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28.07.2026 KolumneDa, wo die Welt noch zu Fuss hingeht
Susanne Hörth
Es gibt Orte, an denen man einfach einkauft oder per Mausklick die Bestellung abschickt, und es gibt den Dorfladen. Für mich oft auch ein Dorf in komprimierter Form. «Du hast gestern die ...
Da, wo die Welt noch zu Fuss hingeht
Susanne Hörth
Es gibt Orte, an denen man einfach einkauft oder per Mausklick die Bestellung abschickt, und es gibt den Dorfladen. Für mich oft auch ein Dorf in komprimierter Form. «Du hast gestern die Abfallmarken vergessen, hier sind sie», wird da die Kundin selbstverständlich und freundlich mit Namen von der Verkäuferin begrüsst. Dass der Online-Handel hier die Geschäfte sogar noch ankurbelt, zeigt sich, wenn an der Kasse – schliesslich befindet sich hier auch zugleich noch die Postfiliale des Dorfes – regelmässig Rücksendungen von grossen Versandhäusern abgegeben werden. Eine günstige Gelegenheit, noch ein Brot und ein wenig Käse einzukaufen.
Für mich ist der Dorfladen auch ein Ort, an dem man sich gegenseitig hilft, ob man nun will oder nicht. Es ist selbstverständlich, einer älteren Dame den schweren Einkaufssack hinaus zum Auto zu tragen. Die im Dorf beheimatete Physiotherapeutin wird beim Regal mit den Putzutensilien um Tipps bei Rückenschmerzen gebeten. Haferflocken, Nüsse und möglichst viele Früchte? Antworten auf diese Fragen hat wahrscheinlich die Ernährungsberaterin, die sich gerade ebenfalls im Laden aufhält und die natürlich auch im Dorf wohnt. Also, die günstige Gelegenheit ergreifen und sich mit der Fachfrau über die richtige Müslimischung sowie die Wahl der bestverträglichen Milch zu unterhalten.
Ein Dorfladen ist unbestritten eine wichtige Infrastruktur für die Gemeinde. Er vermittelt zudem die Gewissheit: man sieht sich, man ist nicht allein. Nicht selten fällt sogar auf, wenn jemand fehlt. Da wird auch schon mal nachgefragt.
Sie kaufe im Lädeli nicht einfach nur ein, erzählt eine ältere Dame. Sie treffe hier immer wieder Bekannte und vergesse gerne auch schon mal die Zeit beim Plaudern und Austauschen von Geschichten.
Ich weiss, es tönt alles etwas kitschig, wie aus einer früheren Welt. Ist es irgendwie ja auch. Gleichzeitig bin ich stolz, in einer solchen kleinen Dorfwelt leben zu dürfen.
