Peter Schmids Fricktaler Check
13.03.2026 FricktalWie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Die Tollkühnen in ihren fliegenden Kisten
Die Kunstfliegerei über unseren Köpfen versetzt die einen in Erstaunen, die anderen ...
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Die Tollkühnen in ihren fliegenden Kisten
Die Kunstfliegerei über unseren Köpfen versetzt die einen in Erstaunen, die anderen nervt’s.
Peter Schmid*
Es ist Sonntag und sie dröhnt wieder. Über den Dächern des Quartiers zieht die Propellermaschine ihre Bahnen. Rauf und runter, geschraubt, gedreht, kopfüber, kopfunter. Und was man sieht, hört man erst hinterher. Looping mit steilem Sturzflug ins scheinbar Bodenlose, dann aber sofort wieder rauf und Flügel drehen im Vierteltakt. Gefolgt von einem verzögerten Roaarrrrrrhh. Ob der tollkühne Kunstflieger (oder ist es eine sie?) am Himmel total entspannt mit einem Höchstmass an Genuss sein (ihr) Gerät pilotiert? Ganz locker? Oder ist es doch eher die disziplinierte und routinierte Abfolge zu lernender Pflichtteile? Mit oder ohne Stress? Wir hier unten wissen es nicht und werden es wohl auch nie erfahren. Dabei sind wir ja regelmässig mit dabei (und – solidarisch mit uns Fricktalern – ebenso unsere Nachbarn im Baselbiet und im Badischen). Ungefragt, dafür gratis dürfen wir teilhaben am tollkühnen Kunstflug-Spektakel. Was denken Sie, wenn die fliegende Kiste über Ihnen auftaucht? Verfolgen Sie die absolvierten Manöver fasziniert mit dem Feldstecher oder von blossem Auge von Ihrem Sitzplatz im Garten aus? Sie heissen beispielsweise Inverted Flight (Flug auf dem Kopf), Hammerhead (senk- rechter Aufstieg bis zum Stillstand mit anschliessender, kontrollierter Kippbewegung) oder Outside Bunt (negativer Looping). Vielleicht denken Sie, dass Luft-Akrobat*innen mit hohem Lustgewinn bei der Sache sind. Womöglich reizt es Sie sogar einmal, als Passagier mit dabei zu sein. Auf dem Birrfeld gibt es Mitfluggelegenheiten für Waghalsige. (Wer es gemütlicher mag, geht in Schupfart an Bord).
Auch vorstellbar, dass Sie ganz anders empfinden und grimmig die Faust in den Himmel recken. Im Ärger darüber, dass zum unvermeidlichen Alltagslärm (Sohn testet frisiertes Töffli, Tochter hört Heavy Metal, Hund singt mit) jetzt also auch noch die himmlische Nervensäge den sogenannten Ruhetag versaut.
Vielleicht leiden Sie ja auch unter Kunstflugangst und befürchten, dass die Dinger da oben plötzlich vom Himmel fallen. Beruhigt es Sie, dass motorisierte Kunstflieger von Gesetzes wegen einen Abstand von 500 Metern über besiedeltem Gebiet einhalten müssen? Allerdings relativiert sich dies, denn in Ausnahmefällen kann das Bundesamt für zivile Luftfahrt (BAZL) verminderte Bodennähe erlauben (bis zu 30 Metern über Grund). Und die Empfehlung der FFAC (Foundation for Aviation Competence), Aktivitäten am Wochenende und über Mittag zu unterlassen und sich von dicht besiedelten Gegenden sowie Spitälern, Kliniken und Altersheimen fernzuhalten, scheinen die schwerhörig gewordenen Akteure zu ignorieren. Interessant ist übrigens auch, dass die FFAC die Kunstfliegerei zur Erhöhung der Sicherheit empfiehlt. In Ergänzung zur üblichen Ausbildung würden Piloten, die sich zusätzlich in Akrobatik üben, ein Passagierflugzeug eindeutig besser beherrschen. Denken Sie daran, wenn Sie auf Ihrem nächsten Urlaubsflug feststellen, dass sich die Maschine, in der Sie sitzen, plötzlich in den Sturzflug manövriert, oder wenn Sie die Gebirgslandschaft, die Sie gerade überfliegen, kopfüber wahrnehmen. Nur ruhig bleiben. Die da vorne haben’s in Griff. Und es gibt ja Kotztüten an Bord.
Wussten Sie übrigens, dass es in der Geschichte des Kunstfluges auch ein besonderes Fricktaler Kapitel gibt? Tatsächlich befand sich auf dem Sissler Feld einmal ein Flugplatz (bis 1965). Zu seiner feierlichen Eröffnung am 1. Oktober 1950 kamen über 6000 Besuchende. Diese beobachteten hier gerne fliegerische Kunststücke und durften für einen Fünfliber als Passagiere mit in die Luft.
Einer der Piloten war Albert Rüesch: Er war auch Mitbegründer der Motor- fluggruppe Fricktal. Er hatte die Akrobatik wirklich im Blut. Einmal sei er von Sisseln aus über die Alpen bis ins Tessin geflogen. Und zwar stilgerecht: nämlich kopfüber. Damals konnte man noch von grenzenloser Freiheit am Himmel reden, was natürlich heute angesichts der strikten Reglementierung des dicht genutzten Luftraumes längst vorbei ist. Oder doch noch nicht ganz?
Es scheint mindestens so, dass der Gesetzgeber die ganz fortgeschrittenen Kunstflieger weiterhin ziemlich frei gewähren lässt. Diese zeigen dann ihr ganzes Können an den verschiedenen Wettbewerben. Solche finden dieses Jahr im September im jurassischen Bressaucourt oder in Thun statt. Fricktaler Flugfreaks werden das Fluplatzfest Birrfeld oder – noch näher und noch früher, nämlich Ende Mai – die regionalen Segelflugmeisterschaften in Schupfart besuchen. Dort werden sie zwar weniger Halsbrecherisches zu sehen bekommen. Dafür brummt und dröhnt es auch weniger.
Wettbewerbsfragen:
1. 1965 musste der Flugplatz auf dem Sissler Feld seinen Betrieb einstellen. Aus welchem Grund?
a) Die sich ausbreitende Industrie benötigte mehr Platz.
b) Die Sissler Kühe – in Panik ob der vielen Tiefflieger – gaben keine Milch mehr. Da schritt die mächtig Bauernlobby ein.
c) Die Sissler Feuerwehr war es leid, ständig die Bruchpiloten von Kirschbäumen und Kirchtürmen herunterzuholen. Dann war eben Schluss.
2. Wo fand die Fricktaler Motorfluggruppe dann ihr neues Zuhause?
a) in Kloten
b) in Birrfeld
c) in Schupfart
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben oder mailen Sie uns die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
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Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.


