Peter Schmids Fricktaler Check
03.07.2026 FrickWie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Roti, schwarzi, bibeli-gääli
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
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Roti, schwarzi, bibeli-gääli
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Bald ist die Zeit der Kirschenernte vorbei. Und eigentlich hätte ich gerne mitgeholfen …
Peter Schmid*
Tatsächlich hielt ich mich lange für einen hoch talentierten Meisterpflücker. Gerne schilderte ich auch ungefragt recht ausführlich, wie ich schon als Kind ganz oben auf der Leiter stand. Bei jedem Wetter. Vollkommen schwindelfrei. Auch die kaum erreichbaren Früchte, ganz aussen an den Ästen. Null Problem. Und dann das Arbeits-Tempo: atemberaubend. Im Vergleich zu mir: Die Konkurrenz auf den Leitern nebenan? – Zeitlupen-Lamaschis. So bot ich unlängst selbstbewusst meine unverzichtbaren Dienste an. Natürlich wusste ich, dass die Qualitätsansprüche inzwischen gestiegen waren. Tafelkirschen haben makellos zu sein, mindestens so gross wie Baumnüsse, alles tipptopp. Nimm nur die wirklich reifen, wurde ich angewiesen. Und achte besonders auf … Hörte ich zu? Mir musste man rein gar nichts erklären.
Leider eine Fehleinschätzung. Die von mir angehäufte Ware? Alles hinterher noch einmal inspiziert. Weil nötig. Jede dritte Frucht noch nicht voll reif. Man sieht es doch: Schau doch hin. Ganz schwarz müssten sie sein. Nicht wie dieses Chriesi hier oder das oder jenes. Der Kontrolleur verkniff sich weitere Kommentare. Und sagte dann doch: Man sieht ihn doch gleich. Den rötlichen Schimmer.
Nun – ich sah ihn nicht. Und spätestens hier darf ich zu meiner Verteidigung vermerken: Ich bin farbenblind. Daher: rötlicher Schimmer? Warum nicht grünlich? Oder bräunlich? Oder violett? Alles einerlei.
Die besondere Veranlagung wurde schon im Kindergartenalter bemerkt. Etwa beim Betrachten der Zeichnungsmappe. Sag mal, warum ist eigentlich die Frühlingswiese so braun? Und der Esel vom Samichlaus pink? Heute, im Zeitalter von LGBTQ vielleicht ganz normal. Damals fand man es unfreiwillig originell. Also zum Lachen.
Da beginnst du dir dann in der Schule Strategien zurechtzulegen. Prägst dir die jeweilige Zahl auf dem Farbstift in der Caran d’Ache-Schachtel ein. Der rote hat die 70. Der grüne die 210. Der braune die 59. Und mit der Zeit hast du es gelernt. Dass die Nicht-Farbenblinden einer Wiese das Attribut grün zuweisen. Und du demnach in der Regel mit der Nummer 210 richtig liegst. Vielleicht wäre eine andere Farbe jedoch schöner. Je nach Lichteinfall, Tageszeit und Blumenvielfalt. Und dass es berühmte Künstler gibt, die eben gerade mit ihrer eigenwilligen Farbauswahl für Furore sorgen (etwa die Fauvisten: grüne Gesichter, blaue Bäume, orange Landschaften), das wusste ich damals noch nicht.
Stattdessen war bei einer eindeutig diagnostizierten Rot-Grün-Blindheit zuerst einmal Schadensbegrenzung angesagt. Einen Nachteilsausgleich in der Schule heutzutage etwa bei Legasthenie oder Diskalkulie üblich gab es damals ebenso wenig wie heute. We- der im Zeichnen noch in irgendeinem anderen Fach. Ein Graus waren zum Beispiel die Spezial-Karten im Geografie-Atlas (es hiess, die Savanne sei angeblich in einem Olivton gehalten, die Steppe werde eher smaragdgrün dargestellt, die Wüste dagegen ocker oder khaki. So ein Kack. Denn wie sollst du dir das einprägen: Wo Steppe, wo Wüste?
Oder im Deutsch markierst du die Wortarten in diversen Farben. Die Normalsichtigen erkennen: Aha, orange markiertes Wort, ergo Pronomen. Bei mir war’s umgekehrt: Aha ein Pronomen. Ergo Farbe Orange.
Meinen Schülerinnen und Schülern erklärte ich spätestens dann, wenn ich ihnen eine Kreide hinhielt und fragte, ob die jetzt grün sei – und sie mich ungläubig verlegen anlächelten –, was es mit Farbenblindheit auf sich hat. Dass die Welt nicht grau ist für mich. Die Unterscheidung gewisser Farben jedoch schwierig. Dass es sich um einen geschlechtsgebundenen Erbgang handelt. Und fast nur männliche Wesen davon betroffen sind (immerhin etwa 8 %).
Ein wirkliches Problem ist die Sache nicht. Mit Sicherheit wird man jedoch, sobald man sich outet, mit den üblichen Fragen eingedeckt: Was hat die Wiese dort für eine Farbe? (Wohl rot). Und wie geht Kleider kaufen und tragen? Zugegeben: Da kann es schon passieren, dass man ahnungslos einen paradiesvogelhaften Farbmix zur Schau stellt. Und Heiterkeit erzeugt. Dagegen: Beeren suchen im Wald? Eher frustrierend. Lichtsignale im Strassenverkehr? Kein Problem. Nicht lange überlegen (rot? gelb? grün?) – einfach fahren. Zurück zum Kirschenpflücken. Vielleicht spielt die Farbe ja auch hier keine Rolle. So sangen wir jeweils: Chumm mir wie go Chrieseli gönne. Zwöi bis drüü an einem Stiel. Roti? Schwarzi? Bibeligääli? – Unklar. Offenbar jeder nach seinem Gusto! – Dann für mich bitte die schwarzen mit dem rötlichen Schimmer.
Die heutigen Wettbewerbsfragen
1. Wenn rund 8 % der männlichen Bevölkerung rot-grün-blind sind, dann wären das im Fricktal: a) 3500 Personen b) 350 Personen c) 35 000 Personen
2. Der Aargauer Obstverband veranstaltete auch 2026 einen Wettbewerb, in dem die besten Kirschen auserkoren wurden. Aus welcher Gemeinde kamen diese?
a) Gipf-Oberfrick
b) Kaisten
c) Schupfart
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben oder mailen Sie uns die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
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Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.


