Die Spiegelwelt
Simone Rufli
Es gibt Dinge, die belasten einen über viele Jahre. Und doch merkt man erst wenn die Last abfällt, wie schwer sie die ganze Zeit wog. So ist es mir ergangen, als ich gelesen habe, dass Forscher des PSI die Existenz einer ...
Die Spiegelwelt
Simone Rufli
Es gibt Dinge, die belasten einen über viele Jahre. Und doch merkt man erst wenn die Last abfällt, wie schwer sie die ganze Zeit wog. So ist es mir ergangen, als ich gelesen habe, dass Forscher des PSI die Existenz einer Spiegelwelt mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ausschliessen konnten.
Ich bin extrem erleichtert, ist das endlich geklärt. Zwar ist für mich damit weder die Physik noch die Welt verständlicher geworden – aber angesichts all der ungelösten Probleme auf diesem Planeten freue ich mich trotzdem riesig, dass wir alle eine Sorge weniger haben.
Gespannt bin ich nun, welche Welt als nächstes erforscht wird.
Als Experimentierfeld anbieten würde sich zum Beispiel die Fast-Welt. Das ominöse Parallel-Universum, in dem alle unsere Beinahe-Momente landen: der Zug, den wir um zwei Sekunden verpasst haben, das Wort, das einem auf der Zunge lag, der Anruf, den man fast angenommen hätte.
Oder auch die Welt der unausgesprochenen Sätze mit all den Antworten, die einem erst einfallen, wenn das dazugehörige Gespräch schon beendet ist.
Noch viel zu wenig erforscht ist meiner Meinung nach auch die Vielleicht-Welt mit der riesigen Sammlung an Möglichkeiten, die wir nie ausprobiert haben.
Schwer zu finden sein dürfte – selbst für erfahrene Forscher – der Zugang zur Welt der verlegten Dinge. Und wer die Welt der Missverständnisse erforschen will, muss zuerst klären, was die Mitforschenden darunter verstehen, um zu vermeiden, dass neue Missverständnisse entstehen.
Vielleicht überlassen wir diesen Teil der Forschung besser den Expertinnen und Experten in der Spiegelwelt – dass es diese mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht gibt, heisst ja nicht, dass es sie zu hundert Prozent nicht geben kann.