beRUFLIch
14.08.2026 KolumneKeep cool
Simone Rufli
Heute vergisst man fast, dass sich im Weissen Haus in Washington schon früher ganz grossartige Sachen zugetragen haben. Vor exakt hundert Jahren zum Beispiel, im August 1926: Calvin Coolidge war Präsident der Vereinigten Staaten ...
Keep cool
Simone Rufli
Heute vergisst man fast, dass sich im Weissen Haus in Washington schon früher ganz grossartige Sachen zugetragen haben. Vor exakt hundert Jahren zum Beispiel, im August 1926: Calvin Coolidge war Präsident der Vereinigten Staaten und die Stadt Washington litt wochenlang unter Temperaturen über 37 Grad – da wurde, was medial für grosse Aufmerksamkeit sorgte, im Weissen Haus der erste elektrische Kühlschrank installiert.
Wie viel das präsidiale Küchengerät zur Kühlung der gewöhnlichen Stadtbevölkerung beigetragen hat, ist nicht überliefert, was aber in verschiedenen Quellen nachzulesen ist, fällt unter die Kategorie «Nomen est Omen». Präsident Coolidge hatte bereits 1924 – im Wahlkampf für seine zweite Amtsperiode – Kühlung zum Thema seiner Wiederwahl erklärt und eigens einen Schlager komponieren lassen mit dem Titel: «Keep Cool and Keep Coolidge».
Wie cool er es fand, dass erst in den 1930er-Jahren, unter seinem Nachfolger, Kühlschränke zur Standardausstattung amerikanischer Haushalte wurden, darüber kann man nur spekulieren.
Wie so vieles fand auch die Idee des elektrischen Kühlschranks den Weg über den Atlantik zu uns. Ab den 1940er- und 1950er-Jahren zogen die elektrischen Kühlschränke für den Hausgebrauch auch hierzulande in die Häuser und Wohnungen ein. Gekühlt wurde natürlich schon früher, in Eiskästen – das waren mit Natureis gekühlte Holz-Kisten mit zwei Fächern – Eis im einen, Speisen und Getränke im anderen. Das Eis stammte oft aus Bergseen, wo es im Winter abgebaut, in Kellern gelagert und im Sommer ausgeliefert wurde. Das Gebiet um den Lac de Joux im Waadtländer Jura war eines der grössten Abbaugebiete Europas und lieferte die kalte Fracht bis nach Paris, wo es auch als Eiswürfel in den Drinks der besseren Gesellschaft verwendet wurde.
Während eisgekühlte Getränke sich bis heute grosser Beliebtheit erfreuen, werden länger schon keine Eisblöcke mehr verschoben – in diesem Sommer dafür jede Menge Klimaanlagen. Das Geschäft mit allem, was Kühlung verspricht, läuft heiss. Dumm nur, dass ausgerechnet was elektrisch Kühlung erzeugt, auch wieder Wärme abgibt.
