PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
04.09.2026 FrickStühle-Gefühle
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Einer gilt als plump und unförmig, ein anderer als künstlerisch wertvoll. Oder er ist einfach nur zum ...
Stühle-Gefühle
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Einer gilt als plump und unförmig, ein anderer als künstlerisch wertvoll. Oder er ist einfach nur zum Sitzen gedacht. Jedenfalls ist der Stuhl das Möbelstück der Stunde.
Peter Schmid*
Neulich erschien im Internetmagazin «Republik» ein wirklich lesenswerter Beitrag zu einem Möbelstück, das einerseits sehr verbreitet ist und andererseits für seine Hässlichkeit kritisiert wird: Es geht um den Monobloc. Dieser billige Gartenstuhl aus Plastik, angeblich in einem Guss in rund einer Minute gefertigt, scheint ein nicht wegzudenkendes Kulturgut zu sein.
Und so ein Ding habe ich in zweifelhafter Erinnerung. Wir sassen in einem Restaurant in der Marktgasse und assen Pizza. Oder – wie in meinem Fall – wollten essen. Das war tatsächlich nicht ohne Weiteres möglich. Auf meinem Schoss sass unser Sohn, damals im Buschi-Alter. Sie kennen es vielleicht aus eigener Erfahrung: Wie schwierig es ist, einen Happen Aufgegabeltes am Buschiköpfchen vorbei – in den eigenen oder in den kindlichen Mund zu führen. Während gleichzeitig zwei Patschhändchen nach allem greifen, was gerade greifbar ist. Akrobatik ist angesagt. Doch die kam erst noch. Um die Reichweite zum Teller leicht zu vergrössern, rutschte ich mit dem Stuhl mit einem Ruck nach hinten. Doch das Möbelstück verfing sich in den Pflastersteinen der Gasse. Die hinteren Beine blieben am Ort, während der Rest des Stuhles samt Vater mit Kind im Zeitlupentempo sich nach hinten neigten. Der Monobloc klappte also einfach zusammen, bis ich auf dem Rücken liegend, das Kind weit nach oben gestreckt, den Boden erreichte. Übrigens zur Freude des Sohnes, der jetzt lustige Quieklaute von sich gab. Das Schauspiel sorgte für Heiterkeit, da zum Glück nichts passierte. Oder fast nichts. Denn der Plastikstuhl war hin und musste hernach entsorgt werden.
Und wenn wir schon beim Thema Sitzgelegenheiten sind: Haben Sie sich die Stühle-Ausstellung in der Laufenburger Altstadt schon angeschaut? (Die NFZ berichtete). Im Vergleich zur Produktion der Monobloc-Plastik-Massenware dürfte die künstlerische Gestaltung der diversen Stühle ein Mehrfaches an Zeit und Aufwand gekostet haben. Und was ich da neulich früh an einem Sonntagmorgen alles zu sehen bekam, wirkte erheiternd bis irritierend. Dutzende Stühle stehen (noch bis 15. September) in den Gassen und Schaufenstern herum. Aber nicht einfach behübscht und ein wenig verziert. Manche treten in den Dialog mit dem Betrachter und mit den übrigen anwesenden Stühlen. Zu ihrer Ausstrahlung gehören offensichtlich mannigfaltige menschliche Eigenschaften und Gefühlslagen. So scheinen zwei irgendwie zusammengewachsene Stühle im Flowerpowerglück zu schweben, während schräg gegenüber ein Bänklein, das sich selbst als Happy Couple bezeichnet, in seiner Grimmigkeit eher auf den Scheidungsanwalt zu warten scheint. Manche provo- zieren fast auf absurde Weise, etwa, wenn alles am Stuhl wirklich bunt geblümt und bemalt daherkommt. Aber leider ohne Sitzfläche. Haha, setzt dich doch selber. Einigen scheint es an Anstand zu fehlen, geben sie doch derbe Sprüche von sich und beschweren sich über jenes Körperteil, das in der Regel auf ihm sitzt, wenn es nicht gerade – siehe weiter vorne – von ihm stürzt. Das Irritierendste an diesem Sonntagmorgen ist jedoch die Tatsache, dass zwar Stühle da sind, aber niemand, der auf ihnen Platz nähme. So wirkt die menschenleere Altstadt fast surreal. Alles scheint zu warten. Nur: worauf eigentlich? Oder auf wen genau? Es liegt wohl an der frühen Tageszeit. Die Laufenburgerinnen und Laufenburger scheinen im Moment anderen Möbelstücken zugeneigter zu sein. Wer weiss, vielleicht denkt sich das Tourismusbüro für nächstes Jahr eine Bettausstellung aus. Nach dem Eindunkeln wird sich dem Betrachter dann das Bild von sich gegenseitig eine gute Nacht wünschenden Nachbarn bieten, die sich in die quer über die Gassen verteilten, hoffentlich bequemen Betten legen. Die eine oder andere vorgelesene Geschichte vor dem Einschlafen wird somit etwas mehr Zuhörer finden. Und die vermaledeiten Schnarcher werden später, starkem Gruppendruck ausgesetzt, ins Pfefferland gewünscht.
Schlafen und Schnarchen als Zukunftsperspektive. Bleiben wir noch kurz bei den Stühlen: Denn heute Abend ist es in der Rheinfelder Altstadt wieder so weit, dass nach dem Einnachten lange keine Ruhe einkehrt. Die Marktgasse rauf und runter stehen zahlreiche Sitzgelegenheiten bereit. Ob die zum Einsatz gelangenden Möbelstücke aus dem Designerladen stammen oder aus einer billigen Serienproduktion, ist wohl nicht von Bedeutung. Hauptsache, sie bleiben nicht unbenutzt. Stattdessen wird bis weit in die Nacht gelacht, gegessen, getrunken, geschwafelt oder philosophiert. Passen Sie jedoch auf, wenn Sie sich auf einem Monobloc-Plastikding niederlassen. Vorsichtig zurückrutschen, wenn Sie auf Distanz gehen müssen. Falls das Manöver gleich verläuft, wie ich es erlebte, werden Sie immerhin garantiert für Unterhaltung sorgen.
Die heutigen Wettbewerbsfragen
1. Wie heisst der heutige Anlass, bei dem in der Rheinfelder Altstadt eine lange Reihe von Tischen und Stühlen aufgestellt wird?
a) Usestuehlete
b) Tischlein deck dich
c) Abhocke und ässe
2. Wie heisst die noch bis 15. September dauernde Ausstellung in Laufenburg?
a) Zwischen Stuhl und Bank
b) Monobloc and more
c) Stühle verrückt
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben oder mailen Sie uns die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
NEUE FRICKTALER ZEITUNG
Baslerstrasse 10
4310 Rheinfelden redaktion@nfz.ch
Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.


