King of the Road
Verehrtes Publikum
Vorauszuschicken wäre, dass ich seit jeher mit Begeisterung Auto fahre.
Die Zahl der von mir zurückgelegten Kilometer nähert sich mittlerweile dem siebenstelligen Bereich. Vom Beginn meiner Fahrpraxis bis ...
King of the Road
Verehrtes Publikum
Vorauszuschicken wäre, dass ich seit jeher mit Begeisterung Auto fahre.
Die Zahl der von mir zurückgelegten Kilometer nähert sich mittlerweile dem siebenstelligen Bereich. Vom Beginn meiner Fahrpraxis bis heute konnte ich dabei sowohl eine enorme Erhöhung der Verkehrsdichte feststellen als auch, dass die Kommentare von der Beifahrerseite zu meiner Fahrweise deutlich an Qualität gewonnen haben. In früheren Zeiten zeugten Warnrufe meiner Beifahrerinnen oft von deren eklatanter Unkenntnis physikalischer Zusammenhänge: «Vorsicht – da vorn kommt ein Baum!»
Heute dagegen darf ich mit Freude feststellen, dass das technische Einfühlungsvermögen der Frauen zugenommen hat. Statt meine gekonnten Fahrmanöver mit lautem Angstgeschrei zu begleiten, wird jetzt zunehmend mitgedacht.
Neulich cruisten Frau P. und ich in Richtung Welschland. Da zwischen Härkingen und Bern-Wankdorf ein hohes Verkehrsaufkommen herrscht und man, wenn man Glück hat, nur im Stop-and-Go-Verkehr vorwärtskommt (meistens hat man Pech und kommt überhaupt nicht vorwärts), hatte ich im Cockpit meines topmodernen Fahrzeugs den Autopiloten aktiviert – sprich, das Auto blieb von selbst in der Spur, schaute nach vorn und war bremsbereit.
Wir näherten uns einem Stauende. Das Auto bremste. «Was war das?», rief Frau P. «Wir haben gebremst», antwortete ich. «Wer ist wir?» – «Mein Auto und ich.» – «Dein Auto und du? Wer hat denn das Kommando?» – «Hängt von der Verkehrslage ab.» Mein Auto gab Gas, dann bremste es. «Warst du das oder dein Auto?» – «Mein Auto. Es hat etwas gesehen.» – «Vielleicht ein Radar, mit dem es früher mal was hatte?»
Andere Beifahrer hätte ich auf dem Pannenstreifen abgesetzt und auf Pistolen gefordert. Da es in unseren Breiten nicht üblich ist, sich mit seiner Ehefrau zu duellieren, beliess ich es bei einer gelben Karte für Frau P. und einem knappen Hinweis darauf, dass die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel dem Autofahren ökologisch vorzuziehen sei – «Die Kluge reist im Zuge».
JAN PETERS