Es rappelt im Gebüsch
Ronny Wittenwiler
Kaum ist unser Jungstorch ausgeflogen, bekommen wir seit zwei Wochen nächtlichen Besuch von einem Igel. Und ich finde: Wir brauchen unbedingt einen Namen für den smarten Kerl, der jeweils zu Beginn der heissen Sommernacht ...
Es rappelt im Gebüsch
Ronny Wittenwiler
Kaum ist unser Jungstorch ausgeflogen, bekommen wir seit zwei Wochen nächtlichen Besuch von einem Igel. Und ich finde: Wir brauchen unbedingt einen Namen für den smarten Kerl, der jeweils zu Beginn der heissen Sommernacht piekfein geschniegelt aus dem Gebüsch spaziert.
Ich so: «Wie wär’s mit Julio Igelsias?»
Brösmeli: «Du immer mit deinen Fussballern!»
Ich erkläre, dass es sich um einen spanischen Sänger handelt.
Krümel: «Unser Igel kann spanisch?»
Egal.
Brösmeli prüft das auf Google nach: «Der heisst imfall Igle-sias, und nicht
Igel-sias!»
Ja, natürlich, ist mir auch klar. Ich erkläre aber, dass – weil es sich eben um einen Igel handelt – wir ihn Igel- sias nennen können. «Ist das nicht witzig?»
Krümel: «Ja, das ist wirklich nicht witzig.»
Ich merke: bereits ein einfacher Buchstabendreher kann einen ganzen Satz urinieren, und schon kommt Brösmeli mit weiterer Recherche um die Ecke: «Hast du gewusst, dass dein ach so toller Julio Iglesias neun Kinder von drei verschiedenen Frauen hat?»
Krümel: «Und die hocken hier alle noch bei uns im Gebüsch?»
Möglicherweise reden wir aneinander vorbei. Aber, ja: ich hab’ mal gehört von den neun Kindern: «Und einer heisst übrigens, festhalten: Miguel!»
Krümel: «Der darf doch heissen, wie er will!»
Das schon. «Aber hörst du es raus? M-iguel Igel-sias …»
Krümel schaut mich ungläubig an. «Lass es bitte.»
Seit zwei Wochen bekommen wir jeweils nächtlichen Besuch von einem Igel.
Wir nennen ihn Igel.
witte@nfz.ch