«Übere oder duure?»
Susanne Hörth
Das Marktfest in Frick begeisterte ein grosses Publikum. Zur grossen Vielfalt gehört auch die Sprache mit ihrer Eigendynamik. Mein auf Besuch weilender Verwandter aus dem Kanton Bern fragt mich am ...
«Übere oder duure?»
Susanne Hörth
Das Marktfest in Frick begeisterte ein grosses Publikum. Zur grossen Vielfalt gehört auch die Sprache mit ihrer Eigendynamik. Mein auf Besuch weilender Verwandter aus dem Kanton Bern fragt mich am Sonntagmorgen: «Wei mer uf Frick z’Märit ga?» In Kaisten, so belehre ich ihn mit der Selbstverständlichkeit einer Einheimischen, heisse das «a de Märt uf Frick duure ga.» Ebenso, dass wir «uf Laufeburg ie gönnt» oder «uf Winterthur use», hingegen «uf Züri ue».
Ich erzähle meinem Besuch von einem kürzlich mitgehörten Gespräch in einem Restaurant. Eine ältere Dame wollte in gepflegtem Hochdeutsch von einem Mädchen erfahren, wo sich denn die Toilette befinde. Darauf das Kind: «da muesch Schtäge überu gho und dänn um de Egge ume. Det gsesch es.» Die Frau aus Deutschland wirkte beim Davongehen nicht wirklich informiert. Ob unte ufe, obe abe, nidsi- und obsigäng oder so ähnlich: In der Schweiz gibt es offiziell vier Landessprachen. Inoffiziell sind es mit der Mundart nicht bloss eine mehr, sondern vermutlich so viele, wie es Bushaltestellen, Dorfbrunnen und Meinungen gibt. Der Dialekt unterscheidet sich oft schon von Dorf zu Nachbarsgemeinde. Und wer behauptet, er verstehe alles, hat entweder lange geübt – oder nickt einfach sehr überzeugend.