötigen, kann es zwei bis vier Tage dauern, bis diese eintrifft. So geht «World’s Toughest Row» seit 1997.
Zu 95 Prozent Kopfsache
Kennengelernt hat sich das Quartett im Alter zwischen 26 und 32 Jahren vor zwei Jahren. Zusammengeschweisst wurden sie durch den Militärdienst in Isone. Gerudert ist zuvor keiner. Dank Dieter Widmer vom Seeclub Stäfa beherrschen sie die Technik inzwischen. Rudern mache vielleicht 5 Prozent aus auf dem Weg ins Ziel, 95 Prozent passiere im Kopf. Das konnte sich vorstellen, wer am Donnerstagabend im Gemeindesaal von Herznach zuhörte. Dort war das Team auf Einladung des Gewerbevereins Staffeleggtal. «Auch wir Unternehmer sitzen zusammen im gleichen Boot», meinte dessen Präsident Roland Obrist und Steinstösser Simon Hunziker moderierte den Event.
Zwei Stunden rudern, zwei Stunden in der engen Koje schlafen; 30 Tage lang, 24 Stunden, ohne Unterbruch. Der Körper werde den Ablauf verinnerlichen, sagten Rohrer und seine Freunde. Aber auch das: «Nach 72 Stunden in diesem Rhythmus auf dem Zürichseee waren wir froh, wieder an Land zu sein.» Essen (fetthaltige Gels, Trockenfutter, Riegel), Trinken (per Filteranlage entsalztes Meerwasser), Notdurft verrichten, immer Salz auf der Haut, Seekrankheit, Verdauungsprobleme, das richtige Verhalten, wenn sich das Boot im Wasser dreht und dank der Bauweise wieder aufrichtet, es bleibe noch viel, woran sie sich gewöhnen müssten. Gegen 10 000 Kalorien wird jeder von ihnen pro Tag verbrennen, 9 Liter Wasser trinken. Beim Start wird jeder mehrere Kilo Muskelmasse zugelegt und Fettreserven angelegt haben. Das 8,5 Meter lange Boot mit Ausrüstung und Proviant wird zwei Tonnen schwer sein. Leer wiegt es – vorwiegend aus Karbon – 320 Kilo. Am Donnerstag konnte man es anfassen. Vieles andere blieb unfassbar.
370 000 Franken werden benötigt
Das Projekt verlangt dem Team körperlich alles ab und es kostet viel Geld. Das Boot: 100 000 Franken. Verpf legung für 40 Tage: 25 000 Franken. Startgebühr: 25 000 Franken. Verschiffung des gesamten Materials: 30 000 Franken. Versicher u ngen, Spezia lausbi ldu ngen, Ruder-Trainer, Ernährungsberaterin, Mental-Coach, Wetter-Experte – das Team wird während der Überfahrt alle sechs Stunden per Funk auf dem Laufenden gehalten. Geld kosten auch die Reisen, zwei bis drei Meeresausfahrten auf dem Mittelmeer sind Pf licht. Alles in allem werden 370 000 Franken benötigt. Wer «Diamond Row» finanziell unterstützt, erhält einen Gegenwert, so wie die Spender-Firmen aus dem Staffeleggtal. Bleibt am Ende Geld übrig, fliesst es in zwei Wasser-Projekte: Aqua Viva setzt sich seit über 60 Jahren für lebendige Gewässer in der Schweiz ein, die Lifeplus Foundation ermöglicht Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu sauberem Trinkwasser.
«Wir wollen nicht nur mitmachen und gesund am Ziel ankommen. Wir wollen das Rennen gewinnen», betonte Simon Rohrer. Das Boot hat das bereits geschafft, es hat kürzlich mit dem Team Swiss Raw den Pazifik in einer neuen Weltrekord-Zeit durchquert.
Alle Infos zu Team, Projekt, Unterstützungsmöglichkeiten und Gegenleistungen auf der Webseite www.diamondrow.ch



