LESERBRIEF
14.08.2026 NordwestschweizBüchse der Pandora geöffnet
Das Institut für Geistiges Eigentum und indirekt auch das Wirtschaftsdepartement unter Bundesrat Parmelin haben sich offenbar unter dem Druck des Schuhherstellers On zu einer heiklen Lockerung der Swissness-Regelung ...
Büchse der Pandora geöffnet
Das Institut für Geistiges Eigentum und indirekt auch das Wirtschaftsdepartement unter Bundesrat Parmelin haben sich offenbar unter dem Druck des Schuhherstellers On zu einer heiklen Lockerung der Swissness-Regelung hinreissen lassen. Künftig soll es anscheinend genügen, eine minimale Innovations- und Entwicklungsabteilung in der Schweiz zu unterhalten, um das Schweizer Wappen verwenden zu dürfen – selbst dann, wenn die eigentliche Produktion vollständig im Ausland stattfindet. Damit droht die Marke «Schweiz» zunehmend zu einem reinen Etikett zu verkommen. Produkte, die faktisch im Ausland zu tiefen Produktionskosten hergestellt werden, können dank geschicktem Marketing als Schweizer Premiumware verkauft werden. Ist das wirklich die Swissness, die wir Konsumentinnen und Konsumenten erwarten dürfen?
Der Kybun-Chef bringt es auf den Punkt: «Die Marke Schweiz gehört nicht einzelnen Unternehmen. Sie ist kein Marketinginstrument, sondern ein Versprechen an die Konsumenten!» Mit diesem Entscheid wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Folgt dieser Logik erst einmal der erste grosse Player, ist zu befürchten, dass weitere Unternehmen nachziehen – mit der Folge, dass der Produktionsstandort Schweiz weiter ausgehöhlt und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden. Besonders stossend ist, dass ausgerechnet Unternehmen, die stark vom hervorragenden Ruf der Marke Schweiz profitieren, gleichzeitig immer weniger Wertschöpfung im Inland belassen. Auch die enorme Strahlkraft von Persönlichkeiten wie Roger Federer darf nicht dazu führen, dass die Marke Schweiz schleichend entwertet wird, indem die Swissness-Regeln immer weiter aufgeweicht werden. Es ist höchste Zeit, dass die Politik klare Grenzen setzt und die Marke Schweiz konsequent schützt – bevor aus einem Versprechen an die Konsumentinnen und Konsumenten endgültig nur noch ein beliebiger Werbeslogan wird.
MARKUS KUNZ, FRICK
