PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
10.04.2026 FrickZeugnisse und andere Ungerechtigkeiten
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Alles will bewertet sein. Nicht nur in der Schule. Und manchmal fällt die Kritik auf die Zeugnisse und andere Ungerechtigkeiten Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check! Alles will bewertet sein. Nicht nur in der Schule. Und manchmal fällt die Kritik auf die Peter Schmid* Kein Restaurantbesuch, kein Ausflüglein, kein Kürsli geht vorüber, ohne dass Teilnehmende danach den Grad der Zufriedenheit angeben müssen. Kaum hast du den letzten Bissen eines Klöpfers runtergeschluckt, musst du Konsistenz, Geschmack und Qualität von Wurst und Senf sowie die Kompetenz des Grillmeisters validieren. Aber auch Politiker*innen erfragen gerne (oder weil sie müssen?) die Beurteilungen der Bevölkerung. Schon im Hinblick auf die nächsten Wahlen ist es ratsam zu erfahren, welche Massnahmen und Strategien mehrheitsfähig oder eben unbeliebt sind. Natürlich können Meinungsforschungen durchaus Sinnvolles in die Wege leiten und das Einschlagen von Irrwegen rechtzeitig stoppen. Wirklich klüger werden dann alle Beteiligten meist erst Jahre später. Oder auch nicht. Das ist wohl im Fricktal nicht anders als im Rest der Welt. Das Forschungsinstitut gfs.bern hat denn in einer vor zwei Jahren erschienen Publikation die Zufriedenheit der Fricktaler Bevölkerung festgehalten. Gute Noten erhielten der intakte natürliche Naherholungsraum. Kritischer bewertet wurden die Steuerbelastung und die Verkehrssituation (hier zu spärliches ÖV-Angebot, dort die verstopften Strassen im Alltagsstau). Trotz gewisser Abstriche lautete der Zeugniseintrag von «Wohnen und Arbeiten im Fricktal» in der Gesamtbeurteilung: sehr gut! Apropos Zeugnisse: Die gab es – noch vor der Einführung des landesweit einheitlichen Sommerschulanfangs – jeweils vor den Frühlingsferien. Ein solches – es stammt aus den 70er-Jahren – geriet mir neulich in die Hände. Dabei fiel mein Blick auf einen im doppelten Sinne bedenklichen Eintrag: Erstens war meine Mathematiknote ungenügend und zweitens war der – wie damals üblich – von Hand geschriebene Eintrag offenbar nachträglich korrigiert worden. Mein Klassenlehrer musste eine erste Note weggekratzt und durch eine neue ersetzt haben. Daneben steht noch immer gut sichtbar «rad. Rohner». Diese Bemerkung von Herrn Rohner fällt einem neben einem hässlichen Radierfleck als Erstes auf. Das ist nicht weiter schlimm, wirft aber die Frage auf, was nach dem Auftauchen eines Fehlers passiert. Macht es die Korrektur desselben noch schlimmer? (In der Schule, in der Politik, überhaupt?) Dass es ratsam war, beim Zeugnisschreiben möglichst konzentriert vorzugehen, erfuhr ich in meiner eigenen Lehrerlaufbahn selber. Das war vor dem Anbrechen des digitalen Zeitalters eine besondere Herausforderung: So musste man den Stift ganz vorsichtig in die Hand nehmen und den Kopf bei der Sache haben. Ich handhabte es dann so, dass ich nach einem Verschreiber die ganze Doppelseite herausnahm. Dazu musste ich zuerst sorgfältig die Heftklammern lösen und das fehlerhaft beschriebene Papier entfernen. Dann einem unbeschriebenen Zeugnis (das als Ersatzteillager diente) eine Doppelseite entnehmen und an der richtigen Stelle vorsichtig neu einsetzen. Dabei musste man schauen, dass die Löchli von Original und Ersatz deckungsgleich waren, sonst ragte die neue Seite entweder unten oder oben heraus. Hatte man Pech, dann mussten die letztjährigen Noten ebenfalls neu hineingeschrieben werden. Aber immerhin konnte man so ein hässliches Radieren vermeiden. Das klappte recht gut, war aber zum Glück nur selten notwendig. (Interessanterweise auch damals nicht, als ich das Zeugnisschreiben einmal anschliessend an einen von einem Kollegen gespendeten Geburtstagsapéro erledigte). Nicht nur eitel Freude verbreitete man am Tag darauf beim Verteilen der Dokumente. Von stillen Enttäuschungen bis zu lautstarken Wutausbrüchen gab es alle möglichen Reaktionen. War ein Eintrag offensichtlich falsch, zeigte es sich bei fünfzig Prozent der Fälle. Wenn die eingetragene Note tiefer als erwartet war, dann meldeten sich die einen ganz höflich, die anderen weniger dezent, dafür um so lauter. Nichts gehört hat man in der Regel dann, wenn der falsche Eintrag zu hoch war, doch auch hier gab es Ausnahmen. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Schulzeit diesbezüglich gemacht? Haben Sie selber oder Ihre Eltern Gerechtigkeit verlangt, wenn Sie benachteiligt wurden? Und wenn der offensichtlich falsche Eintrag für Sie vorteilhaft war: Haben Sie sich still gefreut und den Göttibatzen eingesackt, als in Mathematik statt der erwarteten 3-4 zu Ihrer grossen Überraschung eine 5-6 vermerkt war? Zeugnisse wurden damals noch zweimal im Jahr ausgestellt. Heute nur noch einmal. Beurteilungen im ausserschulischen Alltag dagegen … Siehe oben. Die Frage bleibt, ob diese Veränderungen zu mehr Gerechtigkeit geführt haben. Friedrich Dürrenmatt hat einmal gesagt: «Die Gerechtigkeit wohnt in einer Etage, zu der die Justiz keinen Zugang hat». Vielleicht hat er Schule und Politik mit gemeint. Warum habe ich immer noch jenen Schüler in Erinnerung, in dessen Zeugnis ich einmal eine Drei in Deutsch mündlich notiert hatte? Er kam auf mich zu und meinte: Eine 3-4 hätte er in Ordnung gefunden. Aber eine 3, die sei schon ziemlich hart. Dass er womöglich Recht hatte? Vielleicht liest er es hier. Die heutigen Quiz-Fragen:1. In der Studie des bfs.bern stellten die Forschenden den Bewohner*innen des Fricktals die Frage: Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie mit dem Fricktal als Wohnregion? Welches Resultat trifft zu: a) 15 % antworteten mit «sehr unzufrieden oder unzufrieden» Wissen Sie die Lösung? NEUE FRICKTALER ZEITUNG Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.
Beurteilungen selber zurück.
b) 84 % antworteten mit «sehr zufrieden oder zufrieden»
c) 90 % antworteten mit «weiss nicht»
2. Wie gross war der Anteil jüngerer Bewohner*innen (18 bis 39 Jahre), welche mit der Aussicht, Wohnraum zu erwerben, eher zufrieden oder sehr zufrieden waren? Wählen Sie die richtige Antwort:
a) 32 %
b) 44 % eher oder sehr zufrieden
c) 61 %
Schreiben oder mailen Sie uns die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
Baslerstrasse 10
4310 Rheinfelden redaktion@nfz.ch


