LANDFRAUEN BEWEGEN
04.09.2026 KolumneSpuren des Sommers
Claudia Schreiber, Wegenstetten
Der September trägt ein besonderes Licht in sich. Golden fällt die Sonne über Wiesen und Felder, am Morgen ziehen bald die ersten Nebelschwaden durch die Landschaft. Nach der drückenden Hitze ...
Spuren des Sommers
Claudia Schreiber, Wegenstetten
Der September trägt ein besonderes Licht in sich. Golden fällt die Sonne über Wiesen und Felder, am Morgen ziehen bald die ersten Nebelschwaden durch die Landschaft. Nach der drückenden Hitze des Sommers kehrt endlich kühlere, frische Luft ein. Wir öffnen die Fenster, atmen durch und spüren, wie mit den sinkenden Temperaturen auch die Gedanken wieder etwas ruhiger und klarer werden.
Eigentlich ist der September eine Zeit der Fülle und der Ernte. Doch in diesem Jahr mischt sich Sorge in die Schönheit der goldenen Tage. Die lange Trockenheit und die grosse Hitze haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Böden sind ausgetrocknet, die Quellen beinahe versiegt, die Wiesen haben massiv gelitten, und was während des Sommers nicht wachsen konnte, fehlt nun in der Scheune.
Besonders spüren wir dies bei unseren Tieren, sie kommen auf neue Weiden, die einer Savanne gleichen. Das Futter ist knapp, die Vorräte sind kleiner als gewohnt. Jeder Blick zum Himmel bekommt dadurch eine andere Bedeutung. Regen ist in diesem Sommer etwas ganz Kostbares. Er wird dringend gebraucht – für die Böden, die Pflanzen, unsere Tiere und damit auch für uns Menschen.
Die Dürre zeigt, wie verletzlich das Gleichgewicht ist, von dem wir leben. Auf vielen Ebenen bewegen wir uns derzeit im Ungewissen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Unsicherheiten kommen hinzu. Vieles, was selbstverständlich schien, ist fragiler geworden. Handlungen und Anschaffungen werden mehrmals überdenkt.
Und dennoch wollen wir die Schönheit dieser Tage nicht übersehen. Noch wärmt die Sonne am Nachmittag, während die kühlen Morgen bereits den Herbst ankündigen. Vielleicht liegt gerade darin die besondere Kraft des Septembers: Er lässt Sorge und Hoffnung nebeneinander bestehen. Seine frische Luft schenkt Raum zum Durchatmen und zum Kühlen der Gedanken. Und mit jedem neuen Tag bleibt die Hoffnung auf Regen, auf Erholung und darauf, wieder etwas zuversichtlicher nach vorne schauen zu können.
