Die Beiz gehört zur Infrastruktur
Vermutet haben wir es schon lange, jetzt wird es aus berufenem Munde bestätigt: «Kneipen sind Infrastruktur gegen Polarisierung.» Dies erklärte jüngst ein deutscher Politologe in einem Interview. Denn in der ...
Die Beiz gehört zur Infrastruktur
Vermutet haben wir es schon lange, jetzt wird es aus berufenem Munde bestätigt: «Kneipen sind Infrastruktur gegen Polarisierung.» Dies erklärte jüngst ein deutscher Politologe in einem Interview. Denn in der Beiz gehe es nicht nur um das Bier oder den Kaffee, sondern um die Begegnung. Konkrete Themen werden dort besprochen, auch wenn man nicht immer einer Meinung ist. Der Politologe sieht das Kneipensterben in Deutschland als schlechtes Zeichen für die Demokratie.
Was für Deutschland gilt, muss nicht unbedingt für die Schweiz gelten – in diesem Fall aber wahrscheinlich schon. Denn auch hierzulande verschwinden zuerst die Stammtische und dann die Beizen. Die Menschen hocken abends lieber zuhause und beleidigen oder bestätigen sich über die sozialen Medien. Das ist ein schlechter Ersatz für eine saftige Diskussion am Beizentisch, bei der einem auch mal auf liebevolle Weise die Kutteln geputzt werden.
Mit der Beiz ist es wie mit aller Infrastruktur – sie will gepflegt sein. Deswegen unser Tipp: Wenn Sie diese Zeitung fertiggelesen haben, gehen Sie doch einfach mal wieder in den nächsten Spunten. Mit gutem Gewissen, denn es ist ein Dienst an der Demokratie, und die Wirtin freut sich erst noch. Was tut man nicht alles gegen die Polarisierung. Prost und wohl bekomm’s.
DER SALZSTREUER
salzstreuer@nfz.ch