PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
01.05.2026 FricktalChli Seich mache
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Unter uns leben nicht nur brave Menschen. So sorgen auch Gerichtsverfahren im Fricktal für Aufsehen.
...Chli Seich mache
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Unter uns leben nicht nur brave Menschen. So sorgen auch Gerichtsverfahren im Fricktal für Aufsehen.
Peter Schmid*
Laue Nacht. Nichts los in der Provinzstadt. Wir waren jung und wollten Spass. Aus sicherer Distanz konnten wir beobachten, wie ein Auto nach dem andern von der Hauptstrasse in die schmale Seitengasse abbog, wieder beschleunigte und gleich danach abrupt abbremste. Zusammen mit den nachfolgenden und vorausfahrenden Fahrzeugen bildete sich rasch ein chaotisches, verknotetes Knäuel. Nun wurde gehupt, geflucht und mühsam rückwärts geruckelt. Alle versuchten sie einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, für die wir Zaungäste verantwortlich waren, hatten wir doch zuvor einige Schilder einer Baustelle so umplatziert, dass der ganze Verkehr umgeleitet wurde.
Das fanden wir im Gegensatz zu den in die Irre Geleiteten ziemlich lustig.
Jux und Tollerei hatten schon in den Nächten zuvor begonnen. Einmal hatten wir auf den Parkhausrampen Wettrennen mit Einkaufswägeli veranstaltet, dann einen Mini-Cooper hier und einen Döschwo dort so herumgewuchtet, dass ein Einsteigen unmöglich wurde. Und heute Nacht also? Damit beschäftigt, neuen Blödsinn auszuhecken, bemerkten wir zuerst das langsam fahrende Auto, das uns im Schritttempo gefolgt war, nicht. Der Fahrer hatte die Fensterscheibe heruntergelassen und richtete einen grimmigen Blick auf uns: So, jetzt ist mal Schluss, Bürschtlis! Mitkommen! Und tatsächlich hatte er dazu den Lauf einer Pistole auf uns gerichtet. Vor Schreck waren wir verstummt und trotteten käsebleich, eskortiert von unserem Begleiter, in die von ihm angegebene Richtung. So plötzlich, wie er aufgetaucht war, verliess der Hobby-Polizist unser Blickfeld und verschwand auf Nimmerwiedersehen.
Für den Moment reichte das. Auf nicht ganz legale Art und Weise hatte uns jemand eine Lektion erteilt. Und weiterem Unfug den Riegel geschoben.
In der Rückschau frage ich mich, wie so viel geballter Blödsinn möglich war. Wir waren nicht eigentlich beschränkt, vermochten komplizierte mathematische Gleichungen im Unterricht zu lösen (nicht alle gleich souverän) und übersetzten lateinische Texte von Ovid und Augustinus (nicht immer im Sinne der Autoren). Gleichzeitig konnten wir uns wie die kompletten Vollidioten benehmen. Dabei bewegten wir uns auf einem schmalen Grat zwischen Lausbubenstückli und kriminellen Delikten.
Erklärungsversuche bleiben unbefriedigend: Null Bock? Opfer von Sinn- losigkeit? Unsere Zukunftsaussichten waren nicht übel. Wohlstandsverwahrlosung? In Saus und Braus lebten wir nun auch wieder nicht. Und ganz allgemein gegen die Leistungsgesellschaft lehnten wir uns nicht auf. Sind männliche Jugendliche halt einfach mehrheitlich dumm? Tatsächlich waren die Mädchen unserer Klasse um Welten vernünftiger. Und konnten dann teilweise auch den einen oder anderen Bullshit verhindern. Am ehesten dann, wenn sich einer von uns in eine von ihnen verliebte. Dann wollte er nicht wie der letzte Kindskopf dastehen.
Das weibliche Korrektiv (für jene, die eine Freundin fanden) griff demnach hilfreich ein. Angesichts der verrückten Weltlage wünschte man sich, das Prinzip würde sich wieder vermehrt durchsetzen.
Mit Dankbarkeit kann ich vermerken, dass wir damals die schiefe Bahn noch rechtzeitig verlassen konnten. So ersparten wir den Mitmenschen und uns selber Vandalenakte oder noch Schlimmeres. Daran denke ich, wenn ich mir vergangene und aktuelle Strafprozesse vor Augen halte, die im Fricktal von sich reden mach(t)en. Und ich frage mich, warum die einen die richtige Abzweigung noch erwischen, während andere ungebremst in den Konflikt mit dem Gesetz geraten.
So zerschnitten wir keine Internetkabel (die es noch gar nicht gab). Auch manipulierten wir keine Eisenbahnanlagen und handelten auch sonst nicht gemeingefährlich. (Für solche und viele weitere mutmassliche Straftaten hat sich zurzeit eine Jugendbande vor dem Bezirksgericht Rheinfelden zu verantworten.) Wir waren keine Feuerteufel (im Gegensatz zu den Brandstiftungen in den 80er-Jahren auf dem Bözberg) und jagten auch keinen Info-Pavillon in die Luft (was 1979 in Kaiseraugst geschah). Wir waren weder Velo-Chlauer noch fassten wir fremde Töffli an. Unsere eigenen frisierten wir aber gehörig (und fühlten uns wie Peter Fonda und Dennis Hopper in «Easy Rider»). Damit nervten wir die Nachbarn, schädigten jedoch Fauna und Flora nicht übermässig. (Da bescherten andere unserer Region schon weit Schlimmeres. Man denke etwa an die Fluor-Emissionen in den sechziger Jahren, die ganze Kuhherden dahinrafften, oder an die ungestraft gebliebenen Verursacher des Dioxin-Skandals im Umfeld von Aluminium Rheinfelden (Baden) in den Achtzigern.)
Auch wir jugendlichen Lümmel kamen um Strafverfahren herum. Aber ist das allein ein Ruhmesblatt? Vielleicht hatten wir einfach Glück. Oder haben jenen einiges zu verdanken, die noch rechtzeitig einschritten. Es muss ja nicht gerade mit vorgehaltener Pistole sein.
Nachtrag: Empörend!
Angesichts der Aktivitäten des sogenannten Wolfsrudels ist die Empörung gross. Harte Strafen werden gefordert. Doch wie verhält es sich, wenn nicht junge Männer kriminell werden, sondern die mutmassliche Täterschaft an den Schalthebeln bedeutender Industrieunternehmen sitzt? Wie oben erwähnt, kam es nach dem Dioxin-Skandal nicht einmal zu einer Anklage. Seit einiger Zeit gehört der Stahltech-Produzent Aluminium Rheinfelden zum russischen Unternehmen Rusal (das zahlreiche Geschäfte über eine Tochterfirma in Zug abwickelt). – Kein Aufschrei der Empörung? – Kein Fall für die Gerichte?
Die heutigen Fragen:
1.Der Jahresrapport der Regionalpolizei Oberes Fricktal für das Jahr 2025 stellt eine deutliche Zunahme von Delikten fest bei:
a) Steuerbetrug
b) Häuslicher Gewalt
c) Beamtenbeleidigungen
2. Auch die Repol unteres Fricktal hatte im vergangenen Jahr viel zu tun. In Kaiseraugst gingen häufig Meldungen wegen Unfugs von Jugendlichen ein. Sie sorgten etwa für:
d) Nachtruhestörungen
e) Urkundenfälschungen
f) Gewässerverschmutzung durch Gülle
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben oder mailen Sie uns die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
NEUE FRICKTALER ZEITUNG
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Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.
* Peter Schmid lebt in Rheinfelden, wo er über 30 Jahre als Bezirkslehrer unterrichtet hat.


